Viel Zeit, um im heimischen Gessertshausen (Lkr. Augsburg) durchzuatmen, hatte Leonie Daubermann nicht. Am Wochenende bestritt die 24-jährige Profi-Mountainbikerin (KTM Factory MTB Team) das Weltcup-Rennen im österreichischen St. Leongang, am Donnerstag bestieg sie mit der deutschen Nationalmannschaft in Frankfurt das Flugzeug Richtung Krakau. Dann ging es mit dem Bus noch rund zwei Stunden in den polnischen Süden nach Krynica-Zdroj. An den Bergen des Landschaftsschutzparks Popper finden am Sonntag im Rahmen der European Games die Mountainbike-Wettbewerbe im olympischen Cross-Country-Wettbewerb statt.
Leonie Daubermann fehlen Weltcup-Punkte
Die Weltcup-Saison läuft für Daubermann alles andere als optimal. Nach einem Kreuzbandriss im September 2022 muss sie sich aufgrund fehlender Platzierungen und Weltcup-Punkte im Starterfeld unter schwächeren Fahrerinnen weit hinten einreihen. Beim Start im tschechischen Nove Mesto wurde sie so 33. Dann gewann sie in den unter dem Weltcup angesiedelten Czech MTB Cup in Zadov. Es schien aufwärtszugehen. Doch das Weltcup-Rennen in Lenzerheide (Schweiz) musste sie aufgrund einer schweren Grippe absagen. Die Folge: Auch in St. Leongang stand sie beim Start in den letzten Reihen. Eine schwierige Ausgangslage, um aufzuholen, gut zu vergleichen mit der Formel 1. Denn auf der anspruchsvollen und bergigen Strecke hatten ihre leistungsmäßig unterlegenen Konkurrentinnen Probleme. „Leider ist dann in der Startrunde genau das passiert, was ich unbedingt vermeiden wollte, dass ich irgendwie in brenzligen Situationen mit anderen Fahrern lande. Ich musste dreimal vom Rad runter, um einen Sturz zu vermeiden. Da habe ich natürlich viele Positionen und Zeit verloren und war so 50.“ Doch Daubermann gab nicht auf. Am Ende blieb Platz 35. „Den Umständen entsprechend ist es ganz okay, wenn ich bedenke, wie chaotisch die Startrunde war und dass ich vorher krank war.“ Für ihre jüngere Schwester Luisa, 21, lief es im U23-Wettbewerb besser. Sie belegte einen ordentlichen 15. Platz.
Eine komplett neue EM-Strecke in Polen
Während Luisa Daubermann sich schon auf den nächsten Weltcup im italienischen Val di Sole vorbereitet, konzentriert sich Leonie Daubermann jetzt auf die EM. Die 24-Jährige kann wieder normal trainieren. Trotzdem geht das Mitglied des Veloclubs Augsburg-Lechhausen mit gemischten Gefühlen an den Start: „Ich reise jetzt ohne ein konkretes Ziel im Kopf nach Polen, weil ich weiß, dass die Vorbereitung nicht optimal war. Ich kenne auch die Strecke noch nicht und kann daher meine Qualität irgendwie nicht einschätzen.“ Der Kurs wurde extra für die EM neu angelegt. „Deswegen gibt's da auch noch nicht so viele Informationen“, sagt Daubermann. Alle Fahrerinnen betreten Neuland, die Konkurrenz ist enorm. Alle Spitzenfahrerinnen gehen an den Start. „Wenn ich ein gutes Rennen fahre, dann will ich da in die Top 20 reinfahren.“
Leonie Daubermann wurde bei der EM in München als 17. beste Deutsche
So wie im vergangenen Jahr bei der EM in München. Getragen von der speziellen Atmosphäre im Olympiapark fuhr Daubermann im August 2022 als beste Deutsche auf Platz 17. „Ich bin noch nie so viel mit meinem Namen an der Strecke angefeuert worden. Das wird in Polen sicher nicht passieren, aber ich freue mich trotzdem sehr auf das Event.“ Auch wenn sie wieder von ganz hinten starten muss. Denn die Reihenfolge wird nach den Weltcup-Platzierungen festgelegt.