Sieben Jahre waren sie zusammen, der mutmaßliche Polizistenmörder Raimund M. (58) und seine über zwei Jahrzehnte jüngere Geliebte. Die 35-jährige Frau sagt, sie habe in all der Zeit nichts von einem kriminellen Doppelleben M.s gemerkt. Doch die Ermittler, die den Mord am Augsburger Polizeibeamten Mathias Vieth aufklären, glauben ihr nicht. Am Dienstag wurde die Frau verhaftet, seither ist sie in München im Gefängnis.
Damit sitzen im Zusammenhang mit dem Polizistenmord inzwischen vier Personen in Untersuchungshaft. Als Hauptverdächtige gelten nach wie vor der 58-jährige M. und Rudi R., sein zwei Jahre jüngerer Bruder. Sie wurden Ende Dezember bei einer groß angelegten Polizeiaktion verhaftet.
Zuvor hatten die Ermittler die Brüder über Wochen observiert und abgehört. Mitte Januar klickten bei M.s 31-jähriger Tochter die Handschellen. Bei ihr daheim im Keller lagen Kriegswaffen, darunter Kalaschnikow-Gewehre und Handgranaten. Offenbar diente der Keller den Brüdern als Versteck. Inzwischen hat die Tochter die Beamten noch zu einem Geldversteck in ihrer Wohnung geführt. Mehr als 30000 Euro Bargeld lagen dort.
Die Kripo glaubt, dass die Brüder gemeinsam auf Raubzug gingen
Auch M.s 35-jährige Geliebte war von Anfang an im Visier der Ermittler. Der Hintergrund: Die Kripo glaubt, dass Rudi R. und Raimund M. öfter gemeinsam auf Raubzügen waren. Offenbar planten sie auch am 28. Oktober vorigen Jahres einen Überfall in Augsburg, wurden aber von einer Polizeistreife gestört. Deshalb sollen sie mit einem Motorrad geflüchtet sein und das Feuer auf die Polizisten eröffnet haben. Der Beamte Mathias Vieth, 41 Jahre alt, Vater zweier Söhne, überlebte den Einsatz nicht. Die Kripo geht davon aus, dass die Frau von Plänen für einen Raub wusste und auch Waffenverstecke kannte, welche die Brüder eingerichtet hatten.
Er war Platzwart, sie kellnerte im Restaurant des Tenniclubs
M.s Geliebte stammt aus Rumänien und war in ihrer Heimat zu Besuch, als Raimund M. verhaftet wurde. Als sie Anfang Januar zurückkehrte, wurde sie am Flughafen in München von Polizisten empfangen. Die Studentin wurde befragt und musste eine Nacht in einer Zelle im Keller des Präsidium verbringen. Dann durfte sie wieder gehen, musste sich aber regelmäßig bei der Polizei melden. Vorige Woche wurde der Haftbefehl sogar ganz aufgehoben.
Jetzt kam die überraschende Kehrtwende. Die 35-jährige wurde am Dienstag erneut der Haftrichterin vorgeführt. Nun geht es um den Vorwurf der Geldwäsche. Die Ermittler vermuten, dass die Geliebte Geld aus Überfällen in ihre Eigentumswohnung in Augsburg und in ein Grundstück in Rumänien investiert hat. M., der mit einer städtischen Beamtin verheiratet ist, hatte die Frau im Friedberger Tennisclub kennengelernt. Er war dort als tüchtiger Platzwart geschätzt, sie jobbte im Clublokal. Johannes Siegmund, der Anwalt der Geliebten, will eine rasche Aufhebung des Haftbefehls erreichen. „Meine Mandantin widerspricht den Vorwürfen“, sagt er.
Gestern war der Polizistenmord auch zum dritten Mal Thema in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“. Gezeigt wurde dort ein Revolver der Marke „Smith&Wesson“. Die Waffe wurde im Jahr 2004 einem Wachmann abgenommen, als Räuber eine Werttransportfirma in Augsburg überfielen. Nun tauchte der Revolver wieder auf – in einem Versteck der verdächtigen Brüder. Womöglich sind die Brüder in eine Serie von ähnlichen Überfällen verwickelt.