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Gewerkschaft
27.01.2022

Trotz Mitgliederschwund: IG Metall will 2022 viel erreichen

Die Gewerkschaft IG Metall bereitet sich auf die mit Spannung erwartete Tarifrunde in diesem Jahr vor.
Foto: Daniel Bockwoldt, dpa

Die Gewerkschaft steht finanziell gut da und will für die Belegschaften in der Tarifrunde einiges herausholen. Alles hängt an der Inflation.

Das wird eine entscheidende Tarifrunde für IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. Im Juni beginnen die Beratungen darüber, wie viel Lohn die Gewerkschaft fordern wird. Wenn im Herbst die Tarifrunde losgeht, schauen nicht nur die rund 3,85 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie auf die Gespräche zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreten. Die wichtigste Tarifrunde in diesem Jahr hat eine enorme volkswirtschaftliche Bedeutung.

Das hängt maßgeblich damit zusammen, dass die Inflation 2021 auf 3,1 Prozent nach oben geschnellt ist, was, auf das Jahr gerechnet, dem höchsten Stand seit 1993 gleichkommt. So wächst unter Volkswirtinnen und Volkswirten die Angst, dass die mächtigste deutsche Gewerkschaft in diesem Jahr eine Art Teuerungs-Nachschlag für 2021 erstreiten will, also für eine kräftige Lohnerhöhung von womöglich sogar etwa vier Prozent kämpft. Dann, so die Befürchtung der Wirtschaftskundigen, könnte ein Teufelskreis in Gang gesetzt werden: Nach einem zünftigen, von der IG Metall erstrittenen Gehaltsplus wird die Inflation aufs Neue angefacht. Fachleute sprechen hier von einer Lohn-Preis-Spirale. Nach dem Horrorszenario würde die Lage an der Preisfront, selbst wenn es in diesem Jahr wieder auf verträglichere Teuerungs-Werte von 2,5 oder 2,0 Prozent nach unten geht, durch einen hohen Metall-Tarifabschluss wieder ernster.

Noch hält sich der IG-Metall-Chef Hofmann zu den Themen Inflation und Lohnerwartung zurück

Am Ende könnte die Inflation sich erneut Richtung 3,0 Prozent aufmachen. Schließlich ist die Metall- und Elektrobranche, zu der die Autoindustrie und der Maschinenbau gehören, der deutsche Schlüssel-Wirtschaftszweig. Deswegen wird in den nächsten Monaten jedes Wort, das IG-Metall-Chef Hofmann zu den Themen „Inflation“ und „Lohnerwartung“ sagt, auf die Goldwaage gelegt. Einstweilen hält sich der erfahrene Tarifpolitiker noch mit zu klaren Worten zurück.

Bei der Jahrespressekonferenz der Gewerkschaft am Donnerstag beließ es der 66-Jährige bei der Aussage, die Gewerkschaft beobachte die Entwicklung der Inflation in diesem Jahr. Dabei herrscht derzeit auch unter Volkswirten eine große Unsicherheit, wann und wie stark sich die im Dezember sogar auf 5,3 Prozent gestiegene Teuerung abschwächt. Es ist also ungewiss, ob schon Mitte des Jahres, wie ursprünglich gedacht, eine deutliche Entspannung eintritt, oder sich die Inflation erst Ende des Jahres verzieht. Für letzteren Fall würde die IG Metall unter Druck geraten, verspricht Hofmann den Beschäftigten doch „steigende Reallöhne, die im Geldbeutel ankommen“. Damit sagt er zu, dass der Lohnabschluss über der erwarteten Inflation liegen wird.

Die Wirtschaftswelt blickt gespannt auf jeden Winkelzug der IG Metall

Am Ende hängt 2022 für die gesamte Volkswirtschaft und ihre weitere Entwicklung viel von der Entwicklung der Preise ab. Sollten sie hoch bleiben und die IG Metall einen ordentlichen Schluck aus der Lohnpulle nehmen lassen, was die Inflation wiederum anschiebt, kommt auch die Europäische Zentralbank stärker unter Druck. Wenn das Beispiel der IG Metall Schule im europäischen Gewerkschaftslager macht, werden Forderungen lauter, dass die Notenbank zur Eindämmung der Teuerung die Zinsen anheben muss. Auch deswegen schaut die Wirtschaftswelt auf jeden Winkelzug der IG Metall. Da kann es schon beruhigend wirken, dass Hofmann auf Nachfrage klarstellt, er sehe keinen „Nachholbedarf nach hinten“. Damit macht er deutlich, für den Tarifabschluss im vergangenen Jahr, bei dessen Vereinbarung noch nicht klar war, wie deftig die Inflation hochkochen wird, keinen Nachschlag zu verlangen.

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Nach dem noch mitten in der Corona-Krise unter Dach und Fach gebrachten Vertrag haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Juni 2021 eine Corona-Prämie von netto 500 Euro bekommen. Im Februar dieses Jahres kommt noch einmal ein „Transformationsgeld“ heißender Betrag von 18,4 Prozent eines Monatsentgelts hinzu, ab 2023 dann dauerhaft 27,6 Prozent als neue jährliche Einmalzahlung. Dabei verliert die IG Metall auf hohem Niveau erneut Mitglieder – und zwar um 2,1 Prozent auf 2,169 Millionen. Doch finanziell steht die Organisation weiter gut da, wie der aus Augsburg stammende Hauptkassierer Jürgen Kerner deutlich macht. So waren die Beitragseinnahmen im vergangenen Jahr mit 592 Millionen Euro etwas höher als im Vorjahr. An die Adresse der Arbeitgeber sagte er: „Kein Streik wird am Geld scheitern.“

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