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So wird die Energiewende günstiger: Pilotprojekt „Einspeisesteckdose“ in Schwaben senkt Netzkosten

Energiewende

Hier können Windräder, Speicher und Solarparks anstecken

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    Der technische Projektleiter Andreas Liebau erklärt die LVN-Einspeisesteckdose.
    Der technische Projektleiter Andreas Liebau erklärt die LVN-Einspeisesteckdose. Foto: Alexander Kaya

    Die Kosten müssen runter, das hat Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) als eines der wichtigsten Ziele für eine Reform der Energiewende benannt. Eine Antwort auf die Frage, wie das gelingen kann, hat nun der Verteilnetzbetreiber LVN, eine Tochter des Versorgers LEW mit Sitz in Augsburg, gegeben.

    Für ein bundesweites Pilotprojekt mit dem Namen „Einspeisesteckdose“ hat das Unternehmen das bisherige Vorgehen beim Anschluss von Solarparks, Windrädern oder Batteriespeichern umgedreht. Anstatt die Anschlussbegehren einzelner Projektentwickler nacheinander abzuarbeiten, hat LVN an einem Anschlusspunkt gezielt freie Kapazitäten ausgeschrieben und an sieben ausgewählte Projekte vergeben, die sich bei der Stromeinspeisung optimal ergänzen. Am Montagnachmittag hat Bayerns Wirtschaftsminister Huber Aiwanger (FW) die Anlage in Balzhausen im Landkreis Günzburg physisch in Betrieb genommen.

    Hunderte Millionenen Euro könnten gespart werden

    Nach Angaben der LVN konnte durch dieses Vorgehen die Hälfte der Kosten eingespart werden, die sonst für Bürokratie und Netzausbau nötig gewesen wären. Gleichzeitig können die angeschlossenen Anlagen um ein Vielfaches schneller ans Netz gehen und so mit ihrem Strom Geld verdienen. Wie ein Unternehmensvertreter berichtete, sieht das Unternehmen allein in seinem Netzgebiet, das im Wesentlichen dem nördlichen Teil Schwabens entspricht, Potenzial für 40 bis 50 weitere „Einspeisesteckdosen“. Nicht immer dürfte das Einsparpotenzial so hoch ausfallen, aber umgerechnet könnten nur im LVN-Netzgebiet 300 Millionen Euro eingespart werden.

    Die „Einspeisesteckdose“ ist technisch im Wesentlichen ein Umspannwerk. LVN hat eine bestehende Anlage um einen Trafo mit einer Maximalkapazität von 80 MW erweitert. Der Standort wurde gewählt, weil das übergelagerte Hochspannungsnetz dort noch ausreichend Kapazitäten zur Aufnahme von Strom hat. Für die Investitionen in Höhe von sieben Millionen Euro ist der Netzbetreiber in Vorleistung gegangen.

    Der eigentliche „Gamechanger“, wie LEW-Co-Chef Christian Barr sagte, liegt in der Art, wie der Zubau der erneuerbaren Energien im Rahmen des Pilotprojekts organisiert wird. Bislang darf jeder Projektentwickler einen Antrag auf Netzanschluss stellen und der Netzbetreiber muss die Anlagen in der Reihenfolge der Anfragen ans Netz bringen. Wo die Anlagen gebaut werden, kann der Netzbetreiber kaum beeinflussen. Zufrieden ist mit der derzeitigen Praxis eigentlich keine Seite: Für die Netzbetreiber ist das teuer, Projektentwickler wiederum monieren überlange Wartezeiten.

    Das Netz wird bislang nur zu Spitzenzeiten ausgenutzt

    „Jetzt haben wir die Prozesse beim Anschluss neuer Anlagen vom Kopf auf die Füße gestellt“, erklärte Barr. Im Januar 2025 haben die LVN die freien Anschlusskapazitäten ausgeschrieben, und Projektentwickler konnten sich darauf bewerben. Am Ende war das Interesse fünfmal so groß wie die zur Verfügung stehende Kapazität. Ausgewählt hat LVN drei Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 44 Megawatt (MW), ein Windkraftprojekt mit 22 MW sowie drei Batteriespeicher mit 60 MW.

    Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger nahm die „Einspeisesteckdoe“ in Betrieb. Mit ihm auf dem Bild: LEW-Co-Chef Christian Barr (links), LVN-Projektleiterin Barbara Plura und LEW-Co-Chef Dietrich Gemmel (rechts).
    Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger nahm die „Einspeisesteckdoe“ in Betrieb. Mit ihm auf dem Bild: LEW-Co-Chef Christian Barr (links), LVN-Projektleiterin Barbara Plura und LEW-Co-Chef Dietrich Gemmel (rechts). Foto: Alexander Kaya

    „Bis jetzt bauen wir unser Netz vor allem in unserer Region so aus, dass wir noch die letzte kWh-Solarstrom abtransportieren können, die im Sommer zur Mittagszeit anfällt. Aber die meiste Zeit wird diese Kapazität nicht ausgenutzt, das ist unwirtschaftlich“, verdeutlichte LVN-Projektleiterin Barbara Plura. Mit der „Einspeisesteckdose“ können nun Anlagen mit einer Nennleistung von 126 MW in das Netz einspeisen, obwohl der Transformator nur auf eine maximale Kapazität von 80 MW ausgelegt ist. In der Fachsprache wird das die Überbauung der Netze genannt.

    Das funktioniert, weil Windkraft- und Solaranlagen nur selten zur gleichen Zeit große Mengen Strom produzieren. Zudem müssen die angeschlossenen Batteriespeicher so betrieben werden, dass sie sich netzneutral verhalten. Das bedeutet etwa, dass sie nicht dann einspeisen, wenn ohnehin schon sehr viel Strom ins Netz drängt.

    Das erweiterte Umspannwerk in Balzhausen im südlichen Landkreis Günzburg.
    Das erweiterte Umspannwerk in Balzhausen im südlichen Landkreis Günzburg. Foto: Alexander Kaya

    Das Projekt ist im Rahmen einer Initiative des Wirtschaftsministeriums entstanden. Aiwanger, in dessen niederbayerischen Heimat in Kürze ein paralleles Projekt der Bayernwerk Netz in Betrieb geht, sieht durch die „Einspeisesteckdose“ auch Potenzial zur Entschärfung lokaler Konflikte: Der Bau neuer Energieprojekte könne so besser gesteuert werden. Doch was rechtlich bei den beiden Pilotprojekten möglich war, ist bisher rechtlich nicht verankert. „Ich hoffe, dass der Bund bei der Regulatorik nun hinterherzieht“, sagte Aiwanger. Barr forderte zudem eine stärkere Einbeziehung der Anlagenbetreiber in die Finanzierung der Infrastruktur: „Wer das Netz zur Einspeisung nutzt, trägt bisher wenig zur Finanzierung des Ausbaus bei.“

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