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Arbeitsmarkt: Job-Krise in der Industrie nimmt immer größeres Ausmaß an

Kommentar

Deutschland braucht eine Idee für die Jobs der Zukunft

Matthias Zimmermann
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    Vor allem in der Industrie gehen viele Jobs verloren.
    Vor allem in der Industrie gehen viele Jobs verloren. Foto: Armin Weigel, dpa

    Die Lage ist scheinbar paradox: Während aus der Wirtschaft quasi im Wochentakt neue Meldungen über geplante Stellenstreichungen kommen, zeigt sich der Arbeitsmarkt erstaunlich stabil. Mit 6,1 Prozent ist die Arbeitslosenquote zuletzt sogar leicht gesunken. Doch diese Zahlen sind nur Momentaufnahmen. Die Negativdynamik wird erst sichtbar, wenn man tiefer bohrt und längere Zeiträume in den Blick nimmt.

    Statistisch betrachtet verliert Deutschland jeden Monat 10.000 Arbeitsplätze. Die Jobs gehen vor allem in der Industrie verloren. Die Beschäftigung geht hier schon seit Jahren zurück. Doch zuletzt hat sich die Entwicklung merklich beschleunigt. Von September 2019 bis April 2025 sind rund 440.000 Stellen verschwunden. Die Wirtschaftsweisen haben zuletzt gewarnt, dass sie so einen Einbruch an meist gut bezahlten Jobs zuletzt während der Finanzkrise in den Jahren 2008/09 beobachtet haben. Das Wachstum der Beschäftigung in den meisten Dienstleistungsbranchen, in der Verwaltung sowie im Bereich Gesundheit und Pflege, kaschiert diesen dramatischen Wandel in der Statistik.

    In Bayern steigt die Arbeitslosenquote besonders stark

    Betroffen von der Jobkrise sind vor allem die bisherigen Kraftzentren der Republik. Im Vergleich zur Situation vor einem Jahr ist die Arbeitslosigkeit nirgends so stark gestiegen wie in Bayern und Baden-Württemberg. Mit plus sieben Prozent spiegeln die Zahlen die Dramatik hier deutlich besser wider.

    Die Gründe für diese Entwicklung sind nicht alle hausgemacht. Auf Trumps Handelspolitik haben Berlin und Brüssel wenig Einfluss. Aber sie schmerzt Deutschlands Industrie nicht nur wegen der immer noch hohen Zollsätze, sondern auch wegen des damit verbundenen Aufwands. Dass mit dem schwindenden Vertrauen in die Zuverlässigkeit der USA auch der Kurs des Dollars bröckelt, erschwert den Export von „Made in Germany“ zusätzlich. Um zwölf Prozent hat der Euro seit Jahresbeginn aufgewertet.

    Dazu kommt, dass China seine Muskeln spielen lässt. Die mit viel Staatsgeld gedopten Wettbewerber aus Fernost sind günstiger. Aber nicht nur in der Autoindustrie haben sie vor allem auch technisch aufgeschlossen, manchmal sogar überholt. Zu diesen Risiken der Weltwirtschaft kommt in Deutschland und Europa leider eine Liste von Problemen, die man sich selbst geschaffen hat.

    Die Klimaziele sind nicht falsch

    Die EU verfolgt bei Nachhaltigkeit und Klimaschutz grundsätzlich die richtigen Ziele. Sie hat bei der Wahl ihrer Mittel aber trotz aller Warnungen dramatisch daneben gegriffen. Wenn Firmen wegen überbordender Bürokratie ihre Produktion aus der EU verlagern, rettet das nicht das Klima. Gleichzeitig hat Deutschland seine Infrastruktur viel zu lange auf Verschleiß gefahren und die Digitalisierung geradezu fahrlässig verschleppt. Die Bundesregierung hat vielfach bekräftigt, die Herausforderungen nun anzupacken. Auch in Brüssel hat eine Kehrtwende bei der Gesetzgebung begonnen. Doch es braucht Zeit, bis all dies wirkt. Und die Jobs in der Industrie, die bis dahin verschwunden sind, kommen so nicht wieder.

    Deutschland braucht eine Idee, welche Jobs stattdessen entstehen sollen. Die größte Chance dafür bietet der Aufschwung der künstlichen Intelligenz. Hier liegen die Potenziale zur Steigerung der Produktivität, die Deutschland wieder wettbewerbsfähiger machen. Darum darf Europa nicht zur digitalen Kolonie der US-Tech-Riesen werden. Es ist gut für München, wenn die Mitglieder dieses mehr oder weniger globalen Oligopols Niederlassungen oder gar ihre Europazentralen in der bayerischen Landeshauptstadt eröffnen. Das Land gewinnt aber erst, wenn aus diesem Ökosystem neue Unternehmen und Anwendungen entstehen, die Industrie und KI vereinen.

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