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Bahn-Unglück

15.11.2019

Zugunglück in Aichach: Sohn eines Opfers kämpft jetzt mit einer Petition

Bei dem Zugunglück in Aichach kamen zwei Menschen ums Leben. Der Sohn einer getöteten Passagierin kämpft seitdem für Verbesserungen bei der Bahn.
Bild: Erich Echter (Archiv)

Der Sohn einer getöteten Passagierin kämpft seit dem Unfall in Aichach für Verbesserungen bei der Bahn. Jetzt hat er eine Petition im Bundestag eingereicht.

Der seelische Schmerz war bei Daniel Scheerer noch ganz akut. Fünf Tage nach dem Aichacher Zugunglück am 7. Mai 2018 fand eine Trauerfeier für die Opfer statt. Danach hörte der Sohn der 73-Jährigen, die bei dem Aufprall eines Personenzuges auf einen Güterzug ums Leben gekommen war, ein Interview mit einem Bahnsprecher. Er schwor sich damals, „nicht mehr zu ruhen, bis alle Stellwerke und Bahnübergänge auf dem technisch neuesten Sicherheitsstand sind“.

Mit einer Aussage des Bahnsprechers will sich der 52-Jährige bis heute nicht zufriedengeben. Dieser hatte betont, wie sich Scheerer erinnert, dass die Anlage in Aichach „für den sicheren Bahnbetrieb“ zugelassen sei. Scheerer schloss daraus, dass die Bahn „keine anderen Konsequenzen für erforderlich hält“ als die strafrechtliche Verfolgung des Fahrdienstleiters. Wie berichtet, erhielt dieser eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und Gefährdung des Bahnverkehrs. Der 24-Jährige hatte die Einfahrt des Personenzuges in den Aichacher Bahnhof auf Gleis zwei freigegeben, obwohl dort bereits ein Güterzug stand. Bei dem Aufprall starb Scheerers Mutter ebenso wie der 37-jährige Zugführer. 13 Menschen wurden verletzt.

Die Umrüstung bei der Bahn reicht Scheerer nicht

Scheerer ist der Ansicht: Die einzige Konsequenz habe der bedauernswerte Fahrdienstleiter tragen müssen „wegen eines kleinen menschlichen Fehlers, dessen tödliche Konsequenz technische Sicherheitsmaßnahmen hätten verhindern müssen“. Er forderte von Anfang an Konsequenzen von der Deutschen Bahn. Die kündigte im Juli 2018 an, 600 alte mechanische Stellwerke mit elektronischen Warnanlagen nachzurüsten. Dafür wird derzeit laut einem Sprecher die europaweite Ausschreibung vorbereitet. Die Umrüstung wertete Scheerer als positives Zeichen. Doch sie reicht ihm nicht.

Zugunglück in Aichach: Sohn eines Opfers kämpft jetzt mit einer Petition

Der 52-Jährige hat nun eine Online-Petition an den Bundestag eingereicht. Darin fordert er, die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung von 1967 „nach dem Stand der Technik neu zu fassen“. Denn diese erlaube bis heute mechanische Stellwerke aus der Nachkriegszeit. Folgenschwere Unfälle auf eingleisigen Strecken häuften sich deshalb. Unter anderem setzt sich Scheerer in der Petition auch für gemeinnützige Organisationsformen bei der Bahn ein. Er argumentiert: Diese müsse als Aktiengesellschaft betriebswirtschaftlichen Grundsätzen folgen.

Petition nach Aichacher Zugunglück braucht 55.000 Unterschriften

Ein Bahnsprecher weist die Forderung zurück. Er spricht von sinkenden Unfallzahlen und betont, das Eisenbahn-Bundesamt habe sich als unabhängige Kontrollinstanz absolut bewährt. Dagegen hätten zu Bundesbahnzeiten sicherheitsrelevante Prüfungen noch unter einem Dach stattgefunden. Im übrigen entwickle die Bahn ihre Sicherheitsstandards und Abläufe stetig fort.

Etwa 240 Einsatzkräfte waren beim Zugunglück am Aichacher Bahnhof im Einsatz.
Bild: Archivfoto: Claudia Bammer

Scheerer hofft derweil auf möglichst viele Unterzeichner seiner Petition, die ab Dezember läuft. Mit 55.000 Unterschriften dürfte er vor dem Petitionsausschuss sprechen. „Sie wären eine Überraschung, aber ich hoffe (noch)“, schreibt er auf Twitter.

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18.11.2019

In einem Bahnhof mit zwei (!!) Gleisen keine ordnungsgemäße Fahrwegprüfung zu machen, ist schon deutlich mehr als ein lässlicher menschlicher Fehler, der jedem ´mal passieren kann. Hieraus völlig unverhältnismäßige Forderungen abzuleiten, ist zwar aus der Sicht eines Betroffenen verständlich, es ist aber abzulehnen. Zu Ende gedacht hieße das die Totalautomatisierung der Bahn nach SIL 4 - und damit ist der Verkehrsträger am Ende, nicht mehr konkurrenzfähig gegenüber dem MIV, dessen Sicherheitsniveau von dem jetzigen der Bahn Lichtjahre entfernt ist.

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25.11.2019

1. Was im Rest Westeuropas Standard ist, kann für Deutschland nicht unverhältnismäßig sein.
2. Mit der Konkurrenzfähigkeit der Bahn gegenüber dem MIV gebe ich ihnen Recht, solange der MIV steuerfinanzierte Straßen kostenlos nutzen kann, während die Bahn die Instandhaltung ihrer Infrastruktur nach betriebswirtschaftlichen Regeln durch Einnahmen aus Nutzungsgebühren erwirtschaften muss. Daher meine Forderung den Betrieb des Netzes gemeinnützig zu organisieren.

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