Spartanburg hat schon einmal die Kurve gekriegt. Fast ein Jahrhundert lang hatte die Baumwoll-Industrie das Leben in dem beschaulichen Städtchen im US-Bundesstaat South Carolina bestimmt. Doch mit den Plantagen und Textilfirmen drohte auch die Region unterzugehen – ehe ein weiß-blaues Wirtschaftswunder seinen Anfang nahm. Mehr als 30 Jahre später steht Markus Söder mit einem schwarzen Hammer in einer der riesigen Werkshallen des bayerischen Autobauers BMW in Spartanburg.
Auf seinen Auslandsreisen begleitet den 59-Jährigen ja bisweilen die Frage, was um alles in der Welt er da draußen eigentlich will. Hier in South Carolina beantwortet sich selbige wie von selbst: BMW ist nicht nur eine bayerische Marke mit internationaler Strahlkraft, sondern auch ein Symbol dafür, wie deutsch-amerikanische Wirtschaftsbeziehungen funktionieren könnten – wenn die lose Kanone im Weißen Haus nicht gerade mal wieder alles durcheinanderbringt.
Rund 11.000 Menschen arbeiten für BMW in Spartanburg
Gemessen an der Zahl der produzierten Autos ist Spartanburg das größte BMW-Werk der Welt. Rund 11.000 Menschen arbeiten auf dem Gelände, auf dem einst Baumwolle gepflückt wurde. „Wir nennen es second home“, sagt der designierte Konzernchef Milan Nedeljković, der Mitte Mai die Geschäfte übernehmen wird und eigens für den Söder-Besuch hergeflogen ist. Eine zweite Heimat also. Doch am weiß-blauen Himmel ziehen dunkle Wolken auf. Ein Donnergrollen namens Donald Trump. Über die politische Großwetterlage will während Söders USA-Tour allerdings kaum jemand reden, nicht einmal dann, wenn die mitgereisten Journalisten vor der Türe warten.
Auf den ersten Blick gehört der Aufbau einer eigenen Produktion in den USA zu den besten Entscheidungen in der BMW-Geschichte. Der Rivale Audi zum Beispiel, der sämtliche Fahrzeuge in die Vereinigten Staaten exportieren muss, hat sehr viel größere Probleme mit dem Zollkrieg, den der US-Präsident in den vergangenen Monaten angezettelt hat. Doch auch BMW ist nur bedingt immun dagegen. Denn in Spartanburg werden ja nicht nur Autos für den amerikanischen Markt hergestellt. Der Münchner Konzern verkauft seine Modelle von hier aus in mehr als 120 Länder und ist damit der größte Autoexporteur der USA. Wie sehr die bayerische Wirtschaft davon profitiert, kann man hören – im wahrsten Sinne.
Markus Söder und die Erfolgsgeschichten „made in Bavaria“
Eine noble Villa im Kolonialstil, nur ein paar Kilometer von den Produktionshallen entfernt. Im mondänen „Poinsett Club“ von Greenville erzählen Unternehmer beim Mittagessen Erfolgsgeschichten, die man als krisengeplagter Politiker aufsaugt wie ein Schwamm. Zwei Dinge haben alle gemeinsam: Erstens siedelten sich ihre Firmen im Sog von BMW in South Carolina an. Zweitens sprechen die Herren allesamt Englisch mit einem wunderbar bayerischen Akzent. Auch die Fabrik selbst atmet „made in Bavaria“ aus jeder Pore.
In einer der Hallen präsentiert Thomas Bambl den Besuchern von dahoam eine geheimnisvolle Box. Durch ein Fenster können sie zuschauen, wie in der Box eine Kamera Autotüren scannt und ein Roboter anschließend in atemberaubendem Tempo Dichtungen von einer 1400 Meter langen Spule aufklebt, präzise und mit dem exakt richtigen Druck. Alles muss hier auf den Millimeter genau passen, damit Kälte, Lärm und Schmutz später nicht ins Auto kriechen können. Die Idee für die Box, die in einem Stück in jedes Werk der Welt verschickt werden kann, stammt von der Firma Aytec mit Sitz in der Oberpfalz, der orangefarbene Roboter vom Augsburger Kuka-Konzern. „Geht es BMW gut, geht es Bayern gut“, bilanziert Söder zufrieden.
Solche Geschichten nimmt der CSU-Chef gerne mit – als Munition für seinen Kampf um eine Laufzeitverlängerung für Verbrennungsmotoren. In wenigen Wochen ist High Noon in Brüssel. „Ein Verbrennerverbot wäre das größte industriepolitische Eigentor der europäischen Geschichte“, warnt Söder immer wieder. Noch ringt Deutschland um seine Position. Sogar eine Enthaltung auf europäischer Ebene ist nicht ausgeschlossen. Aus Sicht des Mannes, der sich in Spartanburg selbst als „Auto-Ministerpräsident“ bezeichnet, wäre das eine „Bankrotterklärung“.
Ein Hammer, ein BMW-Logo und die Frage: wie viele Schläge?
Ach ja, und dann ist da ja noch die Geschichte mit dem Hammer. Damit soll Söder das Firmenlogo in die Motorhaube eines fabrikneuen Fahrzeugs hinein klopfen. „Stellen Sie sich einfach vor, es wäre ein Fass Bier“, scherzt einer aus dem Hintergrund. Doch weil es zu den Vorzügen des Amtes als Ministerpräsident gehört, zwar stets die erste Maß trinken zu dürfen, das Anzapfen aber anderen überlassen zu können, braucht es ein paar Schläge, bis das weiß-blaue Emblem richtig sitzt. „O‘gschlagt is“, ruft Söder. Immerhin, eine Schlacht ist schon mal geschlagen.
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