In der Lobby des Augsburger „Grandhotels“ herrscht schon Hochbetrieb, obwohl der offizielle Eröffnungstermin noch lange nicht feststeht. Zwei Helfer tragen einen Hochdruckreiniger herein, die Mitarbeiterin der benachbarten Sozialstation ist mit einer Praktikantin zu Besuch. In einem ehemaligen Altersheim inmitten des Domviertels soll eine Mischung aus Flüchtlingsunterkunft und kreativer Begegnungsstätte entstehen.
Asylbewerber treffen auf vorübergehende Gäste
Zwischen 50 und 60 Asylbewerber sollen hier eines Tages leben, Tür an Tür mit rund 20 Künstlern und bis zu 40 vorübergehenden Gästen ohne Asyl. Verfasser des Konzepts sind Augsburger Kunstschaffende um Mitinitiator Sebastian Kochs. Die etwa zehnköpfige Gruppe will die Idee ehrenamtlich und in Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk umsetzen. Die Bewohner und Gäste sollen nicht nur nebeneinander leben. Die Flüchtlinge sollen sich und die Traditionen ihrer Heimatländer einbringen, sei es handwerklich, in der Gemeinschaftsküche oder bei einem Workshop-Angebot.
Im Moment weiß noch niemand, wie gut die Kooperation zwischen Asylbewerbern, Künstlern, Nachbarn und Behörden funktionieren wird – und ob es überhaupt dazu kommt. Die Chancen stehen jedoch gut, dass in Augsburg noch im Laufe dieses Jahres ganz besondere Gäste Einzug halten. Die Flüchtlinge, die einmal das „Grandhotel“ beziehen, könnten die ersten in Deutschland sein, die in einer Hotellobby empfangen werden.
Reaktion Gemeinschaftsunterkünfte
Das Projekt ist nicht zuletzt eine Reaktion auf die oft problematische Unterbringung von Flüchtlingen in großen Gemeinschaftsunterkünften. „Wir wollten schon länger weg von den Massenunterkünften mit ihrer Lagermentalität“, sagt der theologische Vorstand des Diakonischen Werks Augsburg, Fritz Graßmann. Da sei ein zufälliges Treffen mit den Kreativen genau richtig gekommen. „Die Kombination macht Sinn.“
Mit dem „Grandhotel“ betreten alle Beteiligten Neuland. Sie haben aber zumindest den Vorteil, nahezu überall Unterstützung zu bekommen. Von der Augsburger Stadtpolitik wird das Projekt fraktionsübergreifend geradezu überschwänglich begrüßt.
Genehmigungsverfahren läuft noch
Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) wollte sich vor Abschluss des Genehmigungsverfahrens allerdings noch nicht zum „Grandhotel“ äußern. Denn es gibt noch ein Problem: In dem Viertel ist eine „Gemeinschaftsunterkunft mit Ateliers und Gaststätte“ nicht zulässig. Das Diakonische Werk hat daher eine „Bauliche Änderung und Umnutzung“ beim Augsburger Bauordnungsamt beantragt. Von ausschlaggebender Bedeutung sei heißt es dort, ob die Nachbarn das Projekt akzeptierten. Das Verhältnis ist besser geworden, Diakonie und „Hoteliers“ haben gelernt, auf die Bedenken einzugehen. Zu den ersten Infoveranstaltungen kamen bis zu 100 Anwohner. dpa