Hubert Aiwanger steht im Augsburger Werk des Panzergetriebeherstellers Renk Fernsehteams für Interviews zur Verfügung. Firmen-Chef Alexander Sagel hat ihn zuvor über die gute Auftragslage informiert und den Betrieb gezeigt. In der Halle sind Geräusche eines Transportgefährts zu hören. Die Renk-Beschäftigten produzieren auf Hochtouren. Der Wirtschaftsminister wartet geduldig, bis es ruhiger wird: „Lasst ihn fahren, wir wollen nicht die Arbeiter aufhalten.“ Der Niederbayer ist präpariert und sagt: „In Bayern gibt es rund 35.000 Arbeitsplätze in der Sicherheits- und Verteidigungsbranche, was etwa ein Drittel der Stellen des Wirtschaftszweigs in Deutschland sind.“ Nachdem er sich mehrere militärische Getriebe bei Renk angeschaut hat, betont Aiwanger: „Die bayerischen Betriebe können die gestiegene Nachfrage bedienen.“ Ohne den Freistaat würde Deutschland nicht funktionieren, was besonders für die Verteidigungsindustrie gelte.
Aiwanger fremdelt nicht mit der Rüstungsindustrie
Aiwanger schaut ernst und sagt: „Wir müssen angesichts der weltpolitischen Lage gerüstet sein.“ Denn wer keine verteidigungsbereite Armee habe, sei am Ende nur zweiter Sieger. Der Minister hat nach dem Abitur Wehrdienst geleistet. Der 54-Jährige fremdelt nicht mit der Rüstungsmaterie und fordert: „Wir müssen die Defizite der vergangenen Jahre aufholen, in denen die Bundeswehr kaputtgespart wurde.“ Dabei geht er auf entsprechende Forderungen der Verteidigungsindustrie nach einer besseren Planbarkeit ein und appelliert an die Bundesregierung, durch Aufträge sicherzustellen, dass Rüstungsfirmen über mehrere Jahre hinweg kalkulieren können.
Renk-Chef Alexander Sagel beschreibt den Druck auf die Branche, schnell und effizient zu arbeiten, um den gestiegenen Bedarf zu decken: „Nun müssen 30 Jahre Friedensdividende aufgeholt werden.“ Und er machte deutlich: „Trotz moderner Kriegsführung und Drohnen brauchen wir nach wie vor gepanzerte Fahrzeuge, um die Landesverteidigung sicherzustellen.“ So produziert Renk immer mehr Panzergetriebe. Sagel sagt plastisch: „Unser Augsburger Werk ist vollgestellt bis zum letzten Meter. Wir wachsen in den Schichten, was aber nicht reicht.“ So erhöht Renk auch die Produktion an anderen Standorten. Für das Unternehmen ist es nach eigener Darstellung kein Problem, qualifiziertes Personal zu bekommen. Der Firmenchef ist überzeugt: „Schließlich sind wir ein Hightech-Betrieb. Wir ziehen junge Menschen an.“
Renk kooperiert mit Rüstungs-Start-up
Und Renk zieht auch junge Unternehmen an. So hat die traditionsreiche Augsburger Firma eine Partnerschaft mit ARX Robotics, einem der interessanten Rüstungs-Start-ups, geschlossen. Der Anbieter entwickelt unbemannte, autonome Systeme für Landstreitkräfte. Dabei nutzt das Unternehmen die Potenziale von Robotik und Künstlicher Intelligenz. Sagel sieht in der weiteren Digitalisierung der Verteidigungsindustrie eine große Aufgabe.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren