Die Negativserie schlechter Firmennachrichten aus dem Hightech-Bereich reißt nicht ab. Nach dem Jobabbau bei dem Robotik-Spezialisten Kuka hat jetzt der Robotik- und Tragehilfen-Spezialist German Bionic aus Augsburg Insolvenz angemeldet. Der Antrag sei bereits am Freitag gestellt worden, das Amtsgericht Augsburg hat den Rechtsanwalt und Sanierungsexperten Oliver Schartl von der Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. „Der Geschäftsbetrieb mit rund 70 Mitarbeitenden läuft uneingeschränkt weiter, ein Investorenprozess wird in Kürze gestartet“, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.
German Bionic ist im Jahr 2017 gegründet worden und hat sich mit der Entwicklung und dem Bau von Exoskeletten einen Namen gemacht. Dahinter verbergen sich Tragehilfen, die es Beschäftigten ermöglichen, schwere Lasten nicht alleine mit Körperkraft, sondern mit maschineller Unterstützung zu bewegen. Diese Roboter sind in der Praxis unter anderem am Flughafen in Nürnberg beim Transport von Koffern, aber zum Beispiel auch in der Pflege im Einsatz. Auch im Baugewerbe oder im Handwerk können sie Beschäftigte unterstützen, die zum Beispiel schwere Lasten heben müssen.
Finanzierungsrunde gescheitert
Grund für die überraschende Insolvenz ist nach Unternehmensangaben eine gescheiterte Finanzierungsrunde: „Trotz einer sehr positiven Umsatzentwicklung und eines dynamisch wachsenden Marktes sahen wir uns mit der unerwarteten Rücknahme von Investitionszusagen konfrontiert. Das Scheitern einer letzten Finanzierungsrunde löste einen Liquiditäts-Engpass aus, der die Anmeldung der Insolvenz unumgänglich machte“, sagte Geschäftsführer Armin G. Schmidt. „Ein strukturiertes Verfahren ist nun nötig, um die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit des Unternehmens zu sichern und die geschaffenen Werte zu schützen“, erläuterte er. Das Start-up hatte erwartet, sich im Sommer 2026 aus den eigenen Umsätzen selbst finanzieren zu können.
Suche nach einem Investor beginnt
Bei German Bionic ist man aber zuversichtlich, dass sich angesichts der Produkte im Markt, qualifizierter Mitarbeiter und zahlreicher Patente eine Lösung für die Fortführung des Unternehmens findet. Das Unternehmen hat Know-how in Robotik und künstlicher Intelligenz. Die Insolvenz eröffne auch die Chance zu einer strategischen Neuaufstellung: „Wir werden in Kürze einen strategischen Investorenprozess starten, um einen geeigneten Investor zu finden“, teilte Insolvenzverwalter Schartl mit. „Angesichts der Tatsache, dass das Produkt technologieführend und bereits weltweit im Markt etabliert ist und dass German Bionic über hochqualifiziertes Personal verfügt, sehe ich gute Chancen, dass uns dies bereits im ersten Quartal 2026 gelingen wird.“
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren