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Diese Maschine bringt Blumen zurück auf die Wiesen

Aichach-Friedberg

Diese Maschine bringt Blumen zurück auf die Wiesen

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    Mit dem "eBeetle" können Gerhard Süßmair und Landschaftspflegerin Angela Rieblinger Blumensamen von viel bewachsenen Wiesen einsammeln und anschließend auf kargen Wiesen ausbringen.
    Mit dem "eBeetle" können Gerhard Süßmair und Landschaftspflegerin Angela Rieblinger Blumensamen von viel bewachsenen Wiesen einsammeln und anschließend auf kargen Wiesen ausbringen. Foto: Tim Graser

    Ein leises Summen ertönt, wenn Gerhard Süßmair seine Maschine einschaltet. Ein kurzer Druck auf den Einschaltknopf, ein sanftes Drehen am Drehzahlregler und der „eBeetle“ beginnt damit, über die Wiese zu bürsten. Elektro-Käfer wäre ein deutscher Name für das Gerät, das im Wittelsbacher Land immer öfter zum Einsatz kommt, damit es wieder mehr blüht auf den hiesigen Wiesen und Feldern.

    Die Wiese im Aichacher Ortsteil Griesbeckerzell, auf der Süßmair an diesem heißen Frühlingsvormittag zusammen mit Landschaftspflegerin Angela Rieblinger unterwegs ist, soll eigentlich eine Vorzeigewiese sein, eine „Spenderwiese“, wie Rieblinger sie nennt. Von solchen Flächen sammelt der Landschaftspflegeverband Aichach-Friedberg (LPV) nämlich Saatgut von Kräutern oder Blumen wie Margeriten oder Wilden Möhren ein und bringt es ein Jahr später auf kargeren Wiesen in der Nähe aus – damit es auch dort wieder blüht. Das sieht zum einen hübsch aus, zum anderen – und darauf kommt es an – können Insekten wie Schmetterlinge oder Wildbienen so ihren Lebensraum behalten.

    Der „eBeetle“ sammelt Saatgut von Blumen und Kräutern ein

    Weil aber nicht jeder Samen einzeln von Hand gepflückt werden kann, ist Gerhard Süßmair mit seinem „eBeetle“ dabei. Er gehört zwar nicht zum Landschaftspflegeverband, verrichtet die Arbeit auf dieser wie auf anderen Wiesen allerdings als Dienstleister im Auftrag des Verbandes. Sein „eBeetle“ ähnelt einem großen Fahrradanhänger, nur mit einem Griff statt einer Anhängerkupplung, an dem Süßmair sein Gerät langsam über das Gras, über die Kräuter und die Blumen schiebt. Eine rotierende Bürste am unteren Ende löst dann die Samen aus den kleineren Pflanzen und befördert sie in eine kleine Auffangwanne.

    Aktuell ist aber auch auf dieser „Spenderwiese“ nicht viel zu holen für die Maschine. Besonders die Margeriten sollten zu dieser Jahreszeit eigentlich in strahlendem Weiß erblühen. Der sandige Boden ist aber knochentrocken und die Margeritenblüten sind teilweise welk. „Ich hatte eigentlich gehofft, dass es bis jetzt noch einmal richtig regnet, aber das blieb leider aus“, seufzt die Landschaftspflegerin.

    Nicht nur die Trockenheit ist ein Problem. Bundesweit gibt es immer weniger solcher artenreichen Blühwiesen. Laut Bundesumweltamt sind diese blütenreichen Flächen im vergangenen Jahrhundert um ganze 98 Prozent zurückgegangen. Im Landkreis Aichach-Friedberg existieren nur noch 78 Hektar davon – weniger als ein Prozent vom gesamten Grünland im Landkreis.

    Um dieses Ungleichgewicht wieder ein wenig auszugleichen, ist der Landschaftspflegeverband Aichach-Friedberg, der dieses Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiern kann, seit 2020 dabei, die Wiesen im Wittelsbacher Land erblühen zu lassen. Zunächst ging es vor allem um eine Bestandsaufnahme. Rieblinger und eine Kollegin vom LPV erfassten, wo es noch solche Blühwiesen gibt und wo man Saatgut entnehmen könnte. Erst seit 2023 kommt für die praktische Umsetzung der „eBeetle“ zum Einsatz.

    „Das Projekt läuft bis 2028“, sagt Angela Rieblinger. „Ziel ist es, dass wir zehn Wiesen pro Jahr aufwerten.“ Bis zum Ende des Projekts sollen es auf insgesamt 40 Wiesen im ganzen Landkreis wieder blühen und sprießen und infolgedessen auch summen und brummen. Und auch wenn die eigentliche Vorzeigewiese bei diesen heißen Frühlingstemperaturen an ihre Grenzen kommt, ist Rieblinger guter Dinge, dass dieses Ziel auch erreicht werden kann.

    Ohne Blühwiesen könnten viele Insekten aussterben

    „Das Glück dieses Landkreises ist, dass wir solche Spenderflächen überhaupt haben.“ Denn damit das Verfahren klappt, müssen Spender- und Empfängerwiese zueinanderpassen, idealerweise nicht weit voneinander entfernt liegen. „Ich kann keine Samen aus dem Lechtal einsammeln und hier ausbringen“, so Rieblinger. „Auf die Zusammensetzung des Saatgutes kommt es an.“

    Wirklich bemerkbar machen wird sich das Projekt „Artenreiches Grünland im Wittelsbacher Land“, das mit EU-Geldern und einem Fördertopf der Regierung von Schwaben finanziert wird, ohnehin erst allmählich. Die Landschaftspfleger bringen ihr Blühwiesen-Saatgut auf den kargen Wiesen in kurzen Streifen aus, quer zur Mährichtung, so dass der Landwirt, der die Wiese bewirtschaftet, die Samen beim Mähen so weit wie möglich verteilt.

    Schon jetzt allerdings freut sich Angela Rieblinger, wenn sie von Freunden darauf angesprochen wird, an welch schöner Blumenwiese sie doch letztens wieder vorbeigeradelt sind und dann merkt: „Ach ja, das ist ja eine unserer Blühwiesen aus dem Projekt. Umso schöner, wenn der Landkreis dadurch auch wieder ein paar bunte Flecken bekommt.“

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