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Wertingen: "Haarscharf an meiner Nase vorbei": Als bei Wertingen eine Gewehrkugel einschlug

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"Haarscharf an meiner Nase vorbei": Als bei Wertingen eine Gewehrkugel einschlug

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    Riesiges Glück hatte 1945 eine Wertingerin. Beim Gefecht zwischen Wehrmachtssoldaten und den Amerikanern verirrte sich ein Geschoss und schlug in ihrem Haus ein. Gottseidank nur in einem Buch, das nun im Besitz des Wertinger Heimatmuseums ist.
    Riesiges Glück hatte 1945 eine Wertingerin. Beim Gefecht zwischen Wehrmachtssoldaten und den Amerikanern verirrte sich ein Geschoss und schlug in ihrem Haus ein. Gottseidank nur in einem Buch, das nun im Besitz des Wertinger Heimatmuseums ist.

    Unscheinbar wirkt das in einem Filmdöschen im Depot des Heimatmuseums aufbewahrte Objekt des Monats September: ein Projektil, das in einem Stück beschriebenem Papier eingerollt ist. Fein säuberlich sind darauf Situation und Wirkung des Geschehens notiert:

    „Diese Kugel stammt von der Beschießung unseres Hauses, Gartenstr. 4, her, die zu Dutzenden auf unser Haus fielen. – Wertingen, den 25.4.1945. Haarscharf an meiner Nase vorbei. Bekam kurz darauf einen Nervenschock. Sta. E.“ [Stadler, Elisabeth]

    Als deutsche und amerikanische Soldaten aufeinander schossen

    Zum Hintergrund: Amerikanische Soldaten näherten sich an diesem Tag Wertingen von Binswangen her über den Riedberg. Die Häuser an der Gartenstraße (heute: Stauferstraße) grenzten den Ort nach Westen hin ab. Dort sollte die Stadt von deutschen Soldaten verteidigt werden. Im Bihler-Garten westlich der Gartenstraße lagen sieben Soldaten in Kampfbereitschaft zur Verteidigung Wertingens. Alle sieben kamen bei dem Schusswechsel mit den Amerikanern ums Leben.

    Die Frau erlitt einen Nervenzusammenbruch, wie schriftlich überliefert ist.
    Die Frau erlitt einen Nervenzusammenbruch, wie schriftlich überliefert ist.

    Dabei schlugen mehrere Kugeln auch in das Haus in der Gartenstraße 4 ein, eine davon verfehlte die Besitzerin nur knapp. Diese spürte den Flug des Geschoßes deutlich. Das Projektil setzte sich dann im Bibliotheksregal in einem Buch fest. Nachdem Frau Scheidler, geborene Stadler, die Situation realisierte, bekam sie einen Nervenzusammenbruch. Das Projektil übergab Jahre später ihr Neffe dem Heimatmuseum. Eingewickelt hatte sie es in einem Notizzettel, in dem sie fein säuberlich die damalige Situation veranschaulichte.

    Die Soldaten wurden später exhumiert

    Inzwischen ist das Heimatmuseum auch im Besitz des Buches, in dessen Rücken die Gewehrkugel einschlug. Es ist von Theobaldus Fix (1802 – 1874) herausgegeben und trägt den Titel: „Euripides.“ Darin werden unter anderem Stücke von Euripides in Altgriechisch wiedergegeben und ins Lateinische übersetzt. Das Buch gehörte einst Elisabeth Scheidlers Vater (also Wolfram Stadlers Großvaters), der ab 1896 Amtsrichter und ab 1906 Oberamtsrichter in Wertingen war, und der sich bis ins hohe Alter mit alten und neuen Sprachen beschäftigte.

    Nur knapp verfehlte die Gewehrkugel eine Wertingerin.
    Nur knapp verfehlte die Gewehrkugel eine Wertingerin.

    Die sieben gefallenen deutschen Soldaten wurden damals im Bihler-Garten begraben. Später wurden sie, da es keine Wertinger waren, exhumiert und in ihre Heimatorte überführt beziehungsweise in Kriegsgräberfriedhöfen beigesetzt.

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