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Inflation: Auch in der Schweiz werden die Preise nun noch höher

Inflation

Auch in der Schweiz werden die Preise nun noch höher

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    Die europaweit vergleichsweise geringe Teuerung kostet die Schweizer dennoch einiges.
    Die europaweit vergleichsweise geringe Teuerung kostet die Schweizer dennoch einiges. Foto: Georgios Kefalas, dpa (Symbolbild)

    In der Schweiz müssen Einheimische und Gäste tief in die Tasche greifen. Die meisten Waren, Dienstleistungen und Genüsse kosten gutes Geld: Eine Pizza Margherita mit einer Limo oder einem Bier gibt es kaum unter umgerechnet 25 Euro. In vielen Gebieten Italiens hingegen tischen Wirte die Standardpizza mit Getränk für sieben bis acht Euro auf. Für Lebensmittel, die in Supermärkten anderer europäischer Länder für zehn Euro zu haben sind, verlangen helvetische Discounter 18 Euro.

    Doch seit einigen Monaten holen die EU-Staaten auf: Die Inflationsraten im hohen einstelligen Bereich machen auch Deutschland oder Österreich zu Teuro-Staaten. Die Preistreiberei, zumal im Energiesektor, lässt sich vor allem auf Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine zurückführen.

    Schweiz hat eine Inflationsrate von 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat

    Und wie sieht es in der Schweiz aus? In dem reichen Land, in dem die Menschen gesalzene Preise berappen müssen, aber auch satte Gehälter kassieren, lag die Inflationsrate im Juli und Juni jeweils um 3,4 Prozent höher als im jeweiligen Vorjahresmonat. Im europäischen Vergleich fallen die Schweizer Werte somit moderat aus.

    Wieso ist die aktuelle Inflationsrate in der Schweiz im Vergleich zu Deutschland und anderen europäischen Ländern so niedrig? „Das hat vor allem drei Gründe“, erläutert Alexander Rathke von der Konjunkturforschungsstelle der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich im Gespräch mit unserer Redaktion: „Zunächst ist es der starke Schweizer Franken.“ Die Währung der Eidgenossen werde auch langfristig, so ist sich der Experte sicher, gegenüber allen Währungen stark bleiben, besonders aber gegenüber dem Euro. Die Importe vieler Waren in die Schweiz würden durch die harte heimische Währung verbilligt.

    Zudem haben laut Rathke die Schweizer bestimmte Energiepreise wie den für Strom für ein Jahr festgesetzt. „An diesem Preis bewegt sich nichts“, hält der Ökonom fest. „Letztlich ist der Nahrungsmittelmarkt der Schweiz stark abgeschottet“, erklärt Rathke und zeigt die Mechanismen an einem Beispiel: Preise für Rindfleisch liegen in der Schweiz viel höher als im Ausland. Im Ausmaß dieser Differenz schlagen die Schweizer Zölle auf importiertes Rindfleisch. Steigen nun die Preise für Rindfleisch im Ausland, senken die Schweizer entsprechend die Einfuhrzölle. Der Preis für Beef auf den Märkten Helvetiens bleibt gleich. Allerdings geht es auch in die andere Richtung: Sinken die Preise für Fleisch im Ausland, erhöhen die Schweizer die Importabgaben dafür. „Wieder zahlen die Verbraucher den gleichen Preis“, führt der Wissenschaftler aus.

    Gewichtung im Warenkorb zur Inflationsberechnung ist anders

    Als weiteren Grund für die moderate Teuerung in Helvetien führen Experten die Zusammensetzung und Gewichtung des Warenkorbes zur Inflationsberechnung aus. Der Schweizer Korb unterscheidet sich von anderen Staaten und führt zu einem günstigeren Inflationswert für das Alpenland: So spielen die Energiekosten für die Schweizer eine kleinere Rolle als etwa in Deutschland.

    Zwar schauen viele Menschen aus den EU-Staaten derzeit mit Neid auf die relativ niedrigen Inflationsraten der Schweiz. „Doch für Schweizer Verhältnisse ist eine Inflationsrate von 3,4 Prozent schon ein starkes Stück“, betont Rathke. Letztmals verzeichneten die Statistiker in der ersten Hälfte der Neunziger-Jahre des vergangenen Jahrhunderts eine ähnliche Teuerung. Besonders die hohen Spritkosten für Autos und Flugzeuge treiben die Preise.

    Immer mehr Arme auch in der Schweiz

    Nach Berechnungen der Berner Fachhochschule, die von srf.ch zitiert werden, steigt „mit der aktuellen Teuerung der Anteil der Menschen in der Bevölkerung, die trotz Einkommen als arm gelten, von 8.5 auf 9.3 Prozent“. Nun drohe über 78.000 Menschen in der Schweiz die finanzielle Armut – auf Deutschland umgerechnet wären das 780.000 neue Armutsopfer. Die Menschen, die immer weniger zur Verfügung haben, müssen nach den Untersuchungen sparen, wo es nur geht: Die Tasse Kaffee mit Freunden werde gestrichen oder der nötige Arztbesuch falle flach.

    Und gemäß den Befürchtungen des Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank, Thomas Jordan, könnte es in den nächsten „Jahren zu einem anhaltend höheren Inflationsdruck“ kommen – und dieser Druck droht sich auszuweiten.

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