Auf der Fahrt nach Hause, nach dem Urteil, hätten er uns sein Vater kein Wort sprechen können, erinnert sich Sebastian Priller. „Wir waren wie paralysiert, als wir im Zug saßen.“ Der Prozess zwischen der Brauerei Riegele aus Augsburg und der Münchner Großbrauerei Paulaner um die Lizenzgebühren für die Marke Spezi hatte vor zwei Jahren Wellen geschlagen. Die Familienbrauerei verlor am Ende den Prozess. Auf der Fuckup-Night der IHK erklärte Sebastian Priller vor über 500 Gästen im Gaswerk, wie es zu der Niederlage kam. Und was er daraus gelernt hat.
Der Streit lässt sich mit einem kleinen Blick zurück erklären. In der Nachkriegszeit hatte Prillers Großvater beobachtet, wie in Gasthäusern häufig Cola mit Orangenlimo gemischt wird. Er begann, das Getränk schon fix und fertig in Flaschen abzufüllen. Den Namen „Spezi“ ließ sich Riegele 1956 schützen, die Brauerei hatte ihn ursprünglich für Bier verwendet. Im Jahr 1974 schlossen die Augsburger mit Paulaner einen Vertrag, dass auch die Münchner Brauerei den Namen „Spezi“ verwenden kann – gegen eine Zahlung von 10.000 D-Mark.
Brauerei Riegele unterlag im Spezi-Streit mit Paulaner
Drei Fehler habe man damals gemacht, sagt Priller: „Der erste Fehler war, die 10.000 Mark als Einmalzahlung anzusetzen. Der zweite Fehler war, keine Laufzeit festzulegen. Und der dritte Fehler war, in den Vertrag zu schreiben, dass Paulaner am Etikett nichts ändern darf.“ Jahrelang konnten Großbrauereien gut vom Bier leben. Doch inzwischen hat sich der Markt geändert: Der Absatz von Bier geht zurück, alkoholfreie Getränke dagegen sind gefragt. „Und Paulaner hat durch sein Retro-Etikett einen Lauf“, sagt er. Die Brauerei Riegele müsse dagegen tausende Euro für die Pflege der Marke aufwenden.
Riegele versuchte deshalb neue, faire Konditionen zu erreichen: „Wir haben herausgefunden, dass Verträge ohne Laufzeit kündbar sind“, erinnert sich Priller. Die Augsburger kündigten den alten Vertrag und schickten einen neuen nach München. Dies ließ Paulaner nicht auf sich sitzen und ging vor Gericht. „Am Ende entschied das Oberlandesgericht München, dass es kein Lizenzvertrag war, sondern ein Vergleich und damit unkündbar“, erinnert sich Sebastian Priller im Gaswerk, mit leichter Erkältung und rauer Stimme. Eine Niederlage, die sitzt. Auf den siebenstelligen Prozesskosten blieb Riegele sitzen. Nicht nur den Erfolgen, sondern auch den Niederlagen eine Bühne zu geben, das ist das Ziel der Fuckup Night. Der Sinn besteht darin, es das nächste Mal besser zu machen.
Sebastian Priller: „Prüfe jeden Vertrag auf eine Exit-Strategie“
Gelernt hat man aus dem Spezi-Streit auch bei Riegele. Und zwar mehrere Dinge. Erstens: „Bedenke die Dinge vom Ende her“, sagt Priller. Zweitens: „Egal, wie groß der Zeitdruck ist, prüfe jeden Vertrag auf eine Exit-Strategie.“ Und drittens: „Der Gerichtsstand ist nicht egal. Überall außer in München hätten wir gewonnen“, meinte er. Deshalb: „Wenn es vor Gericht geht, gehe ,all in‘, denn am Ende werden Entscheidungen emotional getroffen.“
Inzwischen hat Riegele nochmals einen Vertrag mit Paulaner geschlossen - für den Vertrieb von Spezi im Ausland. „Diesmal mit einem Laufzeitende und mit einer Exit-Strategie“, sagt Priller schmunzelnd.
Schwieriger Start: Das Rosa Krokodil und der Anfang von Curevac
Noch weitere Teilnehmer teilten ihre Erfahrungen mit dem Scheitern, darunter Isabell Espig, die in der Corona-Zeit in Erfurt das „Rosa Krokodil“ aus der Taufe hob. Das Unternehmen wollte im Netz eine Freizeitplattform für Familien etablieren. Doch nur sechs Monate nach dem Start ging alles schief. „Ich habe fünf Tage vor dem Start der Plattform keinen Entwickler mehr erreicht“, erinnert sich die Gründerin. „Die Plattform war Schrott.“ 25.000 Euro hatte sie mit ihrem Mann bis dahin investiert. Espig zieht die Reißleine, fällt erst in ein Loch. Und erfindet die Firma neu. „Wir haben aus dem Rosa Krokodil ein Medienunternehmen gemacht und sind heute ein siebenköpfiges Team.“ Es arbeitet mit Regionen zusammen und erstellt Reisegeschichten.
Dass eine gute Idee nicht reicht, sondern auch die Finanzierung mitgedacht werden muss, legt Ingmar Hoerr dar, Gründer des mRNA- und Impfspezialisten Curevac. Nach der Gründung brauchte das junge Unternehmen Geld. „Wir lernten einen Schotten kennen, der uns 100.000 Euro gab“, erinnert sich Hoerr. Doch der Business-Engel stellte sich als Business-Teufel heraus. Als sich keine weiteren Geldgeber fanden, bekam er kalte Füße. „Er schrieb uns: ,I want my money back!‘ Wir befürchteten, dass wir insolvent sind, bevor es losgeht“, erinnert sich Hoerr. Die letzte Rettung war die Kreissparkasse, die einen Kredit gab.
Was man daraus lernt? „Man muss fest daran glauben, was man tut“, sagt Hoerr. „Das ist der Erfolgsfaktor Nummer eins.“
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