„Komm, das machen wir!“ scheint das Motto der 23-jährigen Verena Braunmüller aus Schönleiten (Gemeinde Petersdorf) zu sein. 2017 spendete sie ihre Haare zur Perückenherstellung. Im März 2019 folgte dann eine Stammzellenspende für einen Krebspatienten. Dabei inspirierte sie nicht nur Freunde und Familie, sondern auch viele Menschen in ihrer Gemeinde und Umgebung. Mit einem Benefiznachmittag organisierte sie über 8000 Euro an Spendengeldern für Blutkrebspatienten und fast 100 Typisierungen.
Inzwischen sind die braunen Haare wieder knapp schulterlang. Auch von der Spende hat sich Braunmüller wieder vollständig erholt. „Ich würde es auf jeden Fall wieder machen“, antwortet Braunmüller auf die Frage, ob sie erneut Stammzellen spenden würde. Es ist nicht das erste Mal, dass sie sie gestellt bekommt. Vor diesem Interview hatte sie die DKMS an die Berufsschule in Augsburg begleitet. Es ging darum, Werbung für eine Typisierungsaktion im März zu machen. Bei diesen Aktionen sammelt die DKMS regelmäßig viele neue Spender ein. Als ehemalige Spenderin nimmt die junge Frau den Schülern die Angst und klärt über Falschinformationen auf.
Verena Braunmüller will die Angst vor einer Stammzellenspende nehmen
Diese seien weit verbreitet, erzählt sie. Viele wüssten gar nicht, dass es für die Stammzellspende zwei Varianten gibt. Die Zellen werden entweder aus dem peripheren Blut oder durch Punktion des Beckenkamms entnommen. Bei der peripheren Entnahme wird vier Tage vorab die Zahl der Stammzellen im Blut durch Medikamente erhöht. Anschließend werden die Zellen mittels eines speziellen Verfahrens, der Stammzellapherese, aus dem Blut gewonnen.
In wenigen Fällen entscheiden sich die Ärzte für die zweite Methode. Dabei wird unter Vollnarkose Knochenmarksblut per Punktionsnadel abgesaugt. Dieses bildet sich in wenigen Wochen wieder nach. Das größte Risiko dabei ist die Narkose, die zur Vermeidung von Schmerzen nötig ist. „Oft wird Rückenmark und Knochenmark verwechselt“, klärt Braunmüller auf. Mit der Wirbelsäule habe die Spende aber nichts zu tun. Ihre eigene Spende wurde auch operativ durchgeführt. „Wenn es jemanden aus der eigenen Familie träfe, würde man sich sofort typisieren lassen“, so die 23-Jährige.
Verena Braunmüller aus Schönleiten organisiert Benefiznachmittage
Am 4. November 2019, etwa ein halbes Jahr nach ihrer Spende erhielt sie einen Brief und erfuhr, dass der Patient durch ihre Hilfe überlebt hat. Es sei ein „so tolles Gefühl gewesen“.
Wie sich durch eine Knochenmarkspende Leben retten lässt
Knochenmarkspenderdatei: In Deutschland gibt es 27 Knochenmarkspenderdateien. Die bekannteste ist die DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei). Über das zentrale Knochenmarkspenderregister Deutschland (ZKRD) werden die Merkmale aller registrierten Spender gespeichert und sind weltweit anonym abrufbar.
DKMS: Sie wurde 1991 gegründet, um der leukämiekranken Mechtild Harf zu helfen. Ihr Ehemann Peter Harf, ihre Töchter und Freunde der Familie starteten damals Registrierungsaktionen, damit sie einen passenden Spender findet. 1991 waren in ganz Deutschland nur 3000 Menschen als Stammzellspender registriert. Heute ist die DKMS nach eigenen Angaben der weltweit größte Verbund von Stammzellenspenderdateien.
Spender: Bei der DKMS Deutschland sind derzeit über sechs Millionen Spender registriert. Im Schnitt wird von 100 Menschen, die sich registrieren lassen, einer tatsächlich gebeten, Knochenmark zu spenden. 2017 verzeichnete die DKMS in Deutschland mehr als 5000 Stammzellen- oder Knochenmark-Spenden. Allerdings sucht auch jeder zehnte Patient vergeblich einen passenden Spender.
Typisierung: Jeder gesunde Mensch zwischen 17 und 55 Jahren kann sich als Spender registrieren lassen – online und kostenlos. Man bekommt ein Wattestäbchen-Set nach Hause geschickt, macht einen Wangenabstrich, der dann im Labor auf Gewebemerkmale untersucht wird, sogenannte HLA-Merkmale. Damit ein Empfänger die Spende verträgt, sollten neun von zehn HLA-Merkmale von Spender und Empfänger zusammenpassen. Die Ergebnisse werden anonym gespeichert.
Weitere Informationen und das Spendenkonto finden Sie unter www.dkms.de
Kurz darauf erfuhr die Schönleitnerin von Lisa, einer Leukämiepatientin aus Pöttmes. „Ich hatte irgendwie das Bedürfnis, dass ich etwas in Bewegung setze“, erinnert sie sich. Mit Hilfe der DKMS organisierte sie am 29. Dezember dann den Benefiznachmittag im Axtbrunner Schützenheim, dessen Pächterin ihre Mutter Andrea ist. „Es war ein total aufregender Tag!“ 8258 Euro an Geldspenden und 80 Typisierungen waren das Ergebnis. Das überraschte selbst die Organisatoren. Die Vertreter vieler Vereine hatten mitgeholfen. „Alle haben mitgezogen“, sagt Braunmüller.
So hilft eine Stammzellenspende Blutkrebspatienten
Krankheitsbild: Bei einer Leukämie vermehren sich mutierte weiße Blutkörperchen im Körper. Dadurch kann der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden und sich auch nicht mehr gegen Infektionen verteidigen.
Behandlung: Die effektivste Methode, leukämische Zellen abzutöten, ist eine Chemotherapie. Allerdings schädigt diese die verbleibenden blutproduzierenden Zellen im Knochenmark. Eine Stammzellenspende ist die einzige Möglichkeit, um diese Zellen zu ersetzen.
Der passende Spender: Nur ein Drittel der Erkrankten findet einen passenden Spender innerhalb der Familie. Stimmen die Gewebemerkmale des Spenders mit denen des Patienten nicht zu 100 Prozent überein, ist eine Spende nicht möglich.
DKMS: Um für Blutkrebspatienten einen passenden Spender zu finden, wurde die DKMS ins Leben gerufen. Ehemalig hieß die Organisation Deutsche Knochenmarkspenderdatei. Inzwischen agiert sie in sechs verschiedenen Ländern und ist nur noch unter DKMS bekannt. (mmz)
Info: Wer sich ebenfalls bei der DKMS aufnehmen lassen möchte, findet unter www.dkms.de Informationen zur Registrierung und zur Stammzellspende.
Den Erlebnisbericht von der Stammzellenspende eines jungen Mannes aus der Region finden Sie hier: So erlebte ein junger Mann aus Aichach-Friedberg die Stammzellenspende
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