Strenesse ist wieder da. Im September kehrte die Modemarke nach Insolvenz und jahrelangem Dornröschenschlaf zurück ins Scheinwerferlicht – damals in den Schaufenstern des legendären Berliner Kaufhauses KaDeWe. Nun bahnt sich ein erstaunliches bundesweites Comeback im Handel an. Dabei setzt das Label, das viele Deutsche mit jenem royalblauen Kaschmirpulli verbinden, den Fußball-Bundestrainer Joachim Löw einst zum Kult machte, nicht nur auf Luxus-Kundschaft: Einen Teil der Kollektion soll es ab Dezember beim Discounter Lidl geben.
Jogi Löw und sein blauer Strenesse-Pullover wurden zum Kult
Seine Wurzeln hat Strenesse in Bayern. Die Gründerfamilie um Gerd Strehle und dessen Frau Gabriele, die den Style seit den 80ern federführend prägte, hat die Markenrechte allerdings schon vor Jahren abgegeben. Auch der damalige Firmensitz im schwäbischen Nördlingen wurde inzwischen abgerissen. Dem schillernden Aufstieg des Unternehmens, das in besten Zeiten mehr als 100 Millionen Euro Umsatz in den Büchern hatte, war ein dramatischer Absturz gefolgt. 2014 musste Strenesse, einst in einer Liga mit Hugo Boss oder Jil Sander, Insolvenz anmelden. Wenige Jahre später war dann endgültig Schluss. Überlebt haben der glanzvolle Name und die Aura einer Marke, für die nicht nur die Fußballer der Nationalmannschaft auf den Laufsteg gingen, sondern auch Weltstars wie Gisele Bündchen.
Den Glauben an Strenesse verkörpern heute Marcus Fürst von Sayn-Wittgenstein und Mariella Baroness von Essen. Der Hauptanteilseigner und seine Mitgesellschafterin arbeiten eher hinter den Kulissen am Neustart. Vorne in der ersten Reihe steht Geschäftsführer Noro Hoferer, der die Marke breiter aufstellen will als in der Vergangenheit. Eine Parfum-Serie gibt es bereits. Neben der glamourösen Modekollektion will man außerdem mit einer etwas sportlicheren Zweitlinie unter dem Namen „Strenesse Blue“ am Markt punkten. Diese soll sich „auf erschwingliche Alltags-Pieces“ wie T-Shirts oder Socken fokussieren, wie Hoferer schon im Sommer in einem Interview mit der Zeitschrift Vogue ankündigte. Und genau an dieser Stelle kommt Lidl ins Spiel.
Lidl hat auch schon mit Wolfgang Joop und Heidi Klum gearbeitet
Der Discount-Riese mit Sitz in Baden-Württemberg hatte schon in der Vergangenheit große Namen zu vergleichsweise günstigen Preisen in seine Läden geholt. Vor einigen Jahren etwa entwarf Designer Wolfgang Joop Bademäntel, Bettwäsche und Handtücher für die Kette. Auch mit Topmodel-Macherin Heidi Klum gab es ein gemeinsames Projekt. Nun also Strenesse. „Damit holen wir ein deutsches Traditionslabel in unsere Filialen, das für zeitlose Eleganz steht. Wir möchten hochwertige Mode für alle zugänglich machen“, erklärt Lidl die Idee dahinter. Die Modemacher selbst hüllen sich noch in Schweigen, sehen in der Aufsehen erregenden Kooperation aber explizit keine Abkehr vom Luxus-Segment.
Acht verschiedene Strenesse-Produkte für Männer und Frauen
Laut Bild-Zeitung will Lidl acht verschiedene Strenesse-Produkte in gedeckten Farbtönen anbieten, erst im Online-Shop, ab Mitte Dezember dann auch bundesweit in den Supermärkten. Die Rede ist von Strickschal, Mütze, Pullover und Nicky-Hausanzug für Frauen. Für Männer soll es neben Schal, Mütze und Pullover auch Unterwäsche geben.
Der kreative Kopf hinter der Wiederbelebung von Strenesse heißt übrigens Mirko Borsche. Der 53-jährige Grafikdesigner, geboren am Tegernsee, hat zuletzt unter anderem den Stil des Sandalenherstellers Birkenstock geprägt. Nun soll er ein neues Image für die Modemarke entwickeln, vom Online-Auftritt bis zu Werbekampagnen. Dazu gehört auch der Mut, unkonventionelle Wege zu gehen – und Luxus massentauglich zu machen.
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