In diesem Jahr wird es in Deutschland erstmals mehr als eine Million Leiharbeiter geben – und damit fünf Mal so viele wie 1997. Diese Form der Beschäftigung ist zu einem Massenphänomen geworden. Selbst ein Rekordzahlen schreibender Konzern wie BMW bedient sich in unverständlich hohem Maße zeitlich befristet Beschäftigter.
Der einst politisch gewollte Sinn von Leiharbeit wird dadurch konterkariert. Gedacht war das Mittel als Motivationshilfe für Firmen, Mitarbeiter auch in konjunkturell unsicheren Zeiten einzustellen. Hier hat sich Zeitarbeit auch bewährt. Doch das Instrument wird von manchen Arbeitgebern längst missbraucht, um reguläre Beschäftigung zu ersetzen und Kosten zu drücken, was aus Sicht der Firmen langfristig kontraproduktiv ist. In einer alternden Gesellschaft hängt die Zukunft von Betrieben davon ab, ob sie Fachkräfte an sich binden können. Um das zu erreichen, ist vor allem eines wichtig: Vertrauen. Doch der Einsatz von Leiharbeitern wie bei BMW lässt nur auf eines schließen: Misstrauen. Wenn die gesellschaftspolitische Fehlentwicklung anhält, muss der Gesetzgeber die Büchse der Freiheit, die er im guten Willen geöffnet hat, teilweise wieder schließen. Freiheit ist ein hohes Gut, ohne Gerechtigkeit tut sie aber selten gut.