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Strompreise: Lechwerke kündigen Preissenkung und effizienteren Ausbau an

Interview

Wie Schwabens größter Stromversorger die Energiewende günstiger machen will

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    Dietrich Gemmel (links) und Malte Sunderkötter führen Schwabens größten Energieversorger. Um die Energiewende billiger zu machen, fordern sie Gesetzesreformen.
    Dietrich Gemmel (links) und Malte Sunderkötter führen Schwabens größten Energieversorger. Um die Energiewende billiger zu machen, fordern sie Gesetzesreformen. Foto: René Müller/LEW

    Herr Sunderkötter, Sie führen seit gut drei Monaten zusammen mit Herrn Gemmel die Lechwerke. Wie blicken Sie auf die Region: Ist die Energiewende auf Kurs?

    MALTE SUNDERKÖTTER: Wir sind hier auf einem sehr guten Weg. In das Verteilnetz der LEW Verteilnetz, kurz LVN, speisen mittlerweile rund 140.000 Anlagen Strom aus erneuerbaren Energien ein. Allein letztes Jahr sind über 13.000 dazugekommen. Der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch liegt im Netz der LVN rechnerisch bei mehr als 90 Prozent. Dafür stärken wir das Netz mit hohen Investitionen, digitalisieren auf allen Ebenen und stellen so die Infrastruktur sicher und nachhaltig auf.

    Wirtschaftsministerin Katherina Reiche will neue Regeln für die Energiewende und überlegt, den Solaranlagen die Einspeisevergütung zu streichen. Bringt das nicht den Ausbau ins Stocken?

    DIETRICH GEMMEL: Das derzeitige Vergütungssystem stammt in den Grundzügen aus der Zeit, als die Erneuerbaren in den Kinderschuhen steckten. Förderung sollte anschieben und wettbewerbsfähig machen. Das hat funktioniert, die Erneuerbaren sind erwachsen geworden. PV-Anlagen sind durch den Markthochlauf heute viel günstiger und würden sich absehbar oft auch ohne staatliche Subventionierung tragen. Zudem ist die Einspeisevergütung nur einer von mehreren Gründen für die Installation einer Solaranlage. Die Stabilisierung der Stromkosten durch Eigennutzung, also Autarkie, ist ein anderer. Das war Auslöser des PV-Booms direkt nach der Energiekrise. Dieser hat sich zwar etwas abgeschwächt, aber wir sehen ganz klar: Es gibt immer noch eine erhebliche Nachfrage, die Kundschaft möchte das.

    SUNDERKÖTTER: Sonnenenergie ist heute eine tragende Säule der Energieversorgung bei uns. Mit Blick nach vorne geht es jedoch gerade bei großen Anlagen nicht nur darum, mehr erneuerbare Kapazität, egal wo, in den Markt zu bringen. Was zählt, ist eine bezahlbare Energiewende. Wir müssen die Gesamtsystemkosten im Blick behalten, etwa für die Gewährleistung der Versorgungssicherheit und den Netzausbau.

    Was kann man tun, um die Netzausbaukosten zu senken?

    SUNDERKÖTTER: Erzeugungsanlagen entstehen nicht unbedingt dort, wo sie gut für das Gesamtsystem wären. Die Folge ist eine Entwicklung, die bei der LVN aktuell noch sehr selten ist, aber in vielen anderen Gebieten schon oft auftritt: Anlagen müssen abgeregelt werden, weil zeitweise zu viel Strom ins Netz drückt. Um dem zu begegnen, bauen wir bei der LVN das Netz in nie dagewesenem Tempo aus. Für einen möglichst effizienten Weg in die Energiezukunft sollten wir jedoch die Rahmenbedingungen anpassen. Noch gibt es zu wenig Steuerungsmechanismen im Energiesystem.

    Wie könnte man das ändern?

    SUNDERKÖTTER: Zwei Ansatzpunkte, die wir beide bei unserer sogenannten Einspeisesteckdose im Landkreis Günzburg in die Praxis umgesetzt haben, haben viel Potenzial. Erstens, ein netzdienlicher Einspeisemix. Das Netz ist heute für maximale PV-Einspeisung ausgebaut. Wir können es besser auslasten, wenn wir PV mit anderen Erzeugungsarten ergänzen, etwa Windkraft oder Batteriespeicher mit einem passenden Einspeiseprofil. Der zweite Hebel ist vorausschauender Netzausbau. Bislang schließen wir neue Einspeiseanlagen einzeln nach dem Windhundprinzip an. Bei der Einspeisesteckdose kehren wir den Prozess um: Wir stellen über eine Ausschreibung Netzkapazität zur Verfügung, auf die sich dann Anlagenprojektierer bewerben, um Solarparks, Windräder oder Batteriespeicher anzuschließen. So sanken die Netzanschlusskosten im Projekt insgesamt um 50 Prozent und die Projektierer freuen sich über die schnelle Umsetzung. Die Energieträger sind hier ideal verzahnt, der Einspeisetrafo ist mit rund 150 Prozent Anschlussleistung optimal ausgelastet.

    Warum wird das dann bisher nur in einem Pilotprojekt gemacht?

    SUNDERKÖTTER: Für solche Ausschreibungen fehlt der rechtliche Rahmen. Zudem trägt die Allgemeinheit bisher über Netzentgelte die Kosten für bereitgestellte Netzkapazität. Regionale Baukostenzuschüsse, die der jeweilige Investor zahlt, würden eine faire Kostenverteilung ermöglichen. Sie würden sich am Ausbaubedarf für den Anschluss einer Erzeugungsanlage orientieren. Das schafft Anreize, PV-Anlagen oder Windparks dort zu bauen, wo möglichst geringe Ausbaukosten im Netz entstehen. Auf der Bezugsseite sind solche Baukostenzuschüsse schon heute üblich, etwa wenn ein Industriebetrieb ans Netz will. Dieses Instrument sollte auch auf der Einspeiseseite ermöglicht werden.

    Strom ist in der Energiekrise teuer geworden. Wie geht es mit den Strompreisen weiter?

    GEMMEL: Wir senken zum 1. März die Strompreise vieler Tarife, bei der LEW Grundversorgung beispielsweise um rund elf Prozent. Möglich machen dies zum einen niedrigere Beschaffungspreise, zu denen wir Strom einkaufen. Zum anderen sind bei der LVN die Netzentgelte deutlich gesunken – mittlerweile ein echter Standortvorteil für die Region. Ein Ausgleichsmechanismus sorgt für eine fairere Verteilung der Netzkosten zwischen Städten und dem ländlichen Raum. Zudem bezuschusst der Bund die Netzentgelte im Übertragungsnetz. Jetzt kommt es darauf an, den Umbau des Energiesystems effizienter zu machen und so die Energiewende langfristig bezahlbar zu halten.

    Inzwischen werden auch immer öfter dynamische Stromtarife angeboten, bei denen man von Tiefstpreisen an der Strombörse profitiert, man andererseits aber auch hohe Preise zahlen muss, wenn dort der Strom teuer ist. Wie kommen diese Tarife an?

    GEMMEL: Wir sehen Chancen bei der Flexibilität insgesamt. Intelligente Messtechnik, also Smart Meter, sind dafür wichtig. Die LVN ist hier beim Rollout im bayernweiten Vergleich schon sehr gut vorangekommen. Insgesamt tun wir uns in Deutschland aber noch schwer damit, weil wir einen sehr hohen Technikstandard festgelegt haben. Das kann später helfen, macht aber jetzt den Einbau aufwendig. Das Potenzial solcher Tarife wird in den kommenden vier bis fünf Jahren immer weiter zunehmen.

    Zu den Personen

    Dietrich Gemmel und Malte Sunderkötter sind Vorstandsvorsitzende der Lechwerke AG. Gemmel führt das Unternehmen seit 2021, Sunderkötter seit November 2025. Er ist unter anderem für das Netzgeschäft mit der LEW Verteilnetz (LVN) zuständig. Das Unternehmen ist der größte Energieversorger der Region.

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