„Ihr Afrikaner, was macht ihr da eigentlich?“ – einen Satz wie diesen hörte Sunday Temi Olaniyan, wenn er an seinem Herzensprojekt arbeitete, früher öfter. Heute lacht der Gründer der Afro-Passion-Gruppe darüber – auch wenn es für ihn nicht immer leicht war: Diskriminierung und Alltagsrassismus begleiten ihn, seit der gebürtige Nigerianer nach Deutschland kam. Davon entmutigen ließ er sich allerdings nie. Im Gegenteil: Sein Ziel ist klar – die Sichtbarkeit und Wertschätzung afrikanischer Kultur, zu der auch eine große Sport-Begeisterung gehört, in Deutschland zu stärken. Deswegen rief er Afro-Passion ins Leben.
Vom Frust zur Vision
Die Geschichte der Bewegung beginnt 2012, an einem ganz gewöhnlichen Abend. Olaniyan – selbst Musiker – wollte mit Freunden den Tag in einem Klub ausklingen lassen, doch der Türsteher verweigerte ihnen den Zutritt. „Dieser Moment hat mir gezeigt, dass wir aktiv werden müssen“, erinnert sich der heute 49-Jährige. So wurde Afro-Passion geboren: zunächst aus Frust, bald aber aus Überzeugung. Aus einer spontanen Idee ist heute ein internationales Event- und Lifestyleprojekt geworden, das Musik, Sport, Kultur und Community der afrikanischen Diaspora zusammenbringt. Herzstück ist der Austausch – über Vorurteile hinweg, mit Veranstaltungen in ganz Deutschland.
Anmeldestopp beim African Cup
Besonders in Augsburg sorgt der seit 2022 jährliche African Cup für Aufmerksamkeit: Ein Fußballturnier, das mittlerweile schon viermal stattfand – ursprünglich als einmalige Aktion zum zehnjährigen Bestehen gedacht. „Das Feedback war so überwältigend, dass daraus ein fester Termin wurde“, berichtet Olaniyan. Vor rund einem Monat kam es gerade erst wieder zum Zusammentreffen von Fußballspielern aus ganz Deutschland, die für den African Cup nach Augsburg reisten. Teilnehmerfeld und Zuschauerresonanz wachsen stetig. „Dieses Jahr hatten wir so viele Anfragen, dass wir nach Anmeldungen von 18 Mannschaften aus Gründen der finanziellen Kapazität die restlichen Anmeldungen ignorieren mussten“, berichtet der Leiter der Afro-Passion Gruppe.
Aus sportlicher Sicht gewann am Ende die Mannschaft der westafrikanischen Nation Sierra Leone, doch Olaniyans Blickfeld geht darüber hinaus. Für ihn ist der African Cup mehr als Sport: Es ist ein Symbol für Zusammenhalt, Stolz – und für eine kulturelle Präsenz, die sich nicht länger verstecken will. „Absolut jeder ist hier willkommen, ob rot; grün; weiß oder schwarz, ob fußballinteressiert oder nicht“, so der in Augsburg lebende Turnierorganisator.
Afro-Passion ist nicht nur Bühne, sondern auch Heimat
Denn hinter seiner Afro-Passion steckt mehr als ein Veranstaltungsformat. Es ist ein Raum, in dem Menschen ihre Identität feiern können – frei von Klischees, frei von Anpassungsdruck. „Viele junge Menschen, die in Deutschland aufgewachsen sind und zwischen zwei Kulturen stehen, finden hier ein neues Selbstverständnis – stolz, sichtbar und vernetzt. Für sie ist Afro-Passion nicht nur Bühne – sondern auch Heimat“, freut sich Olaniyan.
Sunday Olaniyan geht es nicht darum, laut zu sein. Sondern darum, gehört zu werden. In einer Zeit, in der Vielfalt oft nur oberflächlich gefeiert wird, schafft er echte Verbindungen. Er zeigt auf: „Kultur ist nicht nur Tradition, sondern auch Gegenwart und Zukunft“. Zwar sei der ihm entgegengebrachte Rassismus im Alltag im Vergleich zu seinen Anfängen in Deutschland weniger geworden, „völlig aus der Welt schaffen wird man ihn aber nie“, sagt er.
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