In der Zeitungslandschaft Deutschlands haben sich die Ereignisse in letzter Zeit überschlagen. Großes Aufsehen erregte die Einstellung der Financial Times Deutschland. Am 7. Dezember 2012 erschien das Wirtschaftsblatt zum letzten Mal. Einem Paukenschlag kam es auch gleich, als die Axel Springer AG vergangene Woche die Traditionsblätter Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost an die Funke Mediengruppe in Essen verkaufte, in der die WAZ erscheint. Die Zeitungsbranche befindet sich im Umbruch. Der Boden, auf dem Verleger über Jahrzehnte solide Geschäftsmodelle aufbauten, ist nicht mehr allerorts so fruchtbar wie früher. Das Problem ist, dass es sich um keinen beliebigen Sektor der Wirtschaft handelt, betonen Fachleute. Zeitungen gestalten die Meinungsbildung in einer Demokratie.
Wohin geht die Reise in der Zeitungslandschaft? Offensichtlich ist nicht alles schwarz. Viele Investoren schätzen die gedruckte Zeitung: In den USA kauft Star-Investor und Multimilliardär Warren Buffett mit Leidenschaft ein Zeitungshaus um das andere. In Deutschland ist die Funke Mediengruppe von der Zukunft der früheren Zeitungen des Springer-Konzerns überzeugt. Und die Mediengruppe Pressedruck, in der die Augsburger Allgemeine erscheint, hat 2011 die Main-Post in Würzburg und 2012 die Mehrheit am Südkurier in Konstanz erworben. Wie die Zukunft der Zeitung aussieht, darüber herrschen unter Experten unterschiedliche Vorstellungen. Wir stellen zwei Sichtweisen dar.
1. Der Pessimist: Die Zeitung wird zum Patienten
Der Zeitungsforscher Horst Röper vom Formatt-Institut in Dortmund hat im Januar mit einer Warnung an junge Leute auf Berufssuche für Aufsehen gesorgt. „Journalismus ist nicht mehr erstrebenswert. Ich rate allen, tut euch diesen Beruf nicht an“, riet er damals.
Offensichtlich sehen einige Forscher die Zukunft der Zeitung besonders kritisch. Röper geht davon aus, dass Tageszeitungen in Deutschland an Auflage verlieren, wie er diese Woche in Augsburg auf einer Diskussionsveranstaltung des Presseclubs deutlich machte. Die Zahl der Redakteure sei nach einem Höchststand von 15 300 im Jahr 2000 auf 13 000 im Jahr 2011 gesunken. Er beobachtet einen Konzentrationsprozess in der Branche. „Was defizitär ist, wird eingestellt“, sagt Röper. Im Jahr 2012 stammten 59,1 Prozent aller Zeitungen aus den zehn führenden Verlagsgruppen, schreibt er in einer Studie. Zudem werde es „in wenigen Jahren nicht mehr selbstverständlich sein, dass Zeitungen sechs Mal in der Woche erscheinen“.
Für Röper werden die Blätter zum Patienten, der staatliches Geld braucht. „Wer Vielfalt will, muss einen dritten Weg der Finanzierung gehen.“ Er verweist auf Österreich, wo Zeitungen Steuermittel bekommen.
2. Der Optimist: Die Zeitung gibt es auch noch in mehr als 30 Jahren
Viele Journalisten, die den Zeitungswandel direkt erleben, denken da wesentlich optimistischer. „Die Regionalzeitung wird überleben. Es wird sie noch in 30 Jahren und länger geben“, sagte Jürgen Marks, stellvertretender Chefredakteur unserer Zeitung, auf der Veranstaltung. Er verweist auf erfolgreiche Special-Interest-Blätter wie die meinungsfreudige Wochenzeitung Die Zeit und Nischen-Zeitschriften wie Landlust, die Auflage gewinnen. „Gerade auch Regionalzeitungen haben gute Chancen. Wer Meinung, Analyse und Hintergrund bietet, wer auf das Lokale setzt, das Lebensgefühl der Heimat transportiert, der kann gewinnen“, sagt Marks. „Gerade wir Journalisten müssen die Kraft des Umbruchs nutzen und kreativer nach neuen Ideen suchen“, lautet sein Plädoyer.
Zeitung sei heute mehr als die gedruckte Ausgabe. „Immer mehr Redakteure arbeiten für Print und Internet. Sie verstehen es, Beiträge für jedes Medium speziell aufzubereiten“, sagt er. Online-Angebot und e-Paper seien seit Jahren eine Erfolgsgeschichte mit „rasanten Wachstumszahlen“.
Dass der Wissenschaftler Röper jungen Journalisten heute abrät, den Beruf des Journalisten zu ergreifen, kann Jürgen Marks nicht nachvollziehen. „Unser Verlagshaus bietet in der Günter Holland Journalistenschule eine hervorragende cross-mediale Ausbildung an.“ Jungen Leuten und Kollegen rät er, kreativ zu sein, zu begeistern, ein eigenes Profil zu entwickeln, Blogs zu pflegen.
Ganz überzeugt ist offenbar auch Zeitungsforscher Röper von seinem pessimistischen Szenario nicht: „Jede Menge Zeitungshäuser stellen derzeit neue Druckmaschinen auf“, berichtet er.