Was denn jetzt? – Aus der Baubranche kamen zuletzt widersprüchliche Zahlen: Einerseits vermeldete das Statistische Bundesamt, dass im März in Deutschland der Bau von 21.800 Wohnungen genehmigt wurde, was eine ordentliche Steigerung um 11,5 Prozent war im Vergleich zum Vorjahr. Und im gesamten ersten Quartal wurden 63.500 Wohnungen in neuen sowie bereits bestehenden Gebäuden genehmigt. Eine Steigerung um 14,6 Prozent im Vergleich zu den ersten drei Monaten im Jahr 2025.
Andererseits gab just das Münchener Ifo-Institut bekannt, dass der Geschäftsklimaindex am Bau im April eingebrochen ist. Die Stimmung verschlechterte sich massiv, so stark wie seit April 2022 nicht mehr. Vor allem die Erwartungen der Unternehmen trübten sich deutlich ein, aber auch die laufenden Geschäfte wurden in der regelmäßig gemachten Umfrage negativer beurteilt.
Ifo-Institut: „Deutlicher Dämpfer“ für die Bauwirtschaft
Ifo-Umfrage-Experte Klaus Wohlrabe erklärt diese nur auf den ersten Blick widersprüchliche Entwicklung im Gespräch mit unserer Reaktion so: Zwar hätte sich die Zahl der Baugenehmigungen zuletzt tatsächlich etwas stabilisiert und sei wieder angezogen. Auch seien die Auftragsbücher wieder etwas voller gewesen. Das laufende Wohnungsbaugeschäft sei zuletzt also nicht mehr ganz so schwach gewesen wie noch vor einigen Monaten. Gleichzeitig aber habe sich die Stimmung in der Branche massiv eingetrübt, weil die Unternehmen sich weniger erwarten, da sie befürchten, dass die „vorsichtige Erholung“ ausgebremst wird.
Warum? „Der Krieg im Iran hat die Unsicherheit deutlich erhöht.“ Steigende Energiepreise, die höhere Inflation und damit verbunden die erhöhte Gefahr „weiterer oder länger anhaltender hoher Zinsen“. Wohlrabe erklärt: „Gerade der Wohnungsbau reagiert sehr sensibel auf Finanzierungskosten.“ Viele Bauunternehmer fürchteten, dass Finanzierungen wieder teurer und somit Projekte verschoben werden könnten. Als wäre das nicht genug, fragen sich viele, ob die Lieferketten halten. „Der Anteil der Unternehmen“, sagt Wohlrabe, „die von Problemen bei der Materialversorgung berichten, ist zuletzt sprunghaft gestiegen. Das betrifft insbesondere Grundstoffe.“ Seine Zwischenbilanz lautet also: „Die Branche hatte gehofft, die schwierigste Phase langsam hinter sich zu lassen.“ Jetzt hat es einen „deutlichen Dämpfer“ gegeben.
Das sieht Aygül Özkan, Hauptgeschäftsführerin des Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA) mit Blick auf den Irankrieg der USA genauso. Hinzu kommt aber, was die Interessenvertreter der gesamten Immobilienbranche schon lange beklagen: „Die Krise ist struktureller Natur. Überregulierung, hohe Baukosten und langwierige Genehmigungsverfahren bremsen Investitionen spürbar.“ Die geplante Novelle des Baugesetzbuchs, wie Özkan auf Anfrage unserer Redaktion erklärt, sei zwar ein wichtiger Schritt, werde ihre Wirkung jedoch erst kommendes Jahr entfalten.
Sie fordert deshalb, „jetzt alle verfügbaren Vereinfachungen für Planung und Neubau konsequent, flächendeckend und mit Tempo zu nutzen. Weitere Verzögerungen können wir uns nicht leisten“. Wenn an diesem Freitag das Statistische Bundesamt die Baufertigstellungszahlen veröffentlicht, erwartet die Branche einen weiteren Rückgang.
Beim Marktforschungsinstitut des Immobilienverbandes IVD-Süd analysiert man die Lage so: Die leicht anziehende Nachfrage nach Wohnimmobilien wird durch den jüngsten Anstieg der Bauzinsen gebremst. IVD-Süd-Institutsleiter Stephan Kippes sagt: „Teilweise sind die Effektivzinsen für zehnjährige Immobilienkredite inzwischen wieder über die Marke von vier Prozent gestiegen.“ Hintergrund hierfür: die wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs. „Sollte sich dieser Trend fortsetzen“, prognostiziert Kippes, „besteht die Gefahr, dass die gerade einsetzende Belebung am Wohnimmobilienmarkt an Dynamik verliert“. Denn es gab zuletzt für Bayern auch positive Signale: Das IVD hatte ermittelt, dass die Immobilienumsätze in Bayern im ersten Quartal um beachtliche sieben Prozent angezogen waren. Zudem hatten sich die von den Hypothekenbanken ausgegebenen Immobilienfinanzierungen im Februar den weiteren Angaben zufolge „auf einem relativ hohen Niveau“ bewegt.
Andererseits war die Zahl der Baugenehmigungen in der Landeshauptstadt München in den ersten drei Monaten um 30 Prozent eingebrochen. Und das, so Kippes, „vor dem Hintergrund eines sehr schwachen Vergleichswertes aus 2025“. Hinzu kommt, dass Kippes davon ausgeht, dass Baumaterialien noch teurer werden, vor allem solche, die in hohem Maße auf Erdölprodukten basieren wie etwa Bitumen.
Die Konjunktur auf dem Kontinent verliert weiter an Schwung. Das Wachstum in der EU wird sich dieses Jahr auf 1,1 Prozent verlangsamen, wie die EU-Kommission bekannt gab. Für Deutschland werden nur noch 0,6 Prozent erwartet.
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