Es ist der genau passende Rahmen. Wo, wenn nicht bei diesem Klassiker in Monaco? Dort, wo sich die Reichen treffen. Wo sich die meisten für schön halten, auch wenn in manchen Fällen Ärzte nachgeholfen haben sollten. Am Wochenende rast die Formel 1 wieder durch das Fürstentum, über enge Straßen, durch einen Tunnel und am berühmten Hafen vorbei. Monaco ist der Höhepunkt in der Königsklasse. Auch in diesem Jahr wieder.
Audi fährt seit dieser Saison erstmals in der Formel 1. Nach Monaco haben sie eine Neuerung mitgebracht. Die steht im Fahrerlager, ist weiß sowie grau gestrichen und wirkt recht gigantisch. Motorhome wird das Bauwerk genannt, es ist 15 Meter breit, 17 Meter lang und mehr als neun Meter hoch. In diesem mobilen Haus ist das Team an der Strecke untergebracht. Die Fahrer haben hier Ruheräume, Besprechungen finden statt, zudem die gemeinsamen Essen. Und im besten Fall fällt das Gebäude auf.
Das tut der Audi-Palast. Bei anderen Teams wird gemunkelt, dass das Motorhome der Ingolstädter 15 Millionen Euro gekostet haben soll. Doch gerade in Monaco geht es auch darum, sich abzuheben vom Rest. Wenn es sportlich schon nicht funktioniert. Auf der Strecke tut sich der Neueinsteiger schwer. Zu Beginn holte Gabriel Bortoleto die ersten Punkte, seitdem aber gab es viel Stagnation. Und viele technische Probleme, die immer wieder zu Ausfällen führten.
In Monaco können die Fahrer kaum überholen
In Monaco soll das nicht passieren. „Jedes Rennen, das wir beenden, ist ein Schritt nach vorne“, sagte Allan McNish. Der Renndirektor weiß, dass vor dem jungen Team noch viel Arbeit steht. Was die Performance auf der Streck betrifft, ebenso die Zuverlässigkeit. Auf die wird es im Fürstentum ankommen. Und darauf, dass die Fahrer keine Fehler machen.
Für Nico Hülkenberg ist es ein Heimauftritt, der deutsche Pilot wohnt in Monaco. Familie und Freunde werden vor Ort dabei sein. „Die Herausforderung hier ist einzigartig: Man muss von der ersten Runde an seinen Rhythmus finden, hier gibt es keinen Platz für Fehler“, sagte Hülkenberg. Vor allem auf die Qualifikation am Samstag kommt es besonders an. Wer von weit hinten startet, hat auf dem engen Kurs kaum Erfolgschancen. Möglichkeiten zum Überholen gibt es wenige.
Audi hat sich bewusst für den Einstieg in die Formel 1 entschieden. Wissend, dass es ein komplizierter Schritt ist. Die Bedingungen aber waren wegen der umfassenden Reglementänderung günstig. Und doch tut sich der deutsche Hersteller schwer. Wie viele andere namhafte Konkurrenten zuvor auch.
Das Denken innerhalb des Teams soll sich verändern
Den Verantwortlichen bei Audi war bewusst, dass es Zeit braucht, in der Königsklasse nicht nur Fuß zu fassen, sondern irgendwann an der Spitze mitzumischen. 2030 möchte Audi um den Titel kämpfen. Ein langfristiger Plan stecke dahinter, wie Boss Mattia Binotto immer wieder betont. „Wir haben das mit dem Team abgestimmt und besprochen, und so sehr wir uns ein Ziel für 2030 gesetzt haben, haben wir auch eine Roadmap dorthin sowie Ziele für 2026. Der erste Schritt ist, als Team konkurrenzfähig zu werden und vielleicht ein Herausforderer zu sein, und dann ein echter potenzieller Sieger“, sagte Binotto kürzlich im Podcast Beyond the Grid.
Die Herangehensweise für die aktuelle Saison ist klar: möglichst schnell konkurrenzfähig zu werden. Aber auch das Denken innerhalb des Team zu verändern. „Es geht nicht um die Anzahl der Punkte oder bestimmte Positionen in der Meisterschaft. Es geht um eine Veränderung der Mentalität“, sagte Binotto.
Dem Italiener ist wichtig, dass jeder Mitarbeiter genau weiß, was es bedeutet, mit anderen Teams zu konkurrieren. Und was es bedeutet, für Audi zu arbeiten. Sich also nicht mit der reinen Teilnahme zu begnügen, sondern stetige Verbesserungen anzustreben. Um irgendwann tatsächlich an der Spitze zu stehen. So wie Red Bull zuletzt oder Mercedes aktuell. „Ich wäre sehr zufrieden, wenn diese Mentalität am Ende der Saison nicht nur für uns selbst offensichtlich ist, sondern auch aus Sicht der Fans oder der Medien, wenn sie die Transformation eines Teams sehen, bei dem am Saisonende jeder erkennt: Audi ist angekommen und wird ernst.“
Der Weg dorthin könnte steinig sein. Binotto rechnet nicht damit, dass bereits 2027 die großen Fortschritte bringen wird. Weil die Entwicklungsschritte komplex sind und aus zwei Faktoren zusammenhängen: Motor und Chassis. Was das Fahrzeug und die darum herrschende Aerodynamik betreffe, gehört Audi womöglich zu den besten vier Teams. Beim Motor allerdings sieht der Italiener Entwicklungspotenzial. „Die Entwicklungszeit für einen Motor ist länger als für die Aerodynamik. Deshalb sage ich, dass der nächste große Schritt kein kurzfristiger sein kann, weil wir die Hardware des Motors ändern müssen.“
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