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Lufthansa weitet Streiks aus: Wann reißt der Geduldsfaden?

Arbeitskampf

Lufthansa weitet Streiks aus: Wann reißt der Geduldsfaden?

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    Ausfälle im Nah- und Luftverkehr sorgen immer wieder für Frust bei Fahrgästen – auch wenn viele die Streiks grundsätzlich nachvollziehen können.
    Ausfälle im Nah- und Luftverkehr sorgen immer wieder für Frust bei Fahrgästen – auch wenn viele die Streiks grundsätzlich nachvollziehen können. Foto: Malin Wunderlich, dpa

    „Wir bitten um Verständnis“ – mit dieser Formulierung wandten sich der öffentliche Nahverkehr und die Lufthansa in den vergangenen Wochen mehrfach an ihre Kundinnen und Kunden. Mit Streiks versuchen Beschäftigte von Verkehrsunternehmen, bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne durchzusetzen. Doch je öfter Busse und Straßenbahnen ausfallen oder Flüge gestrichen werden, desto stärker wächst bei vielen der Frust.

    Schon bei früheren Streiks zeigten spontane Umfragen unter den Kunden dieses Spannungsfeld: Während einige Fahrgäste betonten, sie hätten „volles Verständnis“, reagierten andere zunehmend genervt oder wütend. In den vergangenen Wochen hat sich diese Situation mehrfach wiederholt. Im Nahverkehr kam es zuletzt immer wieder zu Warnstreiks – etwa Mitte März und erneut Mitte April. Auch an diesem Dienstag wird der ÖPNV in mehreren bayerischen Städten sowie im baden-württembergischen Ulm bestreikt. Auch im Luftverkehr traf es den Süden des Landes mehrfach: Am Flughafen München fielen im April hunderte Flüge aus, zuletzt sogar rund 700 an einem Tag, weitere Streiks werden erwartet. Am Flughafen Stuttgart sind zuletzt ebenfalls mehrere Flüge gestrichen worden.

    Warum viele Menschen bei Streiks zunächst Verständnis haben

    Die Reaktionen ähneln sich: Verständnis ist da – zumindest am Anfang. Wie wir auf Streiks reagieren, hängt auch davon ab, wie wir geprägt wurden. Der Münchner Wirtschaftspsychologe Matthias Spörrle erklärt, dass zu Beginn häufig ein Gefühl der Solidarität steht. Viele Menschen nehmen die Arbeit von Bus- oder Straßenbahnfahrerinnen und Fahrern unmittelbar wahr und können deren Forderungen nachvollziehen. Dahinter steht häufig die Erwartung, dass diese Solidarität zurückkehrt, wenn man selbst einmal Unterstützung braucht.

    „Mit zunehmender persönlicher Betroffenheit steigt der Leidensdruck“, sagt Spörrle. Wer wiederholt von Ausfällen betroffen sei, nehme den Streik immer stärker als Belastung im eigenen Alltag wahr. Eine weitere Rolle spielt laut Spörrle die sogenannte „Polykrise“. In unsicheren Zeiten, etwa bei steigenden Preisen oder Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz, reagieren viele Menschen schneller gereizt. Der Fokus verschiebt sich stärker vom „Wir“ auf das „Ich“.

    Spörrle führt das auch auf eine sozioökonomische Komponente zurück. Er sagt, Gewerkschaften verlieren Mitglieder und damit viele auch das Gefühl, Teil eines gemeinsamen Lagers zu sein. Ein weiterer Aspekt ist für den Wirtschaftspsychologen die Konsumwelt, die Menschen stärker zu Einzelkämpfern macht. Viele sind daran gewöhnt, Dinge individuell zu besitzen, statt Ressourcen zu teilen. Diese Entwicklungen prägen auch, wie Menschen emotional auf Streiks reagieren.

    Warum Ärger bei Streiks entsteht – und wen er trifft

    Gefühle sind dabei nicht immer eindeutig. Gerade in Streiksituationen schwanken viele zwischen Verständnis und Ärger. „Menschen können mehrere Emotionen gleichzeitig empfinden“, so der Wirtschaftspsychologe.

    Spörrle hebt besonders die Emotion Ärger hervor. Sie entsteht häufig dann, wenn Menschen das Gefühl haben, dass eine Regel verletzt wurde. Im Fall von Streiks ist das oft die unausgesprochene Erwartung, dass der Alltag funktioniert – dass Busse fahren oder Flüge starten. Fällt eine Verbindung aus, entsteht schnell der Eindruck, jemand habe diese „Regel“ gebrochen. Der Ärger richtet sich dann häufig gegen die Streikenden – auch wenn der Arbeitskampf darauf abzielt, die Arbeitgeber unter Druck zu setzen und nicht die Fahrgäste.

    Wie gelassen jemand reagiert, hängt zudem von der eigenen Situation ab. Wer flexibel planen oder notfalls ein Taxi bezahlen kann, erlebt Ausfälle anders als Menschen, die auf Verbindungen angewiesen sind und keine Ausweichmöglichkeiten haben. Auch das beeinflusst, wie viel Verständnis am Ende bleibt.

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