Die Herbstferien sind vorbei, tausende Kinder im Wittelsbacher Land gehen seit Montag wieder in die Schule. Was jahrelang normal klang, ist es 2020 nicht. Die Corona-Fallzahlen in Bayern und im Wittelsbacher Land sind weiter hoch, der "Lockdown light" gilt nach wie vor. Die Schulen im Landkreis bleiben, ebenso wie Kindergärten, zwar offen. Doch was gerade viele Eltern erleichtert, hat seinen Preis: Die Schüler müssen - unter anderem - eine Maske auf dem gesamten Schulgelände tragen, auch während des Unterrichts und auch an Grundschulen. Dagegen regt sich nun massiver Widerstand.
"Eltern stehen auf" heißt eine Bürgerinitiative, die deutschlandweit aktiv ist und sich - so steht es auf der Homepage - für "Freiheit, Recht und Selbstbestimmung der Kinder, Eltern, Familien und Menschen" einsetzt. Die Gruppierung organisiert sich vorwiegend über soziale Netzwerke und ist auch in Aichach und Umgebung aktiv. In welcher Form, machte sich bei einer Protestaktion Ende Oktober im Aichacher Stadtrat bemerkbar, noch deutlicher aber am vergangenen Freitag: Vor dem Landratsamt in Aichach demonstrierten rund 100 Menschen, darunter einige von "Eltern stehen auf", gegen die Versetzung von Gesundheitsamtsleiter Friedrich Pürner. Einige nahmen die Veranstaltung zum Anlass, auch die Abschaffung der Maskenpflicht im Unterricht zu fordern.
"Eltern stehen auf" demonstriert in Aichach gegen Maskenpflicht
Marion Hoyer-Brosch aus Inchenhofen zählt sich zu den Eltern, die "aufstehen". Sie ist Mutter zweier Schulkinder, zwölf und 14 Jahre alt. Seit in den Schulen die Maskenpflicht gelte, kämen sie häufig mit Kopfschmerzen nach Hause, seien außerdem "extrem müde". "Die legen sich dann zwei Stunden hin und schlafen. Das war davor nicht so." Neben gesundheitlichen Aspekten stört sich Hoyer-Brosch außerdem an Grundsätzlichem: "Es wirkt momentan so, als hätten Kinder keine Rechte mehr."
Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) gibt als Orientierungswert zur Tragedauer von Alltagsmasken zwei Stunden an - bei "mittelschwerer Arbeit". Kinder müssten die Maske in der Schule dagegen durchgehend tragen, klagt Hoyer-Brosch. Sie hege auch Zweifel daran, dass Masken überhaupt etwas bewirkten. Sie halte die Maßnahmen in den Schulen deshalb für "unverhältnismäßig" und "hysterisch". Im Gespräch mit unserer Redaktion äußern sich mehrere Mütter von "Eltern stehen auf" so oder so ähnlich. Namentlich genannt werden wollen die meisten nicht. Oft ist die Rede von gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Kinder; von Schulleitern, die Atteste nicht akzeptieren würden; von Kindern, die von Mitschülern diskriminiert würden, weil sie keine Maske tragen wollten.
Corona-Skeptikerin verkauft online selbst Alltagsmasken
Vergleichbare Ereignisse wurden jüngst in einer Rund-E-Mail geschildert. Das Dokument zeigt jedoch auch, dass Gruppierungen corona-skeptischer Eltern nicht immer ohne Widersprüche auskommen. Es ist gezeichnet "von sehr vielen besorgten Eltern in ganz Bayern und darüber hinaus", im Raum Aichach wird es aber unter anderem von einer Frau aus dem südlichen Landkreis verbreitet. Sie ist selbstständig und betreibt einen Onlineshop. Dort zum Verkauf: Masken in sämtlichen Variationen. Neben Exemplaren für Erwachsene und Kinder gibt es auch eine "Gesichtsmaske zur Einschulung" und "Gesichtsmasken für Schüler". Wie passt das zusammen?
Die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, demonstrierte am Freitag ebenfalls gegen die Versetzung von Gesundheitsamtsleiter Pürner. Dort erklärte sie im Gespräch mit unserer Redaktion, mit ihrem Angebot habe sie zu Beginn der Corona-Pandemie auf den steigenden Bedarf an Masken reagiert. Außerdem habe sie Kinder damit spielerisch an das Thema "Maske" heranführen wollen. Inzwischen habe sie die Masken jedoch aus ihrem Onlineshop entfernt. Am Montagabend, 18 Uhr, standen alle Masken noch online zum Verkauf.
Kinderarzt: Maskentragen hinterlässt keine körperlichen Schäden
Doch wie wirkt sich nun die Maskenpflicht im Unterricht auf Kinder aus? Ist das Tragen von Masken tatsächlich schädlich? Fragen, die Lothar Zimmermann in den vergangenen Wochen immer häufiger hört. Er ist Kinderarzt in Aichach. Die Antwort, die er besorgten Eltern gebe, sei immer die gleiche: "Körperlich schadet die Alltagsmaske den Kindern nicht." Zimmermann betont, die Maske könne für Kinder durchaus eine psychische Belastung sein:"Für manche mehr, für manche weniger. Da geht es aber um das persönliche Empfinden, nicht um tatsächlichen körperlichen Schaden." Nach Auskunft von Zimmermann sei unter anderem widerlegt, dass der Sauerstoffgehalt im Blut durch Tragen einer Alltagsmaske sinke - eine Behauptung, die unter anderem in dem Rundschreiben aufgestellt wird.
Dass die vielen Schilderungen besorgter Eltern der Wahrheit entsprächen, sei gut möglich, sagt Zimmermann. "Aber das sind Einzelbeobachtungen. Daraus kann man nicht die allgemein gültige Regel ableiten, dass keine Maske aufgesetzt werden sollte." Bekomme ein Kind im Unterricht dennoch Probleme, sollten Lehrer entsprechend reagieren. Er gehe nicht davon aus, dass das Tragen von Alltagsmasken langfristige Schäden bei den Kindern hinterlasse. Zimmermann: "Die Eltern müssen sich keine Sorgen machen, wenn die Kinder in der Schule eine Maske tragen müssen."
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