Nach dem deutschen Kanzler Friedrich Merz bereitet auch Airbus-Chef Guillaume Faury den Boden für einen Kompromiss im heftigen deutsch-französischen Streit um das Luftkampf-System FCAS. Weil immer klarer wird, dass die Chancen schwinden, in Europa ein einheitliches Kampfflugzeug der neuen Generation zu bauen, könnten zwei Flieger entwickelt werden, ein französischer und ein weiterer unter deutscher Federführung. Der Franzose Faury machte bei der Airbus-Pressekonferenz am Donnerstag in Toulouse deutlich, dass er hinter einer „Zwei-Kampfjet-Lösung“ stehen würde. Die Voraussetzung für ihn ist indes, dass die politisch Verantwortlichen in Paris und Berlin eine entsprechende Entscheidung treffen.
Weshalb streiten Franzosen und Deutsche überhaupt?
Weshalb streiten Franzosen und Deutsche überhaupt über die Vorrangstellung bei der Entwicklung eines Kampfflugzeugs der sechsten Generation, ob es bemannt oder, anders als heute, auch unbemannt wohl ab 2040 unterwegs sein wird? Die Ursache für den Konflikt liegt darin, dass es in Frankreich mit Dassault Aviation neben Airbus ein zweites Luftfahrt-Unternehmen gibt. Die Firma ist in der Lage, eigenständig Kampfflugzeuge wie den Rafale zu entwickeln und zu bauen. Daraus leitet der überaus selbstbewusste Dassault-Chef Éric Trappier den Anspruch ab, zu Lasten Deutschlands eine klare Führungsrolle in dem Kampfflugzeug-Teil des FCAS-Projekts zu beanspruchen. Im Zuge dessen nimmt er keine Rücksicht auf seinen Landsmänner Faury und Staatspräsident Emmanuel Macron, der 2017 mit der damaligen Kanzlerin Angela Merkel das FCAS-Projekt euphorisch auf den Weg gebracht hat.
FCAS steht für Future Combat Air System, also Luftkampf-System der Zukunft. Bei dem Vorhaben geht es um mehr als die Entwicklung eines neuen militärischen Flugzeugs. Im Mittelpunkt steht die Verbindung unterschiedlicher Verteidigungsgeräte durch Satelliten und Datenaustausch. Damit kann das Vorgehen von Kampfflugzeugen, Hubschraubern, Drohnen-Schwärmen und den Kräften am Boden besser koordiniert werden, sodass sich Angreifer wirkungsvoller abwehren lassen. Die Franzosen sind aber am Eurofighter-Programm nicht beteiligt, bei dem Deutschland, Spanien, Italien und Großbritannien Regie führen.
Tausende Beschäftigte arbeiten für Airbus in Süddeutschland
Der deutsche Airbus-Teil gilt als Stütze des Eurofighter-Baus: Am Airbus-Standort in Augsburg mit insgesamt stabil rund 3000 Beschäftigten werden Rumpfmittelteile gebaut, die in Manching bei Ingolstadt in die Maschinen eingebaut werden. An dem oberbayerische Airbus-Stützpunkt arbeiten rund 5800 Frauen und Männer - Tendenz steigend. Die Aussagen von Faury sind wichtig für Tausende Luftfahrt-Beschäftigte in Süddeutschland. Wie der Airbus-Chef hatte Kanzler Merz durchblicken lassen, dass es zu einer Zwei-Kampfjet-Lösung kommen könnte: „Wir haben ein echtes Problem im Anforderungsprofil“, betonte der CDU-Chef im Podcast „Machtwechsel“. Der Pilot Merz redete nicht um den heißen Brei herum und stellte fest, dass die Franzosen eine Maschine bauen wollen, die sowohl Atomwaffen tragen als auch auf Flugzeugträgern starten und landen kann. Diese Fähigkeiten brauche Deutschland derzeit nicht. Deshalb zieht es auch Merz in Erwägung, mit anderen Partnern wie etwa Spanien ein eigenes Flugzeug zu entwickeln. Auch die Schweden könnten ein interessanter Mitstreiter sein.
Da Faury neben den französischen auch deutsche und spanische Interessen vertritt, stellt er sich, wie seine Äußerungen am Donnerstag nahelegen, einer solchen Lösung nicht in den Weg. Damit unterstützt er indirekt die deutschen Kampfflugzeug-Pläne. Jetzt muss noch Frankreichs Staatspräsident Macron Klartext sprechen. Insidern zufolge könnte er mit Merz bis Ende des Monats eine Lösung finden. Der französische Präsident hatte bereits klargestellt: „Wir versuchen, das zu lösen. Es wird in jedem Falle gemeinsame Systeme geben.“ Demnach ist FCAS nicht tot. Am Ende bleibt das Luftkampf-System grundsätzlich erhalten, wobei Frankreich und Deutschland auf unterschiedliche Flieger setzen. Das wäre ein klassischer europäischer Kompromiss.
Warum wurde die Lösung nicht schon 2017 angepeilt?
Mit Spannung wird auch in Deutschland die für den 2. März angekündigte Rede Macrons zur Nuklear-Strategie Frankreichs erwartet, die er in der Bretagne auf einem Stützpunkt für Atom-U-Boote halten will. Bis dahin wäre es für ihn sicher vorteilhaft, geben Rüstungs-Experten zu bedenken, das Kampfflugzeug-Problem mit Deutschland friedlich zu entschärfen und FCAS so am Leben zu halten. Dabei stellen sich Beobachter des Projekts die Frage, warum nicht schon 2017 eine „Zwei-Fighter-Lösung“ angeflogen wurde, zumal damals klar war, dass die Franzosen – anders als die Deutschen – Maschinen brauchen, die Atomwaffen tragen und auf einem Flugzeugträger landen können. Das hätte, raunen Rüstungs-Kenner im Hintergrund, auch Kanzlerin Merkel klar sein müssen.
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