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Industrie im Krisenmodus: Babyboomer verschwinden vom Arbeitsmarkt

Arbeitsmarkt

Arbeitslosigkeit steigt vor allem in Bayern: Warum die Jobkrise in der Industrie so gefährlich ist

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    Die deutsche Industrie steht vor einer schwierigen Transformation.
    Die deutsche Industrie steht vor einer schwierigen Transformation. Foto: Hendrik Schmidt, dpa

    Die Mehrheit der Erwerbstätigen in Deutschland geht vorzeitig in Ruhestand. Wie aus aktuellen Zahlen des Bundesamts für Statistik hervorgeht, waren im vergangenen Jahr nur 46 Prozent der Menschen mit 64 Jahren noch berufstätig. Die Gründe dafür sind sehr verschieden. Zwar ist die Quote der älteren Erwerbstätigen in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. Während 2014 noch knapp zwei Drittel der Menschen aus diesem Personenkreis einen Job hatten, waren es 2024 bereits drei Viertel. Aber: Für den Arbeitsmarkt ist das ein großes Problem.

    Die Bundesregierung sucht daher nach Möglichkeiten, um ältere Arbeitnehmer länger im Erwerbsleben zu halten. Mit der sogenannten Aktivrente sollen Beschäftigte, die das gesetzliche Rentenalter erreichen und freiwillig weiterarbeiten, bis zu 2000 Euro im Monat steuerfrei verdienen können. Denn Fachkräfte sind in der Wirtschaft weiter gesucht, obwohl aktuell vor allem in der Industrie zehntausende Stellen gestrichen werden.

    Arbeitskosten, Bürokratie und hohe Energiepreise belasten Unternehmen

    In großen Unternehmen wie Volkswagen werden teils hohe Abfindungen gezahlt, um Mitarbeiter zum Ausscheiden zu bewegen. Enzo Weber, Forschungsbereichsleiter Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), sieht das kritisch: „Für die Gesamtwirtschaft ist es sehr problematisch, wenn Beschäftigte so in den Vorruhestand verabschiedet werden. Aus demografischen Gründen verlieren wir in den kommenden 15 Jahren sieben Millionen Arbeitskräfte, die nicht ersetzt werden können. Daher sollten wir uns solche Regelungen nicht leisten“, sagte er unserer Redaktion.

    „Die Politik sollte dafür sorgen, dass die Option, mit Abfindung in den Vorruhestand zu gehen, die schlechtere Option ist, als mit der Abfindung in einen neuen Job zu wechseln“, fordert Weber. Dies könnte etwa über steuerliche Anreize gelingen, meint der Arbeitsmarktforscher. Um den Personalabbau sozialverträglich zu gestalten, besetzen die meisten Unternehmen frei werdende Stellen nicht nach. Altersteilzeit wird politisch nicht mehr gefördert und spielt aktuell keine große Rolle.

    In welchem Umfang Abfindungs- und Frühverrentungsprogramme genutzt werden, ist statistisch kaum zu erfassen. Klar ist, dass Deutschlands Industrie auf Schrumpfkurs ist. Nach Berechungen des Branchenverbands Gesamtmetall sind seit dem Jahr 2023 allein in der Metall- und Elektroindustrie 154.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, 76.000 davon seit Beginn dieses Jahres. Der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt, sagte unserer Redaktion, Investitions- und Beschäftigungspläne der Unternehmen blieben weiter negativ.

    Deindustrialisierung kann abgewendet werden

    Auch die Zahl der Arbeitslosen hat jüngst die Drei-Millionen-Marke überschritten. Gestiegen sind die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr vor allem in den starken Industrieländern Bayern (+9,1 Prozent) und Baden-Württemberg (+7,6 Prozent). Weil die Wertschöpfung in der Industrie höher ist als in anderen Bereichen der Wirtschaft und dort in der Regel gut verdient wird, ist der Rückgang der Beschäftigung auch gesamtwirtschaftlich ein Problem.

    Für Weber hat die Flaute längst nicht mehr nur konjunkturelle Gründe: „Wir sind in einer strukturellen Krise, an deren Beginn sicher auch ein konjunktureller Abschwung stand. Die Investitionen sind seit Jahren gesunken und die Zahl neuer Stellen verharrt auf einem der niedrigsten Werte seit Langem.“ Brossardt nennt als die größten drei Probleme der Unternehmen Arbeitskosten, Bürokratie und Energiepreise.

    Aber Weber sieht auch Chancen, wenn die industrielle Transformation entschieden angegangen wird. „Die Deindustrialisierung ist kein Automatismus. Es gibt neue industrielle Potenziale, wenn wir die nutzen, gibt es auch in Zukunft gute Jobs“, betont Weber. Dafür brauche es weniger Unsicherheit, mehr Investitionen und die Weiterqualifizierung der Beschäftigten, um sie länger im Job zu halten.

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