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Verpackungsmüll steigt zu Weihnachten deutlich – Recycling bleibt Herausforderung

Umwelt

Nach Silvester bleibt ein Abfallberg: 47 Tonnen Restmüll allein in München

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    Müllberge sammeln sich besonders viel über die Feiertage an. Manche Artikel, die von außen klar nach Plastik aussehen, haben es aber ganz schön in sich.
    Müllberge sammeln sich besonders viel über die Feiertage an. Manche Artikel, die von außen klar nach Plastik aussehen, haben es aber ganz schön in sich. Foto: Holger Hollemann, dpa

    Ein Packen voller Kartonagen unter dem einen Arm, unter dem anderen ein großes Knäuel aus Plastik, doch dann: Mist, die Tonnen sind schon voll. An Weihnachten gibt es Geschenke, nach dem Fest müssen die Verpackungen entsorgt werden. Laut Dirk Böttner-Langolf, Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft, gibt es nach dem Fest 20 bis 30 Prozent mehr Verpackungsabfälle im Vergleich zu normalen Wochen. Vor allem von Papier, Pappe und Kunststoff muss mehr entsorgt werden. An Silvester sind es dann eher die Restmülltonnen, die sich füllen, etwa mit Feuerwerksresten: 47 Tonnen davon fallen allein in München an, 25 Tonnen in Nürnberg und acht in Augsburg.

    Michael Schneider, der Pressesprecher des Entsorgers Remondis, sagt über die Menge und Zusammensetzung von Müll: „Es gab eine Zäsur durch den Online-Handel in den vergangenen zehn Jahren“. Vor allem der Paketversand gehe „ins Uferlose“. Zur Menge an Kartonagen komme noch der Transport. „Das ist ein Bärendienst an der Umwelt“, so sein Resümee.

    Bundesweit 20 bis 40 Prozent Fehlwurfquote beim Müll

    Erfreulicherweise liegt laut dem Umweltbundesamt die Recyclingquote für Verpackungen in Deutschland aktuell bei 69,4 Prozent. Allerdings produzieren die Bundesbürger pro Kopf auch viel mehr davon als fast alle anderen Europäer: 237 Kilo waren es laut den jüngsten Zahlen im Vergleich zu 189 Kilo im EU-Schnitt. Beim Recycling hakt es hauptsächlich an zwei Punkten: Zum einen gebe es Verbraucher, denen Mülltrennung egal wäre, zum anderen herrsche in dem Bereich teils große Unwissenheit, sagt Rüdiger Weiß vom Verband der Bayerischen Entsorgungsunternehmen (VBS). Wenn Plastikverpackungen fälschlicherweise in der Biotonne landen, dann gelange am Ende Mikroplastik auf den Acker. Fehlwürfe sind kein Einzelfall: „Wir haben eine Fehlwurfquote von 20 bis 40 Prozent“, sagt auch Michael Schneider von Remondis.

    Besonders um Weihnachten herum kommen auch Artikel hinzu, die für den Verbraucher gar nicht so leicht zu entsorgen sind. Denn so manches Festtags-Outfit von einem Billiganbieter landet schon nach kurzem Tragen gleich wieder in der Tonne. Das Problem: Mischgewebe sind schwer wiederzuverwerten. Vergleichbares gilt auch für viele Wegwerfprodukte wie E-Vapes.

    Wegen falsch entsorgter Plastik-E-Vapes brennen reihenweise Recyclinganlagen ab

    „Der Witz ist ja, E-Vapes sind in China gar nicht erlaubt, obwohl die da produziert werden“, macht Schneider sich Luft. Laut dem Umweltbundesamt landen mehrere Millionen elektronische Einweg-Zigaretten jährlich im Plastikmüll, obwohl sie wegen der fest verbauten Lithium-Ionen-Akkus dort nicht hineingehören. Mit teils dramatischen Folgen: Durch fest verbaute Akkus in elektrischen Zahnbürsten, in blinkenden Schuhen und E-Vapes seien schon 30 Recyclinganlagen abgebrannt, so Rüdiger Weiß vom VBS. Auch so manches Kinderspielzeug oder singende Grußkarten seien problematisch.

    Der Handlungsbedarf ist erkannt, ein neues Gesetz soll dafür sorgen, dass Akkus und Batterien richtig entsorgt werden, sagt Bianca Roß vom Bayerischen Landesamt für Umwelt. Am Ende kommt es aber stark auf die Verbraucher an. Sie können viel dazu beitragen, dass Rohstoffe recycelt werden. Das gilt auch für Smartphones, die sehr gerne unter dem Christbaum liegen. Rund 200 Millionen ungenutzte Handys lagern in privaten Schubladen und Schränken, sagt Roß. Könnten die Rohstoffe, die in ihnen enthalten sind, wiederverwendet werden, müssten weniger neue gewonnen werden. Denn das geschehe oft unter ausbeuterischen Bedingungen.

    Lidl und Kaufland recyceln fleißig Plastik, nur vielen Herstellern ist das bisher noch zu teuer

    Die Verwendung von Rezyklaten, also sekundären Rohstoffen, steht auch auf der Agenda der EU weit oben. Das Problem liegt vielfach bei den Preisen: „Wenn der Ölpreis niedrig ist, dann ist es wirtschaftlicher, neuen Kunststoff herzustellen“, so Schneider von Remondis. Künftig sollen daher Hersteller zur Kasse gebeten werden, um Mehrweg-Verpackungen zu finanzieren.

    In der Wirtschaft wird Nachhaltigkeit auch als Chance gesehen. Friederike Vees von der Schwarz-Gruppe, dem Konzern, der auch hinter Lidl und Kaufland steht, erklärt: „Für uns ist die umweltfreundlichste Verpackung diejenige, die konsequent im Kreislauf gehalten werden kann und so wenig Primärrohstoffe wie möglich benötigt.“ 63 Prozent der Eigenmarkenverpackungen seien gut recycelbar.

    Ein Beispiel: „Die Suppen-Fertigtüten bestanden ursprünglich aus einem Materialmix, der schwer recycelbar ist und nun aus reinem Kunststoff.“ Auch ganz neue Ansätze werden dabei verfolgt, wie der Einsatz von Naturfasern der Silphie-Pflanze. Der größte Erfolg seien die PET-Flaschen, die zu über 98 Prozent von den Verbrauchern zurückgegeben werden – sortenrein und somit perfekt für den Recyclingkreislauf: „So konnten wir in Deutschland im Geschäftsjahr 2024 knapp 65.000 Tonnen Neuplastik einsparen.“

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