Das etwas abgenudelte Sprichwort trifft bei den Olympischen Spielen den Kern des Problems: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Wäre auch astronomisch teuer angesichts der aktuellen Edelmetall-Preise, wenn die Medaillen wirklich aus purem Gold bestehen würden. Die Goldmedaillen, die in Italien den Athletinnen und Athleten um den Hals baumeln, bestehen aus 500 Gramm Feinsilber und sechs Gramm Feingold. Rund 1800 Euro ist das gute Stück wert. Silber ist aus 500 Gramm Feinsilber geschmiedet und schlägt mit 1000 Euro zu Buche. Die Bronzemedaille besteht aus 420 Gramm Kupfer und besitzt einen Materialwert von vier Euro.
Die Medaillen haben einen Durchmesser von acht Zentimetern und sind zehn Millimeter dick. Hergestellt wurden die guten Stücke vom Istituto Poligrafico e Zecca dello Stato. Gefertigt wurden sie aus recycelten Metallen aus eigenen Produktionsabfällen, heißt es. Bestimmt sind sie für die Ewigkeit. Theoretisch. In der Praxis beweisen erste Materialtests, dass die Trophäen nicht einmal die Siegerehrung unbeschadet überstehen.
Wilder Freudentanz von Biathlet Strelow
Als Biathlet Justus Strelow nach dem Gewinn von Bronze mit dem Mixed-Team einen wilden Freudentanz im Deutschen Haus hinlegte, plumpste die Trophäe zu Boden. Strelow hätte besser den Rat der frisch gekürten Abfahrts-Olympiasiegerin Breezy Johnson befolgen sollen. Die US-Amerikanerin gab Tipps zum richtigen Umgang mit den Plaketten: „Du solltest damit nicht hüpfen.“ Offenbar besitzen die Medaillen Sollbruchstellen. Sowohl bei Strelow als auch bei Johnson brach der Steg, der die Plakette am Band hält. Das Missgeschick passierte ebenfalls der Langläuferin Ebba Andersson. Als die Schwedin nach der Siegerehrung zu ihrer Familie laufen wollte, hatte sie plötzlich zwei Teile in der Hand.
Auch 2024 in Paris wurden mangelhafte Medaillen vergeben
Olympiamedaillen sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Vor zwei Jahren in Paris verteilte das IOC eher Schrott als Edelmetall. Über 100 erfolgreiche Athleten der Sommerspiele haben ihre Trophäen inzwischen zurückgegeben und um Ersatz gebeten. Besonders die Bronzemedaillen, die aus einer Legierung von Kupfer, Zink und Zinn bestehen, sind anfällig für Absplitterungen und Rost. Die Blechmedaille, einst eine wenig schmeichelhafte Umschreibung für den vierten Platz, bekommt eine komplett neue Bedeutung.
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