Zum Beispiel Lipospec von der Universität Augsburg. In ein, zwei Monaten soll gegründet werden. Mit dabei Nicolas Färber aus der Arbeitsgruppe Biologische Physik. Der 29-Jährige will mit zwei Kollegen ein Messgerät auf den Markt bringen, „das die Entwicklungszeit und die Kosten von mRNA-Medikamenten senkt.“ Das können Corona-Impfstoffe sein, Medikamente im Kampf gegen den Krebs oder gegen Alzheimer. „Deren Entwicklung ist sehr kostenaufwendig. Und wir bauen ein Labormessgerät, das den Pharmafirmen hilft, schneller ans Ziel zu kommen.“ Der promovierte Physiker vom Gründungszentrum der Uni ist guten Mutes.
Lipospec ist eines von vielen. Denn wie der Bundesverband Deutsche Start-ups meldet, gründen in Deutschland immer mehr junge Unternehmerinnen und Unternehmer. In der ersten Hälfte dieses Jahres entstanden bundesweit 1500 neue, innovative Firmen. Ein Zuwachs von neun Prozent im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2024, und das trotz der anhaltenden wirtschaftlichen Flaute.
Die meisten neuen Startups im Software-Sektor
Benedict Kurz, Vorstand des Startup-Verbands, meint: „Damit setzt sich die positive Entwicklung der vergangenen zwei Jahre fort, ein starkes Signal in schwierigen Zeiten.“ Es zeige, welche Rolle Start-ups und Innovation für den Wirtschaftsstandort Deutschland spielen könnten. Ganz vorn dabei sind den weiteren Angaben zufolge die internationalen Hotspots Berlin und München. Aber auch Forschungsstandorte wie Heidelberg, Darmstadt und Aachen trügen maßgeblich zur aktuellen Dynamik bei. Sachsen verzeichnet mit 71 Prozent das höchste Wachstum, gefolgt von Bayern (23 Prozent) und NRW (16 Prozent). Die Entwicklungen in diesen drei Ländern seien im Kern für den positiven Trend verantwortlich. Am meisten wurde im Software-Sektor gegründet, der um 16 Prozent zulegt.
München ist nicht nur europaweit schon lange für sein besonders florierendes Jungfirmen-Netzwerk rund um die Technische Universität München (TUM) bekannt. Vergangenes Jahr konnte ein neuer Rekord vermeldet werden. 103 Start-ups haben TUM-Forschende, Studierende und Absolventinnen und Absolventen vergangenes Jahr ins Unternehmensregister eingetragen – so viele wie noch nie. Und im UnternehmerTUM geht man davon aus, dass die Zahlen auch 2025 weiter steigen.
Isar Aerospace ist nun ein Unicorn
22 „Unicorns“, also Firmen, die ohne Börsengang einen Unternehmenswert von einer Milliarde Dollar erreichen, entstanden an der TUM. Darunter ist mit Celonis auch das erste deutsche „Decacorn“, also ein Start-up mit einer 10-Milliarden-Dollar-Bewertung. Zuletzt, Ende Juni, wurde das Newspace-Startup Isar Aerospace, das seit Jahren mit der Augsburger Rocket Factory konkurriert, mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet.
So viel wert ist Lipospec noch nicht. Dafür aber kommt das Messgerät LISO heuer bereits auf den Markt. Vereinfacht gesagt, kann man mit dem in Augsburg entwickelten Gerät mit Licht untersuchen, wie die Struktur eines Medikaments aussieht. Es passt auf einen Tisch. Sogar gefrorene Medikamente können getestet werden. Färber sagt: „Es ist ein sehr technisches Gerät. Und: Hardware zu bauen ist anspruchsvoller als Softwareprodukte zu entwickeln. Denn, so Färber: „Unser Lipid State Observer muss ja auch noch zertifiziert werden.“ Sprich: Es wird sichergestellt, dass das Produkt sicher ist und Messungen im Laborbetrieb reibungsfrei ablaufen. „Wir arbeiten hier mit dem TÜV zusammen und sind auf einem guten Weg“, sagt der angehende Unternehmer. Über eine Million Euro hat das Start-up bisher eingesammelt. Bis 2027 soll sich das Team in etwa verdoppeln. Färber ist optimistisch: „Wir kommen gut voran und die Stimmung in der Gründerszene ist gut.“
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