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Energie
08.01.2022

CSU-Politikerin Angelika Niebler warnt: "Uns droht eine Stromlücke"

Setzt auf Gaskraftwerke: CSU-Politikerin Angelika Niebler.
Foto: Marcus Merk

Nach der Abschaltung der AKW Gundremmingen, Brokdorf und Grohnde warnt die Europaparlamentarierin vor einer großen Stromlücke. Weshalb sie in Gaskraftwerken die Lösung sieht.

Nachdem zum Jahreswechsel in Gundremmingen, im schleswig-holsteinischen Brokdorf und im niedersächsischen Grohnde drei deutsche Atomkraftwerke vom Netz gingen, warnen Politiker und Industrievertreterinnen vor einem Strommangel. "Uns droht eine Versorgungslücke, die uns große Sorgen macht", sagt EU-Parlamentarierin und CSU-Politikerin Angelika Niebler, die auch Präsidentin des Wirtschaftsbeirates Bayern ist. Mittelfristig plant Deutschland auch den Ausstieg aus der Kohle-Verstromung. Niebler befürchtet negative Folgen für die Industrie: "Bayern ist einer der wichtigsten Industriestandorte Europas. Wir dürfen die produzierende Industrie nicht aus dem Land vertreiben."

In der Europäischen Union wird derzeit unter dem Schlagwort "Taxonomie" heiß diskutiert, ob die EU neben den erneuerbaren Energien künftig Atomkraft, aber auch Gaskraftwerke als nachhaltig einstufen soll oder nicht. In Frankreich ist es ein zentrales Anliegen, Atomkraft als nachhaltig einzustufen, mehrere Länder wie Deutschland und Österreich sehen dies kritisch. Niebler erinnert, neben der Nachhaltigkeit die sichere Stromversorgung nicht aus den Augen zu verlieren: "Maßstab muss sein, dass wir gesicherte Leistung auch in Höchstlastzeiten zur Verfügung haben müssen", sagte sie. "Wir müssen in unserem Interesse sicherstellen, dass in Deutschland zu keiner Zeit der Strom weg ist und das Licht ausgeht", mahnt Niebler.

Niebler: "Es fehlen etwa 50.000 Megawatt gesicherter Leistung"

In Deutschland, rechnet Niebler vor, beträgt die Jahreshöchstlast rund 80.000 Megawatt (80 Gigawatt). Dies ist die praktisch die Leistung, die bereit stehen muss, wenn die Strom-Nachfrage in Deutschland am höchsten ist. Rund 30.000 Megawatt könnten davon durch bestehende Gaskraftwerke abgedeckt werden. "Geht man davon aus, dass wir Ende 2022 die letzten drei deutschen AKW abschalten und mittelfristig aus der Kohle aussteigen, fehlen uns etwa 50.000 Megawatt gesicherter Leistung", sagt Niebler unter Berufung auf Zahlen des Wirtschaftsbeirates Bayern. Es könnten sogar noch mehr sein, denn der Strombedarf wird durch die E-Mobilität und neue Heizungen eher noch steigen. Der Wirtschaftsbeirat Bayern erwartet auf Basis einer Studie, dass sich die Höchstlast damit Richtung 100.000 Megawatt entwickeln wird.

"Die so entstehende beständig wachsende Lücke zwischen diesen 30.000 Megawatt und der sich in Richtung 100.000 Megawatt entwickelnden Höchstlast bereitet nicht nur uns beim Wirtschaftsbeirat Bayern, sondern der gesamten deutschen Wirtschaft große Sorgen", berichtet Professor Albrecht Schleich, Vorsitzender des Ausschuss für Energie- und Rohstoffpolitik im Wirtschaftsbeirat.

Wirtschaftsbeirat fordert Neubau von 130 zusätzlichen Gaskraftwerken

Dass erneuerbare Energien die Lücke füllen können und sich Deutschland in den nächsten Jahren bereits komplett mit grünem Strom versorgen kann, glaubt Niebler nicht. Sie nennt ein Beispiel aus ihrem Wahlkreis: Die Debatte um die Genehmigung von 5 Windrädern im Ebersberger Forst habe sich über Jahre hingezogen. "Angesichts der Realitäten vor Ort halte ich es für nahezu illusorisch zu glauben, dass Deutschland bis 2035 seinen Strombedarf allein mit erneuerbaren Energien abdecken kann", sagt sie. Sonne und Wind stehen nicht durchgehend zur Verfügung, für die dunklen, windstillen Tage wären Batterien und andere Speicher nötig. "Diese haben wir bisher auch nicht in ausreichendem Umfang", sagt Niebler.

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Die Industriepolitikerin fordert deshalb den Bau von Gaskraftwerken, um Deutschlands Stromversorgung zu sichern. "Wir müssen neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien Gaskraftwerke zubauen. Deutschland braucht neben den Erneuerbaren und dem Strom, der über den Binnenmarkt bezogen werden kann, zahlreiche zusätzliche Gaskraftwerke als Brückentechnologie, bis sich das Land komplett erneuerbar versorgen kann", sagt sie. Gaskraftwerke haben den Vorteil, relativ schnell hochfahren zu können. Sie können einspringen, wenn der Strom von Wind und Sonne gerade knapp ist. "Hier liegt eine gigantische Aufgabe vor uns. Wir müssen auf Gas setzen, da die Atomenergie als Option für Deutschland wegfällt", meint Niebler.

"Das Ziel der Bundesregierung, den Abschluss des Kohleausstiegs auf 2030 vorzuziehen, kann ohne Beeinträchtigung der Sicherheit unserer Stromversorgung nur mittels eines massiven Zubaus von Gaskraftwerken gelingen, die langfristig auch mit Wasserstoff betrieben werden können", berichtet auch Professor Schleich. Der Wirtschaftsbeirat gehe davon aus, dass bis 2030 umgerechnet über 130 Gaskraftwerke à 300 Megawatt Leistung entstehen müssten, um eine zuverlässige Stromversorgung sicherzustellen.

Niebler kritisiert Verhalten der Bundesregierung

In Deutschland hat sich Grünen-Wirtschaftsminister Robert Habeck allerdings skeptisch gezeigt, ob der Einsatz von fossilem Gas auf EU-Ebene als nachhaltig bezeichnet werden kann. "Die Bundesregierung duckt sich bisher weg", kritisiert Niebler. "Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie ein klares Bekenntnis zur Taxonomie ablegt. Die größte Volkswirtschaft in der EU muss eine Meinung zur Versorgungssicherheit haben und dazu stehen."

In Brüssel könnte es einen Kompromiss darstellen, dass am Ende Atomkraft als nachhaltig eingestuft wird, wie Frankreich es will, aber auch die neuen Gaskraftwerke. "Ich tue mich zwar schwer damit, angesichts von Tschernobyl, Fukushima und der offenen Suche nach einem Endlager die Atomkraft als nachhaltig einzustufen, man muss aber auch die Realitäten anerkennen", sagt Niebler. "Zahlreiche europäische Länder betreiben Atomkraftwerke, darunter Frankreich, Spanien, Finnland, die Niederlande oder Tschechien."

Zum Jahreswechsel ging unter anderem das Atomkraftwerk Gundremmingen vom Netz.
Foto: Bernhard Weizenegger

Für die deutschen Gaskraftwerke schließt Niebler Erdgas aus Russland nicht aus. "Wir haben Russland als verlässlichen Gaslieferanten erlebt. Russland wird mittelfristig ein wichtiger Gaslieferant bleiben, auch wenn wir uns in Europa nicht von einem Lieferanten abhängig machen dürfen", sagt Niebler. Eine Lieferung über die umstrittene Pipeline Nord Stream 2 sei durchaus möglich: "Wenn die Kriterien des europäischen Rechts eingehalten werden, spricht nichts gegen Nord Stream 2. Wir müssen aber reagieren können, sollte Russlands Präsident Wladimir Putin die Gaslieferungen als Waffe missbrauchen."

Mit Blick auf den Klimaschutz ist Erdgas aber immer noch ein fossiler Energieträger, der bei der Verbrennung das Klimagas CO2 freisetzt. Perspektivisch könnten die Kraftwerke aber mit grünem, klimaneutralem Wasserstoff betrieben werden. "Mit Wasserstoff lässt sich ein riesiger Schritt für den Klimaschutz machen. Es ist deshalb richtig, dass neue Gaskraftwerke wasserstofftauglich sein müssen", sagt Niebler.

Bleibt ein Problem: Auch ein Gaskraftwerk entsteht nicht von heute auf morgen. "Wenn bis zur Fertigstellung eines Gaskraftwerks sieben bis acht Jahre vergehen, ist das viel zu langsam", kritisiert Niebler. "Es ist Aufgabe der neuen Bundesregierung die Planungsverfahren zu beschleunigen." Zudem müsse sichergestellt werden, dass der Betrieb rentabel ist, wenn die neuen Meiler gerade still stehen, sollte genug Sonnen- und Windstrom im Netz vorhanden sein.

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09.01.2022

@ Helmut Eimiller
Meine Feststellung bezog sich auf die Ausage von Herrn D.: ..., verstehe aber nicht, warum bei uns alle AKWs und Kohlekraftwerke abgeschaltet werden und in vielen anderen Ländern solche gebaut werden."

Raimund Kamm

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09.01.2022

Christine Kamm als Posterin, Raimund Kamm als Unterschrift?

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10.01.2022

@Robert B.: Ich benutze auch mitunter das Konto eines Familienmitglieds. Was genau ist dabei mein Regelververstoß?
Jedenfalls ist mein Name VOLLSTÄNDIG angegeben.
Helmut Eimiller

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09.01.2022

Man Vergleiche dazu die Haltung der finnischen Grünen. Atte Harjanne, Vorsitzender der Grünen-Fraktion im finnischen Parlament hat für die Einstellung der deutschen Grünen wenig Verständnis.

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09.01.2022

Leider bin ich kein Experte wie R.Kamm, verstehe aber nicht, warum bei uns alle AKWs und Kohlekraftwerke abgeschaltet werden und in vielen anderen Ländern solche gebaut werden. Als Grünen-Sympathisant verliere ich deshalb das Vertrauen in die "Energiepolitik des Abschaltens" der Ampel-Koalition. Warum hat sich Kanzler Scholz in dieser Frage von den Grünen und den Linken in seiner Partei über den Tisch ziehen lassen ? Wo ist die sonst so wirtschaftsfreundliche FDP ? Bei solch politische Leichtgewichten wie Lindner, Baerbock und Habeck wundert einen gar nichts mehr. Träume einer erneuten GroKo ohne Grüne und FDP werden wach ...

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09.01.2022

Moment. Die Atomkraftwerke abgeschaltet hat die Merkel-Regierung. Und gleichzeitig verhindert, dass wir in der Zeit seit 2013 dem Abschalten genug erneuerbare Kapazität aufbauen konnten: die Solarbranche mit 45.000 Jobs sterben lassen, den Aufbau von Windrädern verhindert, und Milliarden in sächsische und nordrhein-westfälische Kohle reingefeuert, das Kohlekraftwerk Datteln IV genehmigt, das importierte Kohle bei uns verbrennt! Alles für die Lobby und die Unions-Wähler. Niemand hat Kanzler Scholz und seine Regierung über den Tisch gezogen, sie hat dieses Desaster geerbt und muss es jetzt schmerzhaft beseitigen!

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09.01.2022

Willi D., in keinem Industrieland werden derzeit neue Kohlekraftwerke errichtet und Atomkraft ist nur wettbewerbsfähig, wenn sie hoch subventioniert wird. Sämtliche derzeit in Bau befindliche Atomkraftwerke werden um ein Vielfaches teurer und um viele Jahre später fertig als geplant. Es wird deswegen in Europa kaum mehr als eine Handvoll solcher neuen Anlagen geben.
Gleichzeitig wird die Energieerzeugung mit Wind und Sonne immer effizienter und kostengünstiger. Die Energielücken in der Nacht und bei Flaute können mit hocheffizienten, schnell hochfahrbaren Gaskraftwerken und später mit Speicheranlagen (z. B. Wasserstoff im Gasnetz) geschlossen werden. Die Zukunft der Energieversorgung Deutschlands wird also irgendwo zwischen den Vorstellungen Frau Nieblers und Herrn Kamms liegen.

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09.01.2022

Herr B., Ihrer grundsätzlichen Feststellung, dass die Regierung Merkel vieles falsch gemacht hat, stimme ich zu.
Bei den Beispielfällen Datteln IV und der Solarbranche allerdings hatte ich bislang eine andere Sicht auf die Dinge:
Bei DATTELN IV sah ich die Schuldigen in NRW (Regierung Rüttgers mit Regierungsmitglied Armin Laschet?). Zur Frage der Verantwortung, war auch meine heutige Internetrecherche nicht besonders ergiebig. Gefunden habe ich mit dem Suchwort „Kraftwerk“ unter https://www.umweltportal.nrw.de/genehmigungsverfahren:
„Die Umweltbehörden in Nordrhein-Westfalen genehmigen auf der Grundlage des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG) die Errichtung und den Betrieb von bestimmten technischen Anlagen in Industrie und Gewerbe (§§ 4 und 16 BImSchG).“
Zur SOLARBRANCHE schrieb die SZ am 4.4.2012, dass die Ökostrom-Unternehmen nicht glücklich bis an ihr Lebensende lebten, lag an den Billigprodukten aus China, gegen die sie keine Chance mehr auf dem Markt hatten. Zur Pleite von Q-Cells wörtlich: „Im vergangenen Jahr häufte die Firma einen Verlust von 846 Millionen Euro an, bei einem Umsatz von einer Milliarde Euro.“ (Verluste in dieser Dimension werden vielleicht in einem Land mit Staatsprotektionismus – Frankreich? – über den Staatshaushalt ausgeglichen, nicht aber in einer Marktwirtschaft.)
Wir Normalverbraucher zahlen über die EEG-Umlage noch heute Einspeisevergütungen bis über 50 Cent/kWh für die in der damaligen Zeit verbauten Solaranlagen. Im Ergebnis war dies aber eher eine Wirtschaftsförderung für Chinas Solarbranche. (Nochmals SZ: „Zhengrong Shi weiß das. Er mag die Deutschen und am liebsten ihre ‚weise Politik‘. Das ‚Ein-spei-se-ge-setz‘ ist für den Mann ein Zungenbrecher. Aber Shi lobt es bei Dienstreisen in Europa mit aller Energie so oft, bis die Silben halbwegs fließen. Es war auch diese unaussprechliche Vokabel, die seinem Unternehmen in Wuxi im Jangtse-Delta einen sagenhaften Aufschwung bescherte. Das Wort, das für die Förderung des Solarstroms in Deutschland steht.“)

Helmut Eimiller

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09.01.2022

Da sind Sie leider Fehlinformationen aufgesessen.

Die Internationale Energieagentur stellte dies vor gut einem Monat anders dar:

"Auf die erneuerbaren Energien werden bis 2026 fast 95 Prozent des Anstiegs der weltweiten Stromerzeugungskapazität entfallen, mit einem Schwerpunkt bei der Photovoltaik, die mehr als die Hälfte des Zubaus ausmachen wird."
2.12.21 https://www.iwr.de/news/iea-bericht-weltweiter-ausbau-der-erneuerbaren-energien-auf-rekordkurs-klimaneutralitaet-erfordert-noch-staerkere-anstrengungen-news37713

Raimund Kamm

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09.01.2022

Herr Kamm, ich erkenne auf den ersten Blick nicht, wer wann welchen „Fehlinformationen aufgesessen“ ist.
Ich teile den Standpunkt des BMWI, wie er in der PM vom 01.06.2021 dargelegt ist.
Zum ZIEL wird darin ausgeführt:
„Der weltweite Scheitelpunkt der Treibhausgasemissionen soll so bald wie möglich erreicht werden. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts soll ein Gleichgewicht zwischen Treibhausgasemissionen und deren Abbau durch Senken (Treibhausgasneutralität) erreicht werden.“
Mit Blick auf das RISIKO DER VERLAGERUNG DER PRODUKTION in Länder mit weniger strikten Umweltauflagen meint das BMWI, dass es besonders wichtig ist, globale Lösungen anzustreben und schließt mit dem Satz: „Den Blick nur auf nationale oder regionale Klimaschutzziele zu richten - ohne internationale Rückwirkungen zu berücksichtigen - dient nicht dem globalen Klimaschutz.“

Bei Ihren Ausführungen fehlt mir der Satz: „Die IEA erinnert auch noch daran, dass der Wachstumsschub trotz der Einschränkungen im globalen Handel erreicht wird. Sollten die aber nicht bald ein Ende finden, könnte das doch noch dafür sorgen, dass die Prognosen nicht gehalten werden. Investitionen in Wind- und Solarenergieanlagen würden dann etwa deutlich teurer.“ (https://www.heise.de/news/IEA-290-Gigawatt-mehr-2021-wieder-neuer-Rekord-bei-Erneuerbare-Energien-6282859.html)

Dass 2018 der Weltklimarat (IPCC) in Szenarien davon ausgegangen ist, die Atomenergieerzeugung würde bis 2050 durchschnittlich 2,5-mal höher als das heutige Niveau wachsen, ist mir auch erst seit gerade bekannt. – vgl. https://www.erneuerbareenergien.de/politik/klimapolitik/un-organisation-klimaziele-sind-ohne-atomkraft-nicht-erreichbar

Helmut Eimiller

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08.01.2022

Deutsche Grüne und Stromerzeugung sind wie Querdenker und Corona !

17.03.2021
https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/atomkraft-finnland-kernenergie-klima-100.html

>> Warum Finnland auf Atomkraft setzt <<


08.01.2022
https://www.welt.de/politik/ausland/plus236118176/Finnische-Gruene-Natuerlich-ist-Atomkraft-nachhaltig.html

>> Die EU hat Atomkraft als nachhaltige Energie eingestuft. Der Fraktionschef der finnischen Grünen findet das richtig. Er erklärt, warum seine Partei die Anti-Atomkraft-Haltung gestrichen hat – und warum Deutschland aus seiner Sicht energiepolitisch auf dem Holzweg ist. <<

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08.01.2022

Von Jochen H. 13:36 Uhr >>Es ist wohl unbestritten, dass es noch für viele Jahre Gaskraftwerke braucht um die Abkehr von Atomkraft und Kohle zu bewerkstelligen.<<

Ja. Aber es sind keine im Sinne der EU-Taxonomie nachhaltigen Investitionen.

>>Auch muss die Versorgung mit Erdgas zu erschwinglichen Preisen über mittel- bis langfristige Lieferverträge abgesichert werden und nicht über kurzfristige Lieferverträge mit hohen Kostenrisiken nach Schnäppchenjäger Art.<<

Darum würde ich mich als Kunde auch bemühen. Mit der EU-Taxonomie, die nachhaltiges Wirtschaften auszeichnen soll, hat dies allerdings nichts zu tun.
Zur Erinnerung, was NACHHALTIGKEIT bedeutet: 1987 fasste eine Kommission der Vereinten Nationen den Nachhaltigkeitsbegriff neu. "Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne dadurch die Fähigkeit künftiger Generationen einzuschränken, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen."
4.1.22 https://www.sueddeutsche.de/politik/nachhaltig-energiequellen-eu-1.5500557?utm_source=emarsys&sc_eh=3c2c0a52201f66911&sc_lid=249804895&utm_content=www.sz.de/1.5500557&utm_campaign=SZ_am_Abend_04012022&sc_llid=42739&utm_medium=email&sc_src=email_2857472&sc_uid=3DAszXmDiu


>>Wer z.Bsp den weitläufigen Ebersberger Forst kennt, wird wohl kaum darauf Wert legen dieses Naherholungsgebiet mittels Zersiedelung durch Windkrafträder zu zerstören; das geht allenfalls an der Peripherie des Forstgebietes.<<

Anders als beispielsweise der Hambacher Wald, in dem bereits hunderte Hektar für den Braunkohleabbau vernichtet wurden, droht dem Ebersberger Forst zwar durch die Erdaufheizung der Zusammenbruch aber nicht die Zerstörung durch den Bau einiger Windkraftanlagen. Für diese müssen je Anlage nur wenige tausend Quadratmeter freigestellt werden. Die Projekte in Zöschingen, in Berg, in Fuchstal, für die ich gestritten habe, zeigen, dass durch den Bau von Windrädern im Forst kleine Lichtungen entstehen aber der Forst nicht zerstört wird.

Raimund Kamm

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08.01.2022

@ Markus Stadler >>Ferner konnte mir noch niemand überzeugend erklären, welche (nicht bezuschussten) Aufwände bei der Entsorgung alter Akkus auf mich zukommen.<<

Die Pflicht zur Rücknahme und zum Batterie-Recycling liegt laut Batteriegesetz (BattG) beim Vertreiber und Hersteller. Sollte der Lieferant unseres Batteriespeichers sich auflösen (was der nicht tun wird :-)), würde ich bei einem Wertstoff in Augsburg oder dem Umweltamt anrufen.

Verglichen mit der Atommüllfrage ist dies ein Kinderspiel.

Raimund Kamm

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08.01.2022

War doch völlig klar, was die Präsidentin des Wirtschaftsbeirats Bayern, einer Organisation, die der Industrielobby den Weg in die bayerischen Regierungskreise ebnet, zu sagen hat. Zum x-ten Mal möchte ich an den Wirtschaftsteil der AZ appellieren, mehr Klimaschutzkompetenz in den Wirtschaftsteil einzubauen. Die Mehrheit der Leser, die sich für Klimaschutz interessiert und engagiert, möchte eines Tages auch etwas lesenswertes im Wirtschaftsteil finden. Aber zeigt sich hier das Defizit aller Wirtschaftsredaktionen: sitzen hier nur Journalist*innen mit Wirtschaftsstudium im 20. Jahrhundert?

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08.01.2022

Herr B., gestehen Sie dem Weltklimarat (IPCC) Klimakompetenz zu?

Wenn ja, dann nehmen Sie bitte zur Kenntnis: “Eine bedeutsame Option ist aus Sicht des IPCC offenbar der Ausbau nichtfossiler Energieträger; so viel war schon am Montag bekanntgeworden. Allerdings gehören dazu nicht nur Sonne oder Wind, sondern nach Meinung des Klimarates auch die Atomkraft und die Abscheidung von Kohlendioxid in Kohlekraftwerken.“ (https://www.umwelt-journal.at/weltklimarat-spricht-sich-fuer-ausbau-der-atomkraft-aus/)

Ich wünsche mir zwar keinen AKW-Neubau in Deutschland, argumentiere aber nicht mit fehlender Kompetenz, wenn ich auf eine andere Meinung treffe.

Und würden Sie Ottmar Edenhofer von der Leopoldina Klimakompetenz zugestehen? (Unter seiner Leitung entstand der IPCC Sonderbericht zu Erneuerbaren Energien und der Vermeidung des Klimawandels.) Oder Claudia Kemfert, der Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)?
– Beide haben ein Wirtschaftsstudium im 20. Jahrhundert.

Helmut Eimiller

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08.01.2022

Sie sprechen mir aus der Seele.
Danke!

Raimund Kamm

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08.01.2022

Seit 19 Jahren betreibe ich eine PV-Anlage auf meinem Hausdach. Rechnerisch erzeuge ich damit 69% meines Stromverbrauchs. Ich messe meinen Stromverbrauch und die Einspeisung der PV-Anlage im 5-Miuntentakt und kann daher ganzjährige vergleichende Berechnungen durchführen. Wenn ich den Strom der PV-Anlage selbst nutzen würde, dann würde ich nur 29% meines Stromverbrauchs mit der PV-Anlage decken, denn es gibt Zeiten, in denen ich mehr erzeuge als verbrauche und ins Netz einspeise. Würde ich den eingespeisten Strom in Akkus speichern, um ihn vollständig selbst zu nutzen, dann bräuchte ich Akkus mit der neunfachen Kapazität der kWp-Leistung meiner PV-Anlage. Unter Berücksichtigung der Speicherverluste würde ich dann 57% meines Verbrauches selbst erzeugen. Um nun über das ganze Jahr meinen gesamten Strom mit einer PV-Anlage zu erzeugen, müsste ich die Leistung meiner PV-Anlage verdoppeln und einen Akku-Speicher mit der 336-fachen kWp-Kapazität anschaffen, um den Überschuss im Sommer im Winter zu nutzen. Möchte ich die Energie in Wasserstoff speichern und dann wieder in Strom zu wandeln, benötigte ich wegen des geringeren Wirkungsgrades die 4,7-fache PV-Leistung und die 1086-fache Speicherkapazität. Was möchte ich damit sagen? Wesentliches Element der vollständigen Versorgung mit Sonnen- und Windenergie ist die Speicherung. Wie in meinem Fall gezeigt, werden dafür unvorstellbar hohe Kapazitäten benötigt. Darauf muss sich die Forschung konzentrieren.

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08.01.2022

Sehe ich im Allgemeinen erst einmal ähnlich wie Sie. Persönlich habe ich allerdings das Problem, dass ich im Keller keinen Platz mehr habe, um die Speichermodule aufzustellen. Ferner konnte mir noch niemand überzeugend erklären, welche (nicht bezuschussten) Aufwände bei der Entsorgung alter Akkus auf mich zukommen. Aus meiner Sicht daher eine Angelegenheit von begrenztem Wert.

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09.01.2022

Ein lesenswerter Beitrag eines Praktikers - eines Menschen der regenerativen Strom selbst erzeugt und seriös auf das Problem des Winterhalbjahres hinweist.

Ganz im Gegenteil zu grünen Medienagenten, die gerne mit dem Jahresdurchschnitt argumentieren.

rotgrün ist jetzt an der Regierung und muss für dieses Thema eine nachvollziehbare Lösung aufzeigen - kurzfristig ab 2025 nur noch Stromheizungen = Wärmepumpen zu erlauben und auch den Austausch fossiler Heizungen zu verbieten ist sicher kein gutes Konzept.

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08.01.2022

Es ist wohl unbestritten, dass es noch für viele Jahre Gaskraftwerke braucht um die Abkehr von Atomkraft und Kohle zu bewerkstelligen.
Auch muss die Versorgung mit Erdgas zu erschwinglichen Preisen über mittel- bis langfristige Lieferverträge abgesichert werden und nicht über kurzfristige Lieferverträge mit hohen Kostenrisiken nach Schnäppchenjäger Art. Den Bau von Gaskraftwerken von vornherein mit Forderungen zur Umstellung auf Wasserstoff zu befrachten ist aus Kostengründen auch nicht sehr sinnvoll. Wasserstoff als Antrieb bedarf zur Herstellung auch Strom. Und Strom muss auch zu vernünftigen Preisen verfügbar sein um den Industriestandort DEU zu erhalten. Wer z.Bsp den weitläufigen Ebersberger Forst kennt, wird wohl kaum darauf Wert legen dieses Naherholungsgebiet mittels Zersiedelung durch Windkrafträder zu zerstören; das geht allenfalls an der Peripherie des Forstgebietes. Für einen echten Stadtbewohner ist Zersiedelung natürlich kein Kriterium; er ist es gewohnt auf Tuchfühlung zum Nachbarn zu leben und seine Freizeit zu verbringen.

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08.01.2022

Deutschland verkommt nach und nach zu einem Entwicklungsland, es war vorherzusehen, das Strom nicht reicht, jetzt beschuldigt man Frankreich weil in D. der Strom so teuer ist. Alles Grün/Links gewollte Politik. Viele kleiner Firmen schließen bereits, wegen der Strompreise, Großbetriebe wandern in Billigstromländer ab. Wer zahlt dann die Steuern für den weiteren gewollten Migrantenansturm??

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08.01.2022

Gute Frau ihre Partei hat das beschlossen, jetzt nicht heulen.

Jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand wusste was jetzt kommt. Also bitte jetzt keine AfD Argumente klauen.

Danke

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08.01.2022

Leider praktiziert die CSU-Politikerin die Methode des Diebs, der auf andere zeigt und ruft „Haltet den Dieb“.

Als in Ihrem Landkreis Ebersberg im Jahr 2021 ein Bürgerentscheid Pro oder Contra Windkraft durchgeführt wurde, hat sie sich anders als die frühere CSU Politikerin Christa Stewens nicht zu Wort gemeldet. Dort hätte sie auch für die Stromversorgung werben können. Doch sie ist Vorsitzende der Lobbyorganisation Wirtschaftsbeirat der Union, die massiv gegen die Energiewende Stimmung gemacht hat. Laut Wikipedia bezieht zudem Frau Niebler viel Nebeneinkommen aus Lobbyarbeit. Von welchen Firmen und Verbänden sagt sie nicht.

Wir brauchen auch zusätzliche Gaskraftwerke. Doch die sind klimaschädlich! Es ist aberwitzig, sie als nachhaltig auszuzeichnen, wie das Frau Niebler von der Bundesregierung fordert. Diese Gaskraftwerke dürfen anfangs nur wenige hundert Stunden im Jahr und mit von Jahr zu Jahr sinkender Strom- wie Treibhausgasproduktion laufen. Sonst leisten wir nicht unseren Beitrag zum Schutz des Klimas und steuern auf eine Erde zu, die mehr als 2 °C wärmer ist. Das raubt dann hunderten Millionen Menschen ihren Lebensraum. Je mehr Solar- und Windkraftanlagen wir haben, desto weniger müssen Gaskraftwerke produzieren.

Dies spricht Frau Niebler leider nicht klar aus. Ohne Mut spricht sie auch nicht deutlich aus, dass die 10H Regel der CSU die Energiewende in Bayern massiv behindert. Ebenso die bayernspezifischen Bürokratiehürden für den Ausbau der Windkraft. Und wie sollen die neuen Gaskraftwerke so rentabel werden, dass sich Investoren für sie finden? Sollen wirklich mit Steuergeldern diese Gaskraftwerke subventioniert werden? Frau Niebler scheut sich, den marktwirtschaftlichen Weg zu fordern: Räumliche und zeitliche Flexibilisierung der Strompreise und Einführung von wenigstens zwei Strompreiszonen.

Raimund Kamm

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08.01.2022

Der Strom muss teurer werden. Mindestens um 100 bis 200% - für alle. Dann wird gespart. Zudem eine Zusatzsteuer von 20% auf alle Neugeräte, die Strom verbrauchen, egal wieviel.

Wer weniger verbraucht, muss nicht so viel Strom produzieren. Dann braucht es auch weniger Kraftwerke.

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08.01.2022

„Merkels mehrfache Energiewende“ (DW am 1.1.2020: Merkels größter Fehler, Autor: Mark Hallam) bringt jetzt eine CSU-Politikerin dazu, vor einer drohenden Stromlücke zu warnen. Die Union insgesamt scheint nun allmählich doch zu begreifen: Es bringt einer Kanzlerinpartei keinen langandauernden Erfolg, wenn die Person mit Richtlinienkompetenz aus Gründen des Machterhalts 150 Meinungsumfragen pro Jahr in Auftrag gibt, um Orientierung für ihre politische Arbeit zu bekommen. – vgl. SZ vom 7.9.2014: „Merkel lässt sich überraschend stark von Umfragen leiten“

Mich stört auch das Atomkraft-Argument, „man muss aber auch die Realitäten anerkennen". Zahlen wir nicht gerade deswegen die höchsten Strompreise in Europa, weil es den mehrheitlichen Wunsch nach umweltfreundlicher Energie gibt? Entsorgung von Atommüll im Meer ist ganz sicher nicht umweltfreundlich!

Helmut Eimiller

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08.01.2022

>>Zahlen wir nicht gerade deswegen die höchsten Strompreise in Europa, weil es den mehrheitlichen Wunsch nach umweltfreundlicher Energie gibt? <<

Nein. Wie mehrfach hier im Forum schon erläutert, sind die Großhandelsstrompreise in Deutschland niedriger als beispielsweise in Frankreich. Doch die Regierungen der letzten 1 1/2 Jahrzehnte haben das den Strom belastende System von Steuern, Abgaben und Umlagen verkommen lassen. Dadurch war beispielsweise das Heizen mit Strom, der für 0,5 ct/kWh von einer ansonsten abgeregelten Windkraftanlage bezogen wurde, teurer als das Heizen mit Erdgas aus Russland. Nachdem jetzt Russland die Erdgaspreise hochgetrieben hat, ändert sich dies jetzt ein wenig.

Raimund Kamm

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09.01.2022

>> Nein. Wie mehrfach hier im Forum schon erläutert, sind die Großhandelsstrompreise in Deutschland niedriger als beispielsweise in Frankreich. <<

Das wurde bislang sicher nicht mehrfach erläutert - sondern von Ihnen Herr Kamm x-fach ohne Beleg behauptet.

Relevant ist auch nur der Strompreis im WINTERHALBJAHR - der sommerliche deutsche PV Überschuss drückt den Durchschnittspreis in Deutschland, ohne dass dem ein echtes ganzjähriges Angebot gegenüber stehen würde.

Außerdem ist es ja nicht so, dass Strom "national" gehandelt wird. Die aktuell hohen Preise im europäischen Großhandel sind auch Resultat der deutschen PV Minderproduktion im Winter. Die deutschen Grünen sind da quasi genau so mitverantwortlich wie Herr Putin mit seiner vertragsgemäßen! Gaslieferung (er will halt nicht den gestiegenen Bedarf abdecken).

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08.01.2022

Solang in den Gemeinden am Tage die Beleuchtung ob wohl es hell ist leuchtet mache ich mir keine Sorgen! Aber möglicher Weise is es in Brüssel oder Strassburg anders.

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08.01.2022

Es hieß doch vollmundig, dass es keine Stromlücke gibt.

Die Lösung ist doch einfach. Ist nicht genug Strom da, so muss der Verbrauch gesenkt werden. Schmutzigen Strom brauchen wir nicht.

Mit den Wall Boxen und Ladestationen zum Elektro Auto laden ist eine zeitliche Abschaltung aber auch eine Beschränkung des Ladestroms bis zur vollständigen Abschaltung möglich. Praktisch, so kann man eine Ausgangssperre auch effektiver gestalten.

Genügt dies nicht, kann man sicher, zumindest zeitweise, den Strom über digitale Zähler bei den privaten Haushalten drosseln oder sperren.

Dann gibt es keine Lücke und man spart CO2. Ebenso könnten höhere Steuern auf alle Produkte, die Strom verbrauchen helfen. Man könnte sich Eigentümer von Photovoltaik Anlagen zwingen, anstatt ihre eigenen Stromspeicher zu füllen, gratis in das Netz einzuspeisen. Es kann nicht sein, dass hierzulande jemand meint, autark beim Strom zu sein. Das ist unsozial.

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08.01.2022

Liegt unsere Zukunft auch in wasserstofftauglichen Gaskraftwerken? Und in welcher Größenordnung?
Die Beantwortung dieser Frage hängt wohl auch von den Kosten einer solchen Stromerzeugung ab. Hierzu fehlen bedauerlicherweise Aussagen.

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