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Warum fehlen in Wertingen plötzlich 300 Einwohner?

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Warum in Wertingen nun 300 Einwohner fehlen

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    Laut der neuen Zensus-Zahlen hat Wertingen knapp 300 Einwohner weniger als bislang angenommen.
    Laut der neuen Zensus-Zahlen hat Wertingen knapp 300 Einwohner weniger als bislang angenommen. Foto: Marcus Merk (Archivbild)

    Das Erstaunen war groß. Plötzlich fehlen in Wertingen knapp 300 Einwohner. Auch in Binswangen oder Villenbach soll es einen Einwohnerschwund geben. Das legen zumindest die neuen Zensus-Zahlen nahe. Diese wurden am Donnerstagabend bei der Versammlung der Verwaltungsgemeinschaft Wertingen bekannt. Da konnte so mancher Rathauschef nur bitter auflachen. Man hätte es doch sicher gemerkt, wenn in Binswangen 37 Leute weggezogen wären, so die Meinung unter den Zuhörern und Zuhörerinnen. Doch all das Zweifeln hilft nichts. Die neuen Zensuszahlen werden herangezogen, wenn es künftig um Zahlungen oder Förderungen gehen wird, die mit der Einwohnerzahl zusammenhängen.

    Erstaunen über die neuen Zahlen des Zensus

    Hintergrund: Früher hieß es Volkszählung, heutzutage Zensus. Das Ziel aber ist das Gleiche: Die Statistiker wollen wissen, wie viele Menschen in einem Land, einer Stadt oder einer Gemeinde leben. Deshalb wird mindestens alle zehn Jahre einmal durchgezählt. Von Haustür zu Haustür wandert dabei niemand, stattdessen ziehen die Verantwortlichen die Zahlen aus den Melderegistern und anderen offiziellen Daten heran. Es werden aber auch zahlreiche Menschen persönlich befragt. Dabei stellte sich heraus: Es gibt eine deutliche Diskrepanz zwischen den offiziellen Zahlen und den aktuellen Erhebungen. 

    Die Gemeinden Binswangen (-37 Einwohner), Laugna (-36 Einwohner), Villenbach (-46 Einwohner), Wertingen (-291) und Zusamaltheim (-8) stehen mit dem Problem nicht alleine da. Wie Wertingens Bürgermeister Willy Lehmeier erläuterte, traf es andere Städte und Gemeinden genauso. Ingolstadt soll um rund 3000 Personen geschrumpft sein und in ganz Deutschland „fehlen“ insgesamt 1,4 Millionen Menschen.

    Wertingen kann so die 10.000 Marke nicht knacken

    Lehmeier erklärte, dass laut der neuen Zahlen so viele Leute in der Stadt Wertingen fehlen würden, wie in Prettelshofen und Hettlingen wohnen. Für die Zusamstadt sind diese Zahlen ein Rückschlag. Laut Zensus gibt es in Wertingen 9335 Einwohner. Dabei waren die Verantwortlichen im Rathaus davon ausgegangen, bald die 10.000-Einwohner-Marke zu knacken. Ab der Marke von 10.000 Einwohnern steigt die Besoldungsgruppe des Bürgermeisters und die Zahl der Stadträte in Wertingen wäre von 22 auf 24 angestiegen. Doch daraus wird so schnell wohl nichts werden.

    Matthias Freier, der Leiter der Finanzverwaltung im Wertinger Rathaus, gibt jedoch etwas Entwarnung hinsichtlich der staatlichen Zuschüsse, wie beispielsweise der Schlüsselzuweisungen. Diese würden sich nicht an der Einwohnerzahl, sondern am Steueraufkommen orientieren.

    Die Bürgermeister der VG-Gemeinden können nun sogar von den sinkenden Einwohnerzahlen profitieren. Sie müssen deshalb weniger Umlage für die Verwaltungsgemeinschaft bezahlen, da sich diese an den Einwohnerzahlen orientiert. Die Umlage ist faktisch gleich geblieben. Sie liegt bei 185 Euro pro Einwohner.

    Steigende Kreisumlage macht den Gemeinden Sorgen

    Bei der Versammlung am Donnerstagabend in Riedsend blickten die Bürgermeister der VG Gemeinden auf das vergangene Jahr zurück und erläuterten zum Teil auch anstehende Projekte. Dabei wurde deutlich, dass die meisten Kommunen Probleme haben, genügend Personal für den Kindergarten oder die Krippe zu finden. Der Rechtsanspruch auf eine ganztägige Betreuung von Schulkindern bereitet nicht nur Wertingens Bürgermeister Lehmeier Kopfzerbrechen. Immerhin müssen dafür die nötigen Räume bereitgestellt und entsprechend Personal gefunden werden. Ab dem Schuljahr 2026/27 gilt schrittweise der Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung in der Grundschule.

    Wie Werner Filbrich, der Bürgermeister von Villenbach, erklärte, wird in vier bis sechs Wochen mit dem Ausbau der Kreisstraße zwischen Wengen und Villenbach begonnen. Die Straße wird breiter gemacht und ein 2,5 Meter breiter Fuß- und Radweg gebaut. In Binswangen dreht sich dagegen derzeit vieles um die Errichtung eines geplanten Dorfladens. Bürgermeister Anton Winkler erläuterte, dass dafür nun eine Genossenschaft gegründet wurde. Sorgen bereitet nicht nur dem Binswanger Rathauschef die steigende Kreis- und Bezirksumlage. „Wir wissen bald nicht mehr, wo das Geld dafür herkommen soll“, so Winkler.

    Auf die Probleme bei der Nachverdichtung in den Ortschaften machte Laugnas Bürgermeister Hans Gebele aufmerksam. Diese werde immer wieder gefordert, doch die konkrete Umsetzung vor Ort sei mehr als schwierig. Bei derartigen Baumaßnahmen sei die Planung oft zu aufwendig. Der Neubau eines Kinderhauses beschäftigt gerade Stephan Lutz, den Bürgermeister von Zusamaltheim.

    Auf das Hochwasser blickte Bürgermeister Lehmeier zurück. Er erklärte, dass die Betroffenen teils noch immer auf Entschädigungszahlungen warten. Er sei froh darüber, dass die Initiative „Hochwasserschutz Wertingen: Jetzt!“ und das überörtliche Bündnis „Wasser und Natur Bayern“ weiterhin Druck auf die Verantwortlichen ausüben.

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