Gute Geschäfte ganz ohne Staatsaufträge: Was eigentlich der Normalfall in einer Marktwirtschaft ist, könnte angesichts der Entwicklung der deutschen Wirtschaft in den vergangenen Monaten beinahe in Vergessenheit geraten. In der Industrie verschwinden jeden Monat Tausende Jobs. Dafür melden Rüstungsunternehmen Großaufträge. Das erhoffte Wachstum der Gesamtwirtschaft speist sich zu einem wesentlichen Teil aus neuen staatlichen Schulden in Rekordhöhe. Umso mehr beeindruckt es, wenn ein Unternehmen scheinbar immun ist gegen die verbreitete Krisenstimmung.
Der Landsberger Großküchenspezialist Rational ist im vergangenen Jahr um sechs Prozent gewachsen und hat zum Jahresende 2025 erneut ein Rekordquartal geschafft. Damit dürfte das Unternehmen zu den wenigen Perlen im industriellen Mittelstand gehören, die auch abseits der Boombranchen Luftfahrt und Verteidigung derzeit gute Geschäfte machen.
Die Trump-Zölle belasten Rational nicht
Auf 1,26 Milliarden Euro beliefen sich im abgelaufenen Geschäftsjahr die Umsatzerlöse. Nach Steuern blieb ein Gewinn von rund 254 Millionen Euro. Gewachsen ist das Geschäft mit den innovativen Kochsystemen für die gewerbliche Speisenzubereitung vor allem in Europa und den USA. Das ist umso bemerkenswerter, da Rational direkt von den US-Zöllen betroffen ist.
Die Kochsysteme werden ausschließlich in Landsberg und in Wittenheim im Elsass produziert und in die USA importiert. Noch dazu sind die USA mit rund 20 Prozent Umsatzanteil der wichtigste Einzelmarkt für Rational. Wachsen trotz höherer Kosten, wie geht das? „Die zusätzlichen Zollkosten von rund 13 Millionen Euro konnten wir durch niedrigere Material- und Rohstoffkosten sowie mit einem konsequenten Kostenmanagement weitgehend kompensieren“, erklärte Finanzchef Jörg Walter am Donnerstag bei der Bilanzvorstellung in München und verriet eines der Geheimnisse des Erfolgs.
Die Preise in den USA hat man erst im Februar dieses Jahres erhöht, um den Kunden Verlässlichkeit zu signalisieren. Aber nachdem der US-Supreme-Court Trumps Zölle als rechtswidrig erklärt hat, will auch Rational sein Geld zurück. Ob und wann das gelingt, konnte auch Rational-Chef Peter Stadelmann am Donnerstag nicht vorhersagen.
Gegen alle Krisen immun ist aber selbst Rational nicht. Vor allem in Asien blieben die Geschäfte unter den Erwartungen. Um elf Prozent schrumpfte der Beitrag der Weltregion im Vergleich zum Vorjahr. Stadelmann erklärte die Delle mit ausbleibenden Bestellungen zweier Großkunden. Zudem sei die Wirtschaft in China weiter stark belastet durch die Folgen der Immobilienkrise und einen schwachen Binnenkonsum. Dennoch setzt Rational künftig verstärkt auf Fernost. Gerade eben kehrten Stadelmann und Walter von der Feier zum Produktionsstart im ersten chinesischen Werk zurück.
„Die Kombidämpfer-Technologie ist in China noch weitestgehend unbekannt, aber akzeptiert – und deshalb können wir hier neue Märkte erschließen“, gab sich Stadelmann überzeugt. Dafür hat Rational ein neues Gerät in China für China entwickelt: kompakt, etwas günstiger und ganz auf die Zubereitung typischer chinesischer Speisen zugeschnitten. Das Gerät wird nur auf dem chinesischen Festland bestellbar sein.
Das erste Werk in China hat den Betrieb aufgenommen
Am deutschen Hauptsitz des Unternehmens ändert sich durch den Aufbau der Fertigung in China aber nichts, betonte Stadelmann. Derzeit wird der Standort in Landsberg um ein großes Serviceteilelager erweitert, im Frühjahr 2027 soll es fertig sein. Mit 60 Millionen Euro ist es die größte Investition in der Firmengeschichte. Knapp 1700 Menschen arbeiten derzeit in Landsberg, der Standort ist ausgelegt auf 90.000 bis 95.000 Geräte pro Jahr. Die Auslastung kann aber problemlos gesteigert werden, erklärte Finanzchef Walter.
Vom Erfolg des Unternehmens profitiert nicht nur Landsberg, sondern auch die Aktionäre des Unternehmens. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung am 29. April 2026 eine Dividende in Höhe von 16 Euro zuzüglich einer Sonderdividende von vier Euro je Aktie vor. Dank der Sonderdividende fließen 90 Prozent des Überschusses an die Eigentümer, insgesamt rund 227 Millionen Euro.
Trotz der Unsicherheiten blickt Rational optimistisch in die Zukunft
„Wir möchten unsere Aktionäre angemessen am Unternehmenserfolg teilhaben lassen. Unsere finanzielle Stabilität als Unternehmen ohne Bankschulden erlaubt uns das auch in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten“, versicherte Walter.
Das soll auch so bleiben. Für das kommende Jahr erwartet Stadelmann erneut ein Wachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Die Kosten dürften für das Unternehmen weiter steigen, schätzt er, auch wenn der Effekt durch Preiserhöhungen etwas ausgeglichen werden solle. Die weltpolitische Unsicherheit macht Vorhersagen schwierig. Aber dass Rational auch in schwierigem Umfeld wachsen kann, hat das Unternehmen bereits bewiesen.
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