Die geplante Neuregelung zur Organspende ist auf ein überwiegend positives Echo gestoßen. Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery sprach am Freitag von einer guten Nachricht für die rund 12.000 Menschen in Deutschland, die dringend auf ein Spenderorgan warten. Allerdings wurden auch Zweifel laut, ob die geplante Gesetzesregelung ausreicht, um die Zahl der Organspenden zu erhöhen.
Organspende: Regierung und Opposition einig
Die Fraktionen aller Bundestagsparteien hatten sich am Donnerstag auf eine Neuregelung der Organspende geeinigt. Danach werden alle Bürger künftig regelmäßig von ihren Krankenkassen per Post angeschrieben und aufgefordert, eine freiwillige Erklärung über Organspendebereitschaft abzugeben. Das erste Schreiben soll bereits in diesem Jahr versandt werden, möglichst mit der neuen elektronischen Gesundheitskarte.
Steinmeier hatte seiner Frau vor zwei Jahren eine Niere gespendet
SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier erwartet nun eine zügige Gesetzesregelung. "Wir wollen, dass die Menschen zu Lebzeiten entscheiden, ob sie Organspender sein wollen oder nicht", sagte Steinmeier in Berlin. Dies werde ohne Zwang, aber mit Nachdruck geschehen. Die geplante Neuregelung geht maßgeblich auf Steinmeier zurück, der seiner Frau vor zwei Jahren eine Niere gespendet hatte.
Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, sagte im ARD-"Morgenmagazin", künftig solle "penetranter" dafür geworben werden, dass sich Menschen für eine Organspende entscheiden.
Organspende: Nur ein Viertel der Deutschen hat einen Ausweis
Zahlen und Fakten zur Organspende
Im Jahr 2011 sind statistisch betrachtet in Deutschland auf eine Million Einwohner 14,7 Organspender gekommen. 2010 waren es noch 15,9.
Der Rückgang in Bayern ist von 15,3 (Jahr 2010) auf 15,0 (2011) nicht ganz so stark. In absoluten Werten bedeutet das für den Freistaat: Die Zahl der Organspender ist von 192 auf 189 im Jahr 2011 gesunken.
In ganz Deutschland wurde ein Rückgang von 1296 auf 1200 verzeichnet.
Gespendete Organe 3917 im Jahr 2011 statt 4205 (2010) – auf Deutschland bezogen. In Bayern ist die Zahl der gespendeten Organe trotz weniger Spender mit 628 konstant geblieben.
Im Freistaat wurden im vergangenen Jahr 630 Transplantationen durchgeführt. 2010 sind es noch 651 gewesen.
Von den 213 bayerischen Krankenhäusern sind sechs Universitätskliniken, 19 Häuser mit und 188 Krankenhäuser ohne Neurochirurgie.
Drei Viertel der Deutschen sind laut Umfragen zwar grundsätzlich bereit, ein Organ zu spenden. Aber nur ein Viertel hat bislang tatsächlich einen Organspendeausweis. Jedes Jahr sterben rund 1000 Schwerstkranke, weil kein passendes Spenderorgan zur Verfügung steht.
Ärztepräsident Montgomery betonte, die regelmäßige Abfrage der Spendebereitschaft allein sei aber "nicht ausreichend", um die Zahl der Organspenden zu erhöhen. Weitere Schritte müssten folgen, erklärte er in Berlin. Auch die Deutsche Hospiz bezweifelt, dass Werbung und mehr Druck etwas bringen.
Unionsfraktionschef Kauder: Zahl der Organspender wird steigen
Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) wies die Kritik zurück. Die Neuregelung dürfe "nicht durch polarisierende Diskussionen gefährdet werden", sagte er "Spiegel Online". Einen merklichen Anstieg von Transplantationen werde es zwar "nicht von heute auf morgen geben". "Aber in den nächsten fünf Jahren wird die Zahl der Organspender größer werden", sagte Kauder.
Perspektivisch soll die Bereitschaft zur Organspende auch auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden können. Technisch ist dies derzeit noch nicht möglich. Auch gibt es dagegen zum Teil datenschutzrechtliche Bedenken. Ein Vermerk auf der elektronischen Gesundheitskarte werde in jedem Fall nur auf ausdrücklichen Wunsch des Versicherten möglich sein, sagte die Gesundheitsexpertin der FDP-Bundestagsfraktion, Gabriele Molitor. Laut Gesundheitsministerium ist dies aber frühestens nach 2014 ein Thema.
Nach Angaben aus den Fraktionen soll der gemeinsame Gruppenantrag voraussichtlich im April in erster Lesung im Bundestag behandelt werden. Es wird angestrebt, die Gesetzesregelung noch im Sommer zu verabschieden.
Bahr fordert Transplantationsbeauftragten in jedem Krankenhaus
Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) will zugleich auch die Krankenhäuser stärker in die Pflicht nehmen. Laut einem Gesetzentwurf der Bundesregierung soll es künftig in jedem Krankenhaus einen Transplantationsbeauftragten geben. Ziel sei eine bessere Information der potenziellen Spender, sagte Bahr den "Ruhr Nachrichten" vom Freitag. afp