Zu Beginn des Jahres 2020 häuften sich die Meldungen über die Corona-Pandemie. Damit war sehr schnell den meisten Menschen bewusst, dass dieses Thema unser Leben nicht nur für einen kurzen Zeitraum geradezu dramatisch beeinträchtigen würde. Auch Franz Xaver Ziegler machte sich damals so seine Gedanken. Der Bürgermeister der Gemeinde Hollenbach konnte sich vorstellen, dass nun der enorme Bauboom einen Dämpfer erhalten würde, dass sich das Geschehen im privaten Wohnungsbau beruhigen könnte. Schließlich hätten sich ja die beruflichen Aussichten für viele Bürgerinnen und Bürger verschlechtert, was nicht gerade als gute Basis für Häuslebauer gilt. Im August 2021 muss Ziegler einräumen: Er hatte sich getäuscht. Denn der Run auf Bauplätze in seiner Kommune hat keineswegs nachgelassen.
"Die Verfügbarkeit der Grundstücke ist nicht da", stellte der Gemeindechef bedauernd fest. Viele landwirtschaftliche Betriebe gibt es nicht mehr in Motzenhofen, Mainbach, dem Hauptort Hollenbach, Schönbach und Igenhausen. In so mancher Hofstelle wäre genügend Platz, um dort ein neues Gebäude ansiedeln zu können. Doch da müssten erst die Besitzer der Grundstücke mitspielen.
50 Bewerbungen für neun Bauplätze in Schönbach
Wie sich die Interessenten auf neue Bauplätze gerade stürzen, das zeigte sich zuletzt beispielhaft am Baugebiet "Am Herschbach" in Schönbach. Der Verkauf von neun Flächen an Bauwillige steht vor der notariellen Beurkundung. Und wie viele Leute hätten hier gerne auf Dauer gewohnt? Ziegler klärt auf: "Wir hatten 50 Bewerber."
Die Hälfte davon fiel unter die Kategorie Einheimische. Das heißt konkret: Diese Leute leben mindestens seit fünf Jahren im Gemeindegebiet Hollenbach.
Im Gebiet nördlich der Hirschbacher Straße in Igenhausen entsteht gerade ein weiteres Baugebiet. Acht Häuser werden dort entstehen, bei idealem Verlauf des Verfahrens und der Arbeiten könnte vielleicht bereits Ende 2022 das erste Gebäude bezogen werden. In Hollenbach-West wachsen nicht weniger als 27 Häuser aus dem Boden. In zwei Fällen mussten Käufer die Plätze zurückgeben, weil sie die Vorschriften des Bauzwanges nicht einhielten. Diese Areale haben längst neue Besitzer gefunden.
In Motzenhofen gibt es vier Bauplätze im kleinen Baugebiet "Am Oberfeld". In Mainbach wird, wie Ziegler berichtet, demnächst ein schon seit Langem bestehender Bebauungsplan aktiviert: Im Baugebiet "Mainbach-Süd" entstehen vier Bauplätze, die privat vermarktet werden.
Viele junge Leute wollen bauen - wegen Nähe zu Augsburg?
Der Bürgermeister kann im Grunde genommen nur staunen über die vielen Anfragen von Leuten - einheimischen wie auswärtigen -, die in seiner Kommune ein Dach über den Kopf suchen. Dann nennt er einen Aspekt, der in dem Zusammenhang gewiss zu beachten ist: "Wir haben gerade viele junge Leute in einem Alter, in dem man bauen möchte." Ob die Nähe zu Augsburg dazu führt, dass zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nun in der Gemeinde Hollenbach leben wollen, vermag Ziegler nicht schlüssig zu beantworten. Ebenso reagiert er auf die Frage, ob die Uniklinik verstärkt zu einer Ansiedlung im Wittelsbacher Land beiträgt.
Vielmehr kommt der Bürgermeister noch einmal auf Corona zu sprechen. In einer Zeit, die geprägt war und ist von zahlreichen Einschränkungen, hätten die Leute erkannt, dass ein Leben im Grünen viele Vorteile hat. Die Gemeinde trägt ihren Teil dazu bei, indem sie nun die Größe der angebotenen Grundstücke reduziert. In Igenhausen etwa kann man sich bereits auf 525 Quadratmeter ansiedeln. "Das ist ein Novum für uns", so der Bürgermeister. Und das entspricht den Vorstellungen vieler Bauwerber, die damit weniger Geld für das Grundstück brauchen und später nicht so viel Zeit in die Gartenarbeit investieren müssen.
Gemeinde Hollenbach will sozialverträglich wachsen
Bei einer Klausur hat sich der Gemeinderat intensiv Gedanken darüber gemacht, wie man künftig mit dem Thema Bauland umgehen sollte. Diese Gemeinde will auch künftig wachsen, aber sozialverträglich, mit Maß und Ziel, also nicht um jeden Preis. Schon allein deshalb, weil sonst möglicherweise das Kinderhaus, das gerade im großen Stil erweitert wird, schon wieder zu klein sein könnte.
Infrastruktur der Gemeinde Hollenbach
Einwohnerentwicklung
Ende letzten Jahres lebten in der Gemeinde 1267 männliche Bewohner und 1170 weibliche, insgesamt also 2437. Seit einigen Jahren steigt diese Zahl kontinuierlich an. 2012 lag die Zahl letztmalig unter 2300, damals zählte man 2297 Einwohner.
Baulandpreise
Den jüngsten Bodenrichtwerten zufolge bewegt sich die Spanne zwischen 180 und 250 Euro pro Quadratmeter; der rechnerische Schnitt wurde mit 214 Euro errechnet. Zum Vergleich: Acht Jahre zuvor war davon die Rede, dass im Hauptort Hollenbach der Preis von 80 auf 110 Euro gestiegen sei.
Verkehrsanbindung
Die Orte Motzenhofen und Mainbach sind über die Staatsstraße 2047 zu erreichen. Die Orten Igenhausen, Schönbach, Hollenbach und Motzenhofen sind durch die Kreisstraße AIC4 verbunden. Innerhalb weniger Minuten ist sowohl die Autobahn München-Stuttgart wie auch der Flugplatz in Affing-Mühlhausen zu erreichen.
Kinderbetreuung und Bildung
Die Kindertagesstätte St. Ulrich gleich neben der Gemeindeverwaltung wird gerade im großen Stil erweitert. In gut einem Jahr soll das Vorhaben abgeschlossen sein. Im Pfarrheim in Hollenbach sind eine Eltern-Kind-Gruppe und eine Maxigruppe untergebracht. Nicht weit davon entfernt ist die Grund- und Mittelschule angesiedelt.
Medizinische Betreuung
Im Ortsteil Schönbach bietet eine Heilpraktikerin ihre Dienste an. Ansonsten führt der Weg in andere Kommunen, beispielsweise nach Affing und vor allem nach Aichach.
Nahversorgung
Im Ortskern von Hollenbach haben eine Bäckerei und ein Getränkemarkt geöffnet, am östlichen Ortsrand dazu eine Metzgerei. Deutlich verbessert wurde das Angebot durch den Edeka-Markt, der vor einem Jahr in Motzenhofen in Betrieb ging.
Internet
Die Gemeinde Hollenbach nimmt teil am Förderprogramm „Bayerische Gigabitrichtlinie“. Auf diese Weise soll ein flächendeckendes Glasfasernetz in der Kommune geschaffen werden. Zwei Förderprogramme hat Hollenbach auf dem Gebiet bereits durchlaufen, allerdings ohne Glasfaseranschlüsse. (jeb)
In den nächsten Jahren soll in den Ortskernen gebaut werden, durchaus auch Einfamilienhäuser, die heute in die Diskussion geraten sind. Franz Xaver Ziegler kann sich nicht vorstellen, dass sich das so schnell ändern wird: "Die Leute sind es gewohnt, ein Einfamilienhaus zu haben." Daneben werden wohl weitere Baugebiete ausgewiesen werden. Die Nachfrage nach Grundstücken nennt er "Wahnsinn", und das gleiche Wort nimmt er in den Mund, wenn er auf die Entwicklung der Baukosten zu sprechen kommt. Hier spielen natürlich die Zinsen eine bedeutende Rolle. Die haben zur Folge, dass die monatliche Belastung für Häuslebauer bisweilen nicht viel höher ausfällt als für Mieter.