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Vor dem WM-Auftakt: Das deutsche Eishockeyteam sucht den Weg aus der Krise

Eishockey-WM

„Die Deutschen sind besser als sie denken“: Gelingt der Weg aus der Krise?

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    Bundestrainer Harold Kreis steht bei der WM gehörig unter Druck.
    Bundestrainer Harold Kreis steht bei der WM gehörig unter Druck. Foto: Peter Kneffel, dpa

    Eine Maxime von Eishockeyspielern und ihren Trainern lautet: Emotional stabil bleiben, niemals zu euphorisch sein, nie zu deprimiert. Der Fokus liegt auf der nächsten Aufgabe. Zurückgeschaut wird nicht. Angeblich. Deshalb sagt auch Bundestrainer Harold Kreis vor dem WM-Auftaktspiel der deutschen Mannschaft am Freitag gegen Finnland (16.20 Uhr/ProSieben und MagentaSport): „Ich verspüre nicht mehr Druck als sonst.“ Die Eishockey-Welt könnte in Ordnung sein. Der Deutsche Eishockey Bund (DEB) versprüht wie immer Optimismus vor dem WM-Turnier. Der Vertrag von Kreis läuft noch ein weiteres Jahr. Und 2027 steigt die Heim-WM in Düsseldorf und Mannheim.

    Und doch ist lange nicht alles in Ordnung. Zu viel ist schiefgelaufen in der jüngsten Vergangenheit. Die Resultate stimmten nicht. Bei der WM 2025 in Finnland schaffte es Deutschland erstmals seit vielen Jahren nicht mehr ins Viertelfinale. Bei Olympia in Mailand war trotz des „besten deutschen Kaders aller Zeiten“ (Nico Sturm) gegen mittelmäßige Slowaken mit 2:6 im Viertelfinale Endstation.

    Der DEB steht in der Kritik

    Die anschließende Kritik ging ins Fundamentale: „Auf dem Niveau ist das zu schwer, wenn nicht alle auf der gleichen Seite sind und alle wissen, wie wir spielen wollen“, monierte Superstar Leon Draisaitl von den Edmonton Oilers und meinte damit Spieler wie auch den Trainerstab. Draisaitls Worte waren auch an den DEB gerichtet, der selbstkritisch Fehler zugab. „Wir waren gut vorbereitet, aber wir waren nicht top vorbereitet. Das beginnt bei mir – weil ich der Vorstand Sport bin“, erwiderte darauf DEB-Funktionär Christian Künast.

    Ex-Bundestrainer Uwe Krupp vermisste ebenfalls ein geschlossenes Team: „Was nicht so gut gelungen ist, die Aufgabe in der Mannschaft auf genügend Schultern zu verteilen und dadurch so eine richtige Einheit zu bilden.“

    Nicht nur Leon Draisaitl hat abgesagt

    In Zürich hat Team Deutschland ein neues Gesicht. Die NHL-Größen Draisaitl, Tim Stützle und JJ Peterka haben abgesagt. Der langjährige Kapitän Moritz Müller entschied sich dafür, bei MagentaSport als Experte aufzutreten. Der Kölner Müller war einer der Kritiker, der bei den Winterspielen das Auftreten und die Spielweise des deutschen Teams angemahnt hatte.

    Auch Nico Sturm fehlt. Seine Saison ist nach dem Aus der Minnesota Wild in der zweiten Play-off-Runde beendet. In fünf Spielen gegen Colorado Avalanche war Minnesota lediglich ein Sieg gelungen. Sturm verpasste damit die Chance auf seinen dritten Stanley Cup nach 2022 und 2025.

    In der Schweiz kann Trainer Kreis immerhin auf Moritz Seider bauen. Der gebürtige Mannheimer zählt zu den wertvollsten NHL-Verteidigern. Auch Stürmer Lukas Reichel stieß in letzter Sekunde zum Team. Der 23-Jährige landete am Donnerstag in Zürich. Reichel spielte in der vergangenen Saison zuletzt bei den Boston Bruins. Nach dem Ausscheiden aus den NHL-Playoffs ging er noch für das Farmteam Providence Bruins auf das Eis. Eine WM-Teilnahme scheiterte zuvor daran, dass Reichel noch keinen neuen Kontrakt in der nordamerikanischen Liga hatte. Der DEB teilte mit, dass Reichel nun einen neuen Vertrag unterzeichnet hat. Das Team ist noch nicht bekannt.

    Eine Fokussierung auf einen Star wie bei Olympia auf Draisaitl soll es allerdings nicht mehr geben. Der Mannschafts-Gedanke muss wieder in den Vordergrund rücken, sagt Verteidiger Kai Wissmann vom Deutschen Meister Eisbären Berlin: „Wir haben nicht so viel NHL-High-End-Qualität wie bei Olympia, aber verfügen über eine gute Defensive und Teamgeist.“

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    Mit dem Olympia-Dritten Finnland wartet zum Auftakt einer der WM-Favoriten. Der langjährige Kapitän Moritz Müller fordert, den in den vergangenen Jahren gewonnenen Glauben und den Mut beizubehalten, mit dem Puck zu spielen, anstatt dem Gegner die Scheibe zu überlassen. „Die Deutschen sind besser als sie denken. Sie glauben nur selber nicht immer daran“, sagt Müller. Kreativ mit der Scheibe umzugehen, lautet auch das Credo des Bundestrainers. Noch besser wäre es, wenn sich die Kreativität in Siegen niederschlägt. Es gilt, den Olympia-Frust zu überwinden und ein Jahr vor der Heim-WM Fahrt aufzunehmen.

    Der deutsche WM-Kader

    Tor Philipp Grubauer (Seattle Kraken/NHL), Maximilian Franzreb (Mannheim), Jonas Stettmer (Berlin)

    Verteidigung Moritz Seider (Detroit Red Wings/NHL), Philipp Sinn, Fabio Wagner (bd. München), Eric Mik, Kai Wissmann (bd. Berlin), Leon Gawanke (Mannheim), Leion Hüttl (Ingolstadt), Marcus Weber (Nürnberg)

    Sturm Joshua Samanski (Edmonton Oilers/NHL), Dominik Kahun (HC Lausanne/Schweiz), Lukas Reichel (Boston/NHL), Frederik Tiffels, Andreas Eder, Manuel Wiederer (a. Berlin), Parker Tuomie (Köln), Alexander Ehl, Marc Michaelis (bd. Mannheim), Samuel Dove-McFalls (Nürnberg), Daniel Fischbuch (Iserlohn), Maximilian Kastner (München), Nicolas Krämmer (Bremerhaven), Stefan Loibl (Straubing)

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