Wenn es nach Arbeitgeber-Vertretern geht, würde in Deutschland ein Feiertag gestrichen. Zumindest ein verlängertes Wochenende im Jahr wie zuletzt könnte damit für Beschäftigte der Vergangenheit angehören. Für Bayerns IG-Metall-Chef Horst Ott führt die Diskussion in die Irre. In einem Interview mit unserer Redaktion sagte der Gewerkschafter: „Ich bin überzeugt, dass das Streichen eines Feiertags und eines Urlaubstags die Arbeitgeber nicht zum Umkehren bewegt.“
Ott spielt darauf an, dass Unternehmerinnen und Unternehmer als Gegenleistung für den Wegfall eines Feier- und eines Urlaubstages wohl kaum bereit seien, „die Arbeitsplätze, die seit 2024 in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie abgebaut wurden, wieder aufzubauen“. Auch bezweifelt der Gewerkschafter, dass Arbeitgeber dann wieder mehr Investitionen in Deutschland tätigen und geplante Investitionen im Ausland absagen.
„Wer dauernd arbeitet, geht irgendwann kaputt“
Die Lage der Metall- und Elektrobranche und damit der Schlüsselindustrie Bayerns mit Automobil- und Maschinenbau ist ernst, setzt sich der Beschäftigungsabbau doch fort. Im Jahresverlauf 2025 gingen 21.000 Arbeitsplätze verloren. Darauf verweist Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Der Arbeitgeber-Vertreter warnt: „Seit dem letzten Höchststand im Januar 2024 wurden insgesamt 36.000 Stellen abgebaut. Die Lage ist und bleibt also weiterhin dramatisch.“ Denn der Arbeitsplatzabbau werde sich in den kommenden Monaten fortsetzen.
Lässt sich die negative Entwicklung doch durch Mehrarbeit und damit das Streichen eines Feiertages, wie Brosssardt es fordert, aufhalten? Bayerns IG-Metall-Chef Ott glaubt das nicht: „Ich kenne sehr viele Menschen, die engagiert arbeiten und sich mit ihrer Arbeit identifizieren.“ Arbeitsverweigerer und Blaumacher seien die Ausnahme. Der Gewerkschafter warnt: „Wer dauernd arbeitet und sich im Hamsterrad dreht, geht irgendwann kaputt. Das Leben darf nicht nur aus Arbeit bestehen.“
IG-Metall-Chef sieht Versäumnisse bei E-Mobilität
Ott verweist vielmehr darauf, dass auch Management-Fehler und Versäumnisse der Wirtschaftspolitik für die derzeitige Krise verantwortlich seien. Seines Erachtens versuchen Politiker und Arbeitgeber-Vertreter mit Forderungen nach der Streichung eines Feier- und eines Urlaubstags, davon abzulenken, dass in der Vergangenheit in Deutschland Entscheidungen und Reformen ausgeblieben seien. Ott wird konkreter: „So haben es deutsche Autohersteller und Zulieferer versäumt, sich rechtzeitig richtig auf die E-Mobilität einzustellen.“
In Deutschland seien nicht in ausreichendem Maße Verträge mit Lieferanten aus anderen Ländern zur Versorgung mit seltenen Erden geschlossen worden, die unter anderem für die Batterieproduktion wichtig sind. Der bayerische IG-Metall-Chef prangert überdies an, dass das Feld der Batterietechnologie weitgehend asiatischen Ländern überlassen worden sei. „Jetzt müssen wir mühsam nachziehen, weil wir in der Vergangenheit zu überheblich waren“, kritisierte er.
Hohe Energiepreise setzen Unternehmen zu
Derweil setzen die hohen Energiepreise die heimische Wirtschaft zusätzlich unter Druck. Das belegt der Energiepreisindex der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Nach der unserer Redaktion vorliegenden Studie liegen die entsprechenden Kosten für die Wirtschaft im Freistaat verglichen mit dem Durchschnitt des Jahres 2019 noch immer um fast 30 Prozent höher. Was ein Alarmsignal ist: Die Folgen des Iran-Kriegs sind in den Zahlen noch nicht enthalten. Brossardt rechnet mit einem weiteren Anstieg der Energiekosten. Er sprach von einem „großen Standort-Nachteil“ für die Firmen.
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