Diesen Freitag betritt Elon Musk die Bühne: ein Auftritt, auf den er schon lange wartet. SpaceX geht an die Börse – an der US-Tech-Börse Nasdaq wird SPCX erstmals gelistet, der Ausgabepreis der Aktien beträgt 135 Dollar, damit kommt das Unternehmen auf eine Bewertung von bis zu 1,77 Billionen Dollar. In den Börsenhandel gehen davon am Freitag Aktien im Wert von 75 Milliarden Dollar. Es wird damit der größte Börsengang der Geschichte. Die Nachfrage übersteigt das Angebot bereits jetzt um mehr als das Dreifache. Olaf Stotz, Professor für Asset Management an der Frankfurt School of Finance & Management, findet dafür ein einziges Wort: „Einmalig. Eine so hohe Bewertung für ein verlustreiches Unternehmen gab es noch nie.“
SpaceX erzielt zwar Milliardenumsatz, macht aber große Verluste
Verlustreich ist das Stichwort. SpaceX erzielte im vergangenen Jahr zwar einen Umsatz von 18,7 Milliarden Dollar – doch das Unternehmen, das an diesem Freitag an die Börse geht, ist nicht mehr das Raketenunternehmen aus dem Prospekt. Im Februar übernahm SpaceX die KI-Firma xAI samt der Online-Plattform X. Das Ergebnis: Im ersten Quartal 2026 schrieb der Konzern einen Verlust von über vier Milliarden Dollar. Die angestrebte Bewertung des Unternehmens liegt also beim 90-Fachen des Jahresumsatzes – bei Apple liegt dieser Wert bei rund zehn, bei Nvidia bei etwa zwanzig.
Das Fundament ist Starlink, der Satelliten-Internetdienst mit gut zehn Millionen Kunden und einem Umsatz von rund elf Milliarden Dollar – das einzige Segment, das durchgehend Gewinn erwirtschaftet. Ohne Starlink wäre SpaceX nicht börsenreif. Stattdessen finanzieren die Satelliten-Erlöse Musks KI-Ambitionen. Im riesigen Börsengang lauert also eine Gefahr. Falls er nicht gut funktioniere, könne das Auswirkungen für den gesamten Aktienmarkt haben, sagt Stotz. „Das könnte dann auch die hoch bewertete US-Börse ins Wanken bringen.“
Nicolas Owens, Analyst der unabhängigen Ratingagentur Morningstar, hält den Ausgabepreis für deutlich überzogen und bewertet die Aktie mit 63 Dollar – weniger als der Hälfte. Sein Urteil stützt sich auf eine Gewichtung verschiedener Szenarien: Gelingt es SpaceX, die neue Rakete Starship vollständig wiederverwendbar zu machen? Lassen sich Rechenzentren im Weltall rentabler betreiben als auf der Erde? SpaceX sei besser positioniert als jedes Konkurrenzunternehmen – aber die Bewertung setze voraus, dass die Pläne vollständig aufgehen. Das sei unwahrscheinlich. Trotzdem erwartet Owens ein starkes Debüt: „Ich denke, der Kurs wird wahrscheinlich erst einmal steigen. Es gibt viel Optimismus im Markt“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zusätzlichen Auftrieb verschafft eine Indexregel: SpaceX wird bereits 15 Handelstage nach dem Börsenstart in den Nasdaq-100 aufgenommen – was Indexfonds automatisch zum Kauf zwingt.
SpaceX eröffnet Serie spektakulärer Tech-Börsengänge
SpaceX bildet nur den Auftakt. In den kommenden Monaten wollen die großen US-KI-Firmen OpenAI und Anthropic ebenfalls an die Börse. OpenAI reichte seinen Prospektentwurf am 8. Juni bei der US-Börsenaufsicht SEC ein, ein Listing ist für September oder das vierte Quartal 2026 geplant, bei einer Bewertung von über einer Billion Dollar. Anthropic reichte eine Woche früher ein und plant seinen Börsenstart für Oktober. Zusammengerechnet könnten alle drei Tech-Unternehmen auf eine gemeinsame Marktkapitalisierung von vier Billionen Dollar kommen. Analyst Stotz bleibt nüchtern: „Das wird ein Test für die Märkte. Ob der Markt diese Bewertungen für zum Teil noch recht junge Unternehmen zahlen wird, ist noch unsicher. Wenn der SpaceX-Börsengang gut verläuft, dürfte es für OpenAI und Anthropic einfacher werden.“
Neue Technologien, utopische Versprechen, Bewertungen weit jenseits der greifbaren Zahlen – das klingt nach der Dotcom-Blase, nach dem Jahr 2000. Stotz zögert nicht: „Ich sehe viel mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede.“ Auch damals habe eine neue Technologie das Leben der Menschen tatsächlich verändert. „Momentan sind die Investitionen in KI sehr groß, und mit den Börsengängen sollen die Investitionen auch finanziert werden. Ob sich das für die Unternehmen rechnet – das steht auf einem ganz anderen Blatt. Ich bezweifle, dass die Rechnung für die meisten aufgehen wird.“
Deutsche Privatanleger dürften bei der Ausgabe der Aktien kaum zum Zug kommen; hierzulande ist der Kauf erst ab dem ersten Handelstag möglich. Sollten sie das bedauern? Stotz rät zur Gelassenheit: Viele akademische Studien belegten, dass Aktienkurse sich nach Börsengängen langfristig eher schlecht entwickeln. „Der deutsche Privatanleger sollte dieser Chance nicht hinterhertrauern – am Kapitalmarkt gibt es viele, aus meiner Sicht auch bessere Investitionsmöglichkeiten.“
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