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Volle Lager und niedrige Preise setzen Kartoffelbauern europaweit unter Druck

Landwirtschaft

Kartoffelbauern unter Druck: „Bevor ich sie in die Biogasanlage kippe, ist der Preis Nebensache“

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    Die Lager der Kartoffelbäuerinnen und Kartoffelbauern in Bayern sind voll. Doch schon ab Juli brauchen sie Platz für die neue Ernte.
    Die Lager der Kartoffelbäuerinnen und Kartoffelbauern in Bayern sind voll. Doch schon ab Juli brauchen sie Platz für die neue Ernte. Foto: Jan Woitas, dpa

    Pellkartoffeln mit Bärlauchquark, Spargel mit Salzkartoffeln, Kartoffel-Lauch-Suppe es gibt viele Möglichkeiten, Kartoffeln zu schmackhaften Gerichten zu verarbeiten. Doch kein Rezept der Welt kann helfen, wenn der Kartoffelmarkt übersättigt ist, weil die Ernte zu reich ausfiel. Europaweit haben Kartoffelbäuerinnen und Kartoffelbauern Schwierigkeiten, ihre Lager zu leeren. Auch in Bayern ringen sie mit aller Kraft darum, ihre Kartoffeln nicht wegwerfen zu müssen.

    In der gesamten Europäischen Union finden Erzeuger laut dem Fachportal agrarheute für rund 3,3 Millionen Tonnen Kartoffeln keinen Abnehmer. Der Überschuss führe dazu, dass große Mengen der Kartoffeln zu Tierfutter verarbeitet oder in Biogasanlagen genutzt werden. Doch in den Niederlanden bedeutet dies für die Bäuerinnen und Bauern, dass sie draufzahlen. Die niederländische Organisation PotatoNL, ein Notierungsservice, vermerkte Ende März Futterkartoffelpreise von minus 1,00 bis minus 2,00 Euro pro 100 Kilogramm. Wer Kartoffeln abnimmt, bekommt im Nachbarland also noch Geld dafür.

    Reiche Kartoffelernte belastet den europäischen Markt

    Treiber der Entwicklung sind laut agrarheute eine starke Nachfrage und günstige Vertragspreise in der verarbeitenden Industrie, die dazu führten, dass Landwirte den Kartoffelanbau in den vergangenen zwei Jahren stark ausdehnten. Das schöne Wetter in den europäischen Anbaugebieten tat laut Johann Graf, Referent für Kartoffeln beim Bayerischen Bauernverband (BBV), sein Übriges: Die Ernte im Vorjahr war reich. Das bringe insbesondere den Pommes-Frites-Markt in Schieflage. Im März 2025 notierten die Preise für Kartoffeln, die zu Fritten verarbeitet werden, in Bayern den Daten des BBV zufolge bei rund 20 Euro für 100 Kilogramm. In der aktuellen Saison bekommen die Bauern im Schnitt noch rund vier Euro. Speisekartoffeln seien bei guter Qualität leichter zu verkaufen. Dabei gibt es laut Graf regionale Unterschiede, wo die Bäuerinnen und Bauern ihre Kartoffeln unterbringen.

    Familie Kopold aus Brunnen verarbeitet alle Kartoffeln aus dem Anbau auf Feldern rund um die Ortschaft in der hofeigenen Manufaktur zu Pommes Frites, Knödeln und Kartoffelsalat. In diesem Frühjahr ist die Situation anders. Hofnachfolger Kopold sagt: „Durch die überdurchschnittliche Erntemenge können wir nicht alles verwerten.“ Die Nachfrage nach den Kartoffelprodukten sei zwar da, aber falle geringer aus, als die Familie es gewohnt sei. Auch weil die Anforderungen an die Qualität höher seien, liefere sie weniger abgepackte Kartoffeln aus.

    BBV empfiehlt Reduktion der Anbauflächen bei Kartoffeln

    Der Kartoffelhof Kopold muss seine Kartoffeln bisher nicht entsorgen. Jedoch sei schwer abzuschätzen, wie sich der Markt für im Sommer entwickeln wird. Schon Ende Juli stehe die Ernte der neuen Knollen an. Dann kauften die Kundinnen und Kunden ohnehin keine Lagerware mehr, weil die frischen Kartoffeln qualitativ besser seien. Um die Lager zu leeren, habe er einen kleinen Teil der Kartoffeln in den Export gegeben.

    Zwischen drei und acht Euro pro 100 Kilogramm habe er dafür bekommen. Deutlich weniger als üblich. Kopold sagt: „Bevor ich sie in die Biogasanlage kippen muss, ist der Preis fast Nebensache.“ Daten des BBV zufolge lag der Erzeugerpreis für Kartoffeln, die nicht als Frittenbasis dienen, um den Jahreswechsel 2024/2025 im Schnitt bei rund 24 Euro pro 100 Kilogramm. Künftig könnten Betriebe laut Graf etwa geplante Erweiterungen zurücknehmen oder kurzfristig zur Überbrückung, bis sich der Markt erholt hat, auf Stärkekartoffeln oder Sojabohnen setzen. Letztere sind laut Graf gerade etwas mehr gefragt als Kartoffeln, von denen er hofft, dass die Erzeuger sie nicht bald „aufs Feld fahren müssen“.

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