Oktoberfest 2020: Die Absage der Münchner Wiesn trifft besonders die Bedienungen
Oktoberfest 2020
Die Absage der Münchner Wiesn trifft besonders die Bedienungen
Das größte Volksfest der Welt muss dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Eine Oktoberfest-Bedienung aus Kaufbeuren erzählt, was das für sie bedeutet.
Von Lea Binzer|22.04.20 - aktualisiert:
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Flaute statt Hochbetrieb: Das Oktoberfest lockt normalerweise Millionen Besucher nach München. Wiesn-Bedienungen in den Zelten verdienen dabei ordentlich. Doch dieses Jahr ist mit Corona alles anders.Foto: Hildenbrand, dpa
Von dieser Entscheidung erfuhr Mila Düsterbeck aus den Medien. Sie sei "zutiefst traurig und enttäuscht." Die 44-Jährige aus Kaufbeuren ist direkt von der Wiesn-Absage betroffen. Seit zehn Jahren arbeitet sie als Bedienung im Café Kaiserschmarrn, dem Zelt der Münchner Traditionsbäckerei Rischart auf dem Oktoberfest. Auch dieses Jahr hätte sie wieder zwei Wochen unbezahlten Urlaub genommen, um dort bedienen zu können. Bis zuletzt hat sie gehofft – vergebens.
Wiesn-Bedienungen gehen mit fünfstelligen Beträgen nach Hause
Ein harter Schlag, gehen Wiesn-Bedienungen doch nach 16 Tagen Oktoberfest oftmals mit fünfstelligen Beträgen nach Hause. Solch eine Summe fehlt nun auch Mila Düsterbeck. Kann sie das finanziell verkraften? "Das weiß ich noch nicht. Im Moment geht es uns noch gut. Aber vermutlich werden wir kürzertreten müssen, auf Urlaub verzichten", erklärt die alleinerziehende Mutter eines achtjährigen Sohns. Hinzu kommt, dass die 44-Jährige seit Ende März in Kurzarbeit ist. Das Café der Bäckerei in Kaufbeuren, in dem sie normalerweise arbeitet, hat wegen der Corona-Krise geschlossen. Wann es wieder geöffnet wird, weiß noch keiner.
Doch der finanzielle Verlust ist nur ein Punkt. Mindestens genauso schlimm ist es, die knapp 30 Kollegen und Chefs dieses Jahr nicht sehen zu können. "Wir sind wie eine Familie." Das bestätigt auch Ludwig "Wiggerl" Hagn. Der 80-Jährige hat 63 Jahre lang auf der Wiesn gearbeitet, 40 Jahre davon als Geschäftsführer des Löwenbräu-Zeltes. Vergangenes Jahr übergab er die Geschäfte an seine Tochter. Viele der über 200 Bedienungen kennt er seit Jahren. Und gerade sie oder die Breznverkäufer, die durch die Bierzelte gehen und sich so eine große Summe dazuverdienen, treffe die Wiesn-Absage besonders hart.
Absage für das Oktoberfest 2020: Auch andere Volksfeste fallen wegen der Corona-Krise aus
Wiesn-Bedienung wurde Mila Düsterbeck eher zufällig. Als 2010 die Oide Wiesn zum ersten Mal stattfand, wurden Bedienungen gesucht. Düsterbeck bewarb sich und wurde genommen, wechselte bald darauf ins Café Kaiserschmarrn. Die gelernte Restaurantfachfrau mag das Bedienen, auch wenn die Arbeit körperlich sehr schwer sei.
Eine Bedienung trägt Bier im Außenbereich eines Festzeltes auf dem Oktoberfest - das wird es in diesem Jahr nicht geben.Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Archiv)
Trotz allem hat sie Verständnis für die Entscheidung, dass die Wiesn dieses Jahr ausfällt. "Wenn das hilft, wenn das die Gesundheit rettet, bin ich zufrieden", sagt sie, Das sieht auch Ludwig Hagn so. Auch wenn es schmerzt. Doch durch die Absagen anderer Volksfeste wie den Augsburger Osterplärrer oder das Gäubodenfest in Straubing im Vorfeld sei für ihn die Absage nicht aus heiterem Himmel gekommen. Selbst wenn das Oktoberfest stattgefunden hätte, wäre es "eine Wiesn außerhalb der Norm" geworden, sagt Hagn. Wegen der weltweiten Reisebeschränkungen – von denen keiner weiß, wann sie gelockert oder aufgehoben werden – ist sich der 80-Jährige sicher, dass viel weniger Besucher gekommen wären. Und eine Wiesn unter den jetzigen Corona-Auflagen? Undenkbar. "Wie soll im Zelt Stimmung aufkommen, wenn man zwei Meter vom anderen weg sitzt?"
Wie wird es mit dem Oktoberfest in Zukunft weitergehen?
Doch wie geht es mit dem Oktoberfest in Zukunft weiter? "Die Wiesn wird wieder stattfinden", ist sich Ludwig Hagn sicher. Ob aber alle Marktkaufleute, Bedienungen, Schausteller und Wiesnwirte noch da sein werden, sei fraglich. Das könne man jetzt noch nicht abschätzen. Mila Düsterbeck will auf jeden Fall wieder bedienen. Den Vorschlag, das Oktoberfest nächstes Jahr um eine Woche zu verlängern, findet sie interessant. Aber auch so sei sie nach zwei Wochen schon am Limit ihrer Kräfte. "Ob wir das dann überleben, weiß ich nicht", sagt sie und lacht. Bis dahin versucht sie, positiv zu bleiben: "Irgendwie geht es immer weiter."
Und tatsächlich: Auf das Oktoberfest-Bier muss in diesem Jahr niemand verzichten. Es wird trotzdem gebraut.
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