Die Arbeit ist erledigt. Zwei Monate war die Augsburger Boxerin Cheyenne Hanson im Boxstall von Xavier Miller im Trainingscamp. Die 28-Jährige sagt, dass es „die härteste Vorbereitung“ ihres Lebens war. Die Tage im Londoner Stadtteil Wembley bestanden im Wesentlichen aus Training, Essen und Schlafen. Das sei nicht immer leicht gewesen, vor allem, weil die Familie und alle Freunde in Augsburg leben. „Wenn du kaum jemanden kennst, hat das aber natürlich den Vorteil, dass es keine Ablenkungen gibt. Ich konzentriere mich nur aufs Boxen. Und wenn ich zweimal am Tag trainiere, bin ich auch wirklich platt. Da brauchst du dir am Abend nichts mehr vornehmen“, erzählt die Profi-Boxerin mit den pink gefärbten Haaren.
Amanda Serrano ist in den USA ein Superstar
All die Mühen sollen sich an diesem Samstag auszahlen, wenn der größte Kampf ihrer bisherigen Karriere ansteht. Im El Paso County Coliseum im Westen von Texas, wartet Amanda Serrano. Die 37-Jährige ist in Puerto Rico geboren, aber in New York aufgewachsen. Im Frauenboxen ist Serrano ein Superstar und die wahrscheinlich prominenteste Vertreterin ihrer Sportart, weit über eine Million Follower auf Instagram sind ein Beleg dafür. Gegen die Augsburgerin Hanson will Serrano ihre WM-Gürtel der beiden großen Verbände WBA und WBO im Federgewicht (bis 57,2 Kilogramm) verteidigen.
Am vergangenen Sonntag flog Hanson in die USA. Die Woche vor dem großen Kampf, der weltweit auf ESPN übertragen wird, war eng getaktet. Mittwoch: Pressetraining. Donnerstag: Pressekonferenz. Freitag: Wiegen. Samstag: Showtime.
Cheyenne Hanson hat sich in London vorbereitet
Hanson ist bereit, das wird schnell klar, wenn man kurz vor dem Kampf mit der 28 Jahre alten Sportlerin spricht. Über Airbnb hatte sie sich ganz in der Nähe des Londoner Boxstalls ein kleines Apartment gemietet. Zusammen mit Xavier Miller feilte sie zwei Monate lang gleichermaßen an den Details wie an der Kondition. „Mein Trainer hat sehr viel Erfahrung, das merkt man jeden Tag in jedem Training. Er sieht die Kleinigkeiten. Man selbst empfindet die Sachen im Ring ja oft ganz anders.“ Miller wird Hanson auch während des Kampfes am Samstagabend betreuen. „Er arbeitet sehr professionell und will aus jedem Boxer das Bestmögliche herausholen.“
In Millers Aufgabengebiet fällt auch, die kommende Gegnerin zu analysieren und eine Strategie zu erarbeiten. In 53 Profi-Kämpfen stieg Serrano 48-mal als Siegerin aus dem Ring. Diese enorme Erfahrung ist ihr größter Vorteil. Gleichzeitig gibt es kaum noch Geheimnisse, was ihren Kampfstil angeht. „Wir wissen natürlich, dass sie sehr stark ist, sonst wäre sie ja nicht schon seit Jahren an der Spitze. Sie geht immer voll drauf, macht Druck und hat eine heftige Ausdauer. Sie ist zwar schon 37, aber gerade im Frauenboxen kannst du bis Anfang 40 in der absoluten Spitze mitmischen, wenn du es richtig machst.“ Zu viel wolle sie zwar nicht über ihren Plan verraten, „aber es gibt natürlich nicht tausende Möglichkeiten bei so jemandem“. Serrano habe so viel Erfahrung, dass sie jeden Kampf ein wenig anders angehen und auch währenddessen noch den Plan ändern könne. „Sie weiß genau, was sie tut.“
Serrano ist wie der FC Bayern
Für sie selbst gelte es, fit in den Kampf zu gehen und eine gute Mentalität an den Tag zu legen. Beides sollte am Samstag der Fall sein. Denn: „Ich habe nichts zu verlieren. Es wird so oder so eine geile Erfahrung. Der Kampf wird weltweit übertragen. Wenn ich gegen die Nummer 1 der Welt verliere, dann ist nichts passiert. Aber wenn ich gewinne, dann ist das sensationell.“ Hanson vergleicht die Situation mit einem Bundesligaspiel gegen den FC Bayern. „Die sind seit Jahren immer ganz oben, aber auch die können verlieren. Der FC Augsburg hat gegen die Bayern in der vergangenen Saison gewonnen. Niemand ist unschlagbar.“ Mit ihren 28 Jahren sei sie noch eine relativ junge Boxerin. Jede Erfahrung sei wichtig. „Ich kann noch sehr viel lernen, und im Boxen ist immer alles möglich. Selbst Mike Tyson wurde auch schon überraschend ausgeknockt, weil ihn sein Gegner blöd getroffen hat. Das kann immer passieren und das macht Boxen zu unberechenbar.“
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