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Wie die Firma Grob in Mindelheim und ihr Azubi von der Einstiegsqualifizierung profitieren

Lehrstellenoffensive

Planlos nach dem Schulabschluss? „Jeder hat mir etwas anderes geraten“

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    Darius Barota macht bei Grob in Mindelheim eine Ausbildung zum Industriemechaniker. Der 18-Jährige begeistert sich für die Montage.
    Darius Barota macht bei Grob in Mindelheim eine Ausbildung zum Industriemechaniker. Der 18-Jährige begeistert sich für die Montage. Foto: Pauline Held

    Darius Barota war 16 Jahre alt, als er die Mittelschule in Buchloe mit der Mittleren Reife verließ. Hinter sich die Schule, vor sich seine Zukunft mit scheinbar endlosen Möglichkeiten. Was nun, fragte er sich. Was mit dem Leben anfangen, wenn man noch Jugendlicher ist, nicht mal den Führerschein hat, geschweige denn ohne Zustimmung der Eltern Entscheidungen treffen darf? „Jeder hat mir etwas anderes geraten“, erinnert er sich. Also machte er diverse Praktika. Im Büro, im Labor, im Betrieb des Vaters. Aber das Richtige war für ihn nicht dabei. Inzwischen sind zwei Jahre vergangen und Darius Barota hat seinen Weg gefunden – im Rahmen eines Langzeitpraktikums bei den Grob-Werken in Mindelheim.

    Über 350 Azubis lernen bei Grob in einem Ausbildungszentrum

    Barota ist heute in der Montage eingeteilt. Er arbeitet an einer Bürste, die der Anlagen- und Maschinenbauer Grob nur am Standort Mindelheim fertigt. Um ihn herum hämmert und klopft es. Rund 350 Auszubildende arbeiten in einer großen Halle zusammen. Auf über 5000 Quadratmetern bildet die Firma Grob hier ihre Fachkräfte der Zukunft aus. Zehn verschiedene Ausbildungsberufe und vier duale Studiengänge bietet der größte Arbeitgeber der Region an. Darius Barota hat sich für eine Lehre zum Industriemechaniker im Maschinen- und Anlagenbau entschieden.

    Seit September letzten Jahres ist der 18-Jährige in der Firma. Er durchläuft das gleiche Programm wie ein Azubi im ersten Lehrjahr, befindet sich jedoch in einem Langzeitpraktikum. Einstiegsqualifizierung, lautet der Fachbegriff. Die EQ ist eine Maßnahme der Bundesagentur für Arbeit. Sie soll jungen Menschen den Start ins Berufsleben erleichtern, die zum Beispiel keinen Schulabschluss haben oder, wie Barota, lange Zeit nicht wissen, was sie mit ihrer Zukunft anfangen sollen. Zwischen vier und zwölf Monaten kann die EQ dauern. Das Ziel ist, dass die Jugendlichen im Anschluss einen festen Ausbildungsplatz bekommen.

    Ein Jahr haben Azubis in der Einstiegsqualifizierung Zeit, sich zu beweisen

    Bei Grob durchlaufen aktuell sieben Azubis die Einstiegsqualifizierung. „Für beide Seiten ist das eine faire Sache“, betont Ausbildungsleiter Andreas Jedelhauser. Ein Jahr haben die EQler Zeit, sich und ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Ähnlich wie in der Probezeit. Nur, dass diese im Fall der EQ statt ein paar Monaten ein ganzes Jahr dauert. Das ermöglicht dem Betrieb einen Handlungsspielraum. „Letztlich ist das nichts anderes als eine längere Beschnupperungsphase“, erklärt Jedelhauser.

    Barota lernt alles, was die anderen Azubis auch lernen. Er erhält das gleiche Gehalt wie seine Kollegen im ersten Ausbildungsjahr. Der einzige Unterschied: Zum Ende des ersten Lehrjahres überprüfen seine Ausbildungsleiter, wie es mit ihm am besten weitergeht. Schlägt er sich im Betrieb und in der Berufsschule gut, geht es für ihn direkt weiter in das zweite Lehrjahr – dann in Form einer regulären Ausbildung. In manchen Fällen, erklärt Jedelhauser, ist es sinnvoll, das erste Jahr zu wiederholen. „Falls die Erwartungen nicht erfüllt werden können, kann es auch vorkommen, dass wir uns von dem Azubi trennen müssen.“ Handlungsoptionen, die die Firma sonst im Rahmen der regulären Ausbildung so nicht hat. „Wir können den Azubi über einen langen Zeitraum begleiten und sehen, wie er oder sie sich entwickelt.“ Das lasse sich sonst nach fünf Tagen Schnupperpraktikum schließlich nur schwer beurteilen.

    Die Firma Grob bietet die Einstiegsqualifizierung seit rund 22 Jahren an

    Darius Barota fand seinen Weg zu Grob durch genau so ein Schnupperpraktikum. „Die Atmosphäre war schön, die Kollegen alle freundlich“, erinnert er sich. Zu diesem Zeitpunkt war er noch in einer Berufsorientierungsmaßnahme. Schließlich bot man ihm bei Grob die Einstiegsqualifizierung an. Heute ist der 18-Jährige froh, sich für die Maßnahme entschieden zu haben. Zu Beginn seiner Ausbildung fielen ihm das frühe Aufstehen und die festen Arbeitszeiten noch schwer. Inzwischen hat er sich daran gewöhnt und leistet gute Arbeit, wie sein Ausbildungsleiter bestätigt.

    Für die Grob-Werke hat sich die EQ als Ausbildungsweg längst bewährt. Seit rund 22 Jahren bieten sie die Maßnahme an. „Jedoch abhängig von den jeweiligen Bewerbern und ohne ein festes jährliches Kontingent“, heißt es. Die Agentur für Arbeit bezuschusst jede EQ mit einer Praktikumsvergütung von 276 Euro im Monat. Bei Grob wird diese bis zur regulären Ausbildungsvergütung aufgestockt. „Dieser Zuschuss ist für uns nicht das Entscheidende“, sagt Jedelhauser. „Vielmehr bietet es die Möglichkeit, nach dem ersten Jahr entsprechend dem Leistungsstand für beide Seiten zielführend reagieren zu können.“ Gleichzeitig gehe es darum, jungen Menschen eine Chance zu geben. Sie nicht abzustempeln, weil sie keinen Schulabschluss oder Lücken im Lebenslauf, etwa aufgrund von gesundheitlichen und familiären Problemen, haben. Für Darius Barota stehen die Chancen derweil gut, im Herbst direkt in das zweite Lehrjahr starten zu können.

    Der Beruf in Kürze

    • Berufsbild: Industriemechaniker organisieren und kontrollieren Produktionsabläufe und sorgen dafür, dass Maschinen und Fertigungsanlagen betriebsbereit sind. Sie bauen Maschinen oder ganze Fertigungsanlagen, installieren und vernetzen sie und nehmen sie in Betrieb.
    • Voraussetzungen: Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis hat über die Hälfte der Auszubildenden einen mittleren Bildungsabschluss, 16 Prozent haben einen Hauptschulabschluss, 20 Prozent die Hochschulreife.
    • Ausbildungsvergütung pro Monat: Im ersten Ausbildungsjahr in der Industrie 1206 bis 1332 Euro, im zweiten 1259 bis 1366 Euro, im dritten zwischen 1337 und 1443 Euro und im vierten 1419 bis 1514 Euro.

    Alle Texte zur Lehrstellenoffensive finden Sie hier.

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