Die Idee ist so simpel wie überzeugend: Um dem Klimawandel entgegenzuwirken, müssen Bäume gepflanzt werden. Diese ziehen das Klimagas CO₂ aus der Luft, wenn sie wachsen. Die Idee, die der damals neunjährige Felix Finkbeiner im Jahr 2009 in einem Schulprojekt an der Internationalen Schule in Starnberg entwickelt hatte, ist mithilfe seines Vaters Frithjof Finkbeiner zu einer Organisation herangewachsen, die weltweit Renaturierungsprojekte betreibt, unter anderem in Mexiko. Plant-for-the-Planet gibt an, weltweit rund 30 Millionen Bäume gepflanzt zu haben. Die Organisation aus Tutzing am Starnberger See hat Prinz Albert II. von Monaco als Schirmherr gewonnen. Felix Finkbeiner, inzwischen 27, ist bis heute das Gesicht von Plant-for-the-Planet, er hat es zu bundesweiter Bekanntheit gebracht und vor den UN gesprochen. Trifft man ihn heute, wirbt er mit Überzeugung für das Pflanzen von Bäumen. Eine Billion bräuchte es, um das Klima zu stabilisieren. Und er setzt sich für seine Organisation ein, die hier mithelfen will. Diese aber ist in die Kritik geraten und kämpft nun mit Reformen um ihren Ruf.
Es begann mit Recherchen der Zeit. Die Wochenzeitung legte im Jahr 2020 dar, dass bei einem großen Aufforstungsprojekt in Mexiko auf der Halbinsel Yucatan nicht alles glatt läuft. Ein Teil der Flächen war zum Beispiel überflutet. Zahlen der Stiftung, dass 94 Prozent der Setzlinge überleben, stammten lediglich aus einer kleinen Stichprobe. Die Stiftung musste damals einräumen, dass sie das Wachstum der Bäume nicht systematisch genug kontrollierte. In diesem Jahr sind neue Vorwürfe aufgetaucht, abermals durch Zeit-Recherchen. Demnach war die Familie Finkbeiner über ihr Unternehmen Tankah Enterprise am Bau einer Siedlung in Mexiko beteiligt, für die bewachsene Flächen gerodet wurden. Dazu kam der Vorwurf, dass der mexikanische Schwester-Verein überlegt hatte, für 1,65 Millionen Dollar eine Villa zu kaufen. Vater Frithjof Finkbeiner gab der Zeit zufolge an, Einnahmen aus einem späteren Verkauf der Villa hätte dem Pflanzen von Bäumen dienen sollen.
Plant-for-the-Planet überwacht Wachstum der Bäume
Plant-for-the-Planet hat nach eigenen Angaben Lehren aus den Berichten gezogen. „Wir haben damals im Yucatan-Projekt in Mexiko das Monitoring – die Überwachung der Bäume – nicht ernst genug genommen, da haben uns die Zeit-Journalisten zurecht kritisiert“, sagt Felix Finkbeiner im Gespräch mit unserer Redaktion. Plant-for-the-Planet habe die Kontrolle verstärkt: „Heute haben wir ein Team aus drei Kollegen, die unter anderem die Wachstumsrate der Bäume messen.“ Die Daten können eingesehen werden, über eine Anwendung – die TreeMapper App – lasse sich transparent nachvollziehen, wie viele Bäume gepflanzt wurden und wie sie sich entwickeln. Zur Datenerhebung würden die Pflanzungen besucht. Denn während sich große Bäume per Satellit überwachen lassen, ist dies bei den nur einige Zentimeter hohen Setzlingen nicht möglich.
Dazu ist auch die Organisation neu aufgestellt worden. Die Plant-for-the-Planet Foundation hat rund 40 Mitarbeiter in Deutschland. Dazu kommt ein neu aufgestellter Stiftungsvorstand und der Stiftungsrat, der den Haushalt und die Strategie überwacht. Außerdem richtete Plant-for-the-Planet ein wissenschaftliches Beratungsgremium ein, das die Strategie der Aufforstung kritisch überprüft, und ein wissenschaftliches Kontrollgremium, das die Arbeit überwacht.
Trennung von Stiftungsarbeit und den Immobilengeschäften der Familie
Der Bericht über Immobiliengeschäfte zu Beginn dieses Jahres war ein neuer Rückschlag, „Man kann nicht glaubwürdig private Immobilieninvestments in Mexiko betreiben und sich gleichzeitig für eine Renaturierungsoffensive einsetzen“, sagt Jens Waltermann, Vorstandsvorsitzender von Plant-for-the-Planet. „Unsere Spender verstehen dies nicht und wollen dies nicht verstehen. Wir legen deshalb Wert auf eine klare Trennung zwischen den Immobiliengeschäften der Familie und der Renaturierungsarbeit der Stiftung. Frithjof und Karolin Finkbeiner spielen zudem keine Rolle mehr in der Stiftung“, betont Waltermann. Nur Felix Finkbeiner ist dort noch tätig. Er leitet das Team Renaturierung und Waldschutz und tritt als Gründer und Sprecher nach außen auf. In den Stiftungsgremien hält er keine Ämter.
Auch über den geplanten Kauf einer Villa durch die mexikanische Schwester ist man bei Plant-for-the-Planet in Deutschland nicht glücklich. „Der Fall illustriert, wie problematisch Interessenskonflikte sein können“, sagt Waltermann. Er betont aber auch: „Es handelt sich um einen Vorgang aus dem Mai 2023, der vor unserer Transparenzinitiative liegt. Der Deal wäre falsch gewesen, er ist am Ende auch nicht zustandegekommen.“ Die Schwesterorganisation in Mexiko habe sich gegen die Transaktion entschieden. Auch wenn man in Deutschland die Pläne damals nicht kannte, hätten bereits in Mexiko die Risiken auffallen müssen, ist er überzeugt. Die Stiftung habe deshalb auf personelle Konsequenzen gedrängt. Eine Juristin im Vorstand des mexikanischen Vereins sei zurückgetreten. Dr. Raúl Negrete, Präsident von Plant-for-the-Planet in Mexiko, lässt sein Amt ruhen und stößt seinen Anteil von einem Prozent an der Immobilienfirma Tankah Enterprise ab, versichert Jens Waltermann.
30 Millionen Bäume gepflanzt
Ist also alles wieder gut? „Wir würden lügen, wenn wir behaupten würden, dass dies keine Delle in der Reputation hinterlassen hat“, sagt Waltermann. „Wir stehen aber solide da und unsere allermeisten Unterstützer haben verstanden, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“
In drei Bereichen ist Plant-for-the-Planet heute aktiv. Der erste Bereich ist nach wie vor das Pflanzen von Bäumen. Projekte gibt es nicht nur in Mexiko, sondern auch in Südspanien und Ghana. „Wir haben bisher rund 30 Millionen Bäume gepflanzt und überwachen genau, dass sie auch wirklich gepflanzt werden“, sagt Felix Finkbeiner. In einem zweiten Bereich setzt sich die Stiftung in der Kinder- und Jugendbildung ein. Kinder und Jugendliche lernen in Kursen, weshalb Wälder und Klimaschutz wichtig sind, es gibt Pflanzaktionen und rund 100.000 Kinder weltweit sind Botschafter für Klimagerechtigkeit.
Drittens ist Plant-for-the-Planet auch ein Dienstleister. Unter anderem gibt es eine Software, zum Beispiel für Kleinbauern, die hilft, nachzuweisen, dass Produkte nicht aus kürzlich entwaldeten Gebieten stammen. Politisch unterstützt die Stiftung gemeinsam mit Organisationen wie dem WWF die Einführung eines Fonds, um den Tropenwald-Ländern Mittel an die Hand zu geben, ihren Regenwald zu schützen. Der Idee nach sollen in den Fonds (TFFF, kurz für Tropical Forest Forever Facility) 125 Milliarden Dollar fließen, die eine Gemeinschaft internationaler Staaten zusammen mit privaten Investoren aufbringt.
„Die Tropenwälder sind die Lunge unserer Erde“, sagt Jens Waltermann. „Sie haben zentrale Bedeutung, dass das Klima der Welt nicht kippt.“ Der Schutz des Klimas, insbesondere durch den Einsatz für Wälder und die Wiederaufforstung, ist der richtige Weg, davon ist man bei Plant-for-the-Planet bis heute überzeugt.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren