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Corona-Pandemie: Wie wirkt sich das Coronavirus auf den Job-Markt aus?

Corona-Pandemie

Wie wirkt sich das Coronavirus auf den Job-Markt aus?

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    Gähnende Leere in der Gastronomie: Die Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen viele Firmen heftig.
    Gähnende Leere in der Gastronomie: Die Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen viele Firmen heftig. Foto: Henning Kaiser, dpa

    Das Corona-Virus wirkt sich auf nahezu alle Lebensbereiche aus - und besonders stark auf den Arbeitsmarkt. Am offensichtlichsten ist das in der Gastronomie: Lokale haben geschlossen, manche versuchen sich durch Angebote zum Mitnehmen über Wasser zu halten. Durch die abgesagten Großveranstaltungen können auch Wiesn-Bedienungen nicht arbeiten, genauso wenig die Schausteller.

    Dass diese Bereiche besonders betroffen sind, schildert auch Anna Stolz vom Jobportal meinestadt.de. "Wir haben das gemerkt, als Mitte März die Schulen geschlossen wurden. Beim Gastgewerbe und Tourismus haben wir große Einbrüche verzeichnet. Aber auch die Jobs beim Marketing, PR und in der Werbung gehören zu den Verlierern."

    Die Stellenausschreibungen gehen zurück

    Dort, wo es Verlierer gibt, können andere wiederum zulegen. Auf dem Jobmarkt gibt es das auch während der Corona-Krise: "Das sind die systemrelevanten Jobs. Im Sozial- und Gesundheitswesen wird sehr stark gesucht. Einen unheimlichen Peak haben wir auch beim Thema Aushilfsjobs im Einzelhandel. Es werden Leute gesucht, die die Regale einräumen", sagt Stolz. Auch im Bereich Einkauf und Logistik oder bei Paketzustellern, also in den Bereichen, in denen die Versorgung sichergestellt wird, würden viele Suchanzeigen geschaltet, so Stolz.

    Stellenausschreibungen sind beim Portal Indeed aber grundsätzlich zurückgegangen, schildert die Arbeitsmarktökonomin Annina Hering. Im Vergleich zum vergangenen Jahr seien die Stellenausschreibungen auf der Jobseite um 17 Prozent zurückgegangen.

    Viele Menschen suchen in den Bereichen, in denen sie Jobs erwarten

    In den prekären Berufen wie der Gastronomie gingen die Leute nicht davon aus, dass sie schnell wieder einen Job bekommen, sagt Hering. "Die Suche nach dem Begriff Küchenhilfe ist um 32 Prozent seit Anfang März zurückgegangen." Im Bereich Hotelgewerbe und Tourismus sanken die Stellenausschreibungen um 38 Prozent, bei Cafés, Bars und Restaurants seien es 35 Prozent.

    Doch diejenigen, die vielleicht ihren Job verloren haben, würden umschwenken: "Man kann beobachten, dass die Leute genau da suchen, wo sie erwarten, dass es gerade Jobs gibt. Bei den Suchbegriffen Aushilfe in Kombination mit Rewe, Aldi oder Lidl gibt es seit Anfang März einen Zuwachs um 600 Prozent", berichtet Hering.

    Ähnliches berichtet das Portal Stepstone: Begriffe wie Lieferservice, Verkauf oder Supermarkt würden teils doppelt so häufig wie vor der Corona-Krise eingegeben, auch im Logistikbereich sehe man einen solchen Effekt. Und auch im medizinischen Bereich werde häufiger nach entsprechenden Jobs gesucht.

    Corona-Krise: Fast alle Branchen sind betroffen

    Laut Hering von Indeed gab es keine Branche, die von der Krise unangetastet geblieben ist: "Man kann sagen, dass alle Unternehmen betroffen waren. Ich glaube, ein Hauptgrund war die Organisation. Auch im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege musste sich das Recruiting erst finden." Laut der Expertin hätten sich sogar in diesem Bereich, in dem Arbeitnehmer bereits vor, aber auch nach Ausbruch der Krise sehr gefragt seien, die Unternehmen erst wieder organisieren müssen. Kurz habe es einen Rückgang der Stellenausschreibungen gegeben, sich nun aber wieder stabilisiert.

    Überrascht war Hering vom It-Bereich: "It-Fachkräfte sind schon vor der Krise sehr stark nachgefragt gewesen. Da man dort häufig auch von zu Hause aus arbeiten kann, hätte man denken können, dass es theoretisch normal weitergeht. Aber es gab bei den Stellenausschreibungen ein Minus von 18 Prozent", schildert die Indeed-Expertin. Mittlerweile gehe deren Anzahl nicht mehr so weit zurück und stabilisiere sich auf einem niedrigerem Niveau.

    Laut dem Portal Indeed haben die Krankenhäuser in Bayern auch in der Corona-Krise weiterhin Jobs ausgeschrieben.
    Laut dem Portal Indeed haben die Krankenhäuser in Bayern auch in der Corona-Krise weiterhin Jobs ausgeschrieben. Foto: Silvio Wyszengrad (Archiv)

    Bayern sei - bezogen auf ihr Portal - bezüglich der Stellenausschreibungen im bundesweiten Durchschnitt. Eine Ausnahme gebe es aber. In der Gesundheits- und Krankenpflege liege der bundesweite Rückgang der Stellenausschreibungen bei Indeed bei sieben Prozent, in Bayern nahezu bei null. "In Bayern haben die Krankenhäuser das Recruiting trotz der Krise fortgesetzt", sagt Hering.

    Auch auf dem Jobportal der Augsburger Allgemeinen sind die geschalteten Stellenanzeigen zurückgegangen, wie Max Samer schildert. Er ist aber auch Projektleiter des Portals AzubiMovie und berichtet, dass es dort keinen Rückgang der Ausschreibungen gab. "Die Unternehmen suchen weiterhin Auszubildende", sagt Samer.

    IAB rechnet mit drei Millionen Arbeitslosen in den nächsten Monaten

    Einen Blick in die Zukunft wagt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). In einer Mitteilung vom Freitag schreibt dieses, dass die deutsche Wirtschaft in die schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte stürze.

    Enzo Weber, IAB-Ökonom sagt: "Bisher hatten wir bei einer Rezession eine klare Ursache, ob in der Finanz- oder Ölkrise. Aber dieses Mal ist es eine multiple Krise: Schließung des Wirtschaftsbereichs des öffentlichen Lebens, Ausfälle bei den Arbeitskräften, wir haben einen weltweiten Industrieeinbruch."

    Das IAB geht für seine Vorhersagen dafür aus, dass das Virus unter Kontrolle bleibt und eine Öffnung Schritt für Schritt bis Jahresende erfolgt. So rechnen die Experten damit, dass die Zahl der Arbeitslosen in den kommenden Monaten auf mehr als drei Millionen steigen wird. Laut IAB könne aber - wenn sich die Wirtschaftstätigkeit in der zweiten Hälfte des Jahres normalisiert - der Anstieg um die Hälfte wettgemacht werden. Laut Bundesagentur für Arbeit lag die Zahl der Arbeitslosen im März 2020 bei 2,3 Millionen - in den aktuellen Zahlen spiegeln sich die Auswirkungen der Corona-Krise noch nicht wieder, so die Agentur.

    718.000 Betriebe haben laut der Agentur Kurzarbeit angemeldet. Das sind aber nur die Anzeigen - wie viele Unternehmen und Arbeitnehmer tatsächlich betroffen sein werden, könne man erst in einigen Monaten sagen. Die Agentur rechnet laut einem Sprecher damit, "dass der Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten stark unter Spannung geraten wird."

    Laut Weber ist der Arbeitsmarkt robuster als früher

    Aber IAB-Experte Weber betont auch, dass dieser Schock für den Arbeitsmarkt vor etwa 15 Jahren noch viel stärker ausgefallen wäre. "Der Arbeitsmarkt wäre ins Bodenlose gestürzt. Heute ist der robuster, wir haben keine Massenarbeitslosigkeit." Diese Stabilität erklärt Weber damit, dass die Arbeitskräfte knapp seien. Verliere ein Arbeitgeber gute Angestellte, sei es schwieriger, die Lücken zu füllen.

    Dennoch müsse man aufpassen: Die Zahl der Arbeitslosen werde steigen und müsse auch wieder gesenkt werden: "In der Vergangenheit ist die Arbeitslosigkeit in Rezessionen gestiegen und dann auf diesem Niveau geblieben. Das darf dieses Mal nicht passieren", sagt Weber.

    Weber fordert Anreize für Neueinstellungen

    Um das zu erreichen, seien zunächst Maßnahmen wie Kurzarbeit auch richtig und notwendig. Der Ökonom bringt aber auch einen "Rettungsschirm für Neueinstellungen" ins Spiel. Damit weiterhin Stellen geschaffen werden, müsse ein finanzieller Anreiz geschaffen werden. Verzichte man bei der Einstellung neuer Arbeitnehmer auf Sozialversicherungsbeiträge, gebe es einen "erheblichen Anreiz", neue Jobs zu schaffen.

    Langfristige Prognosen für den Arbeitsmarkt könnten eintreffen - ob sie das tun, müsse man sehen. Weber denkt, dass hinsichtlich der Digitalisierung ein gewisses Niveau auch nach der Krise bleibt. "Auf der anderen Seite kann es auch sein, dass Ungleichheit verstärkt wird. Viele Menschen bekommen kein Einkommen, es werden wieder vor allem Frauen von den Kitaschließungen betroffen sein. Wir müssen sehen, wie lange dieser Zustand anhält." Dauere er länger, dürfe man nicht in alte Ungleichheiten zurückfallen.

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