Startseite
Icon Pfeil nach unten
Aichach
Icon Pfeil nach unten

Grüne setzen bei Landratswahl auf eine Frau: Müllegger-Steiger einstimmig nominiert

Aichach-Friedberg

Entscheidung ist gefallen: Die Grünen im Landkreis nominieren eine Landratskandidatin

  • |
  • |
  • |
  • |
    Die 48-jährige Realschullehrerin Katrin Müllegger-Steiger kandidiert für die Grünen bei der Landratswahl im nächsten Jahr. Katrin Müllegger-Steiger tritt als Landratskandidatin der Grünen an.
    Die 48-jährige Realschullehrerin Katrin Müllegger-Steiger kandidiert für die Grünen bei der Landratswahl im nächsten Jahr. Katrin Müllegger-Steiger tritt als Landratskandidatin der Grünen an. Foto: Carmen Jung

    Die Grünen sind die Ersten im Landkreis Aichach-Friedberg, die ihre Wahl für die Landratskandidatur getroffen haben. Am Dienstag präsentierte der Kreisverband (aktuell 218 Mitglieder) in Aichach mit Katrin Müllegger-Steiger nicht nur eine Kandidatin, sondern nominierte sie auch gleich. Die Mitglieder schickten die 48-Jährige aus Kissing mit einem starken Votum ins Rennen. Zuvor hatte die stellvertretende Landrätin klargemacht, dass ihre Kandidatur beileibe „kein spontaner Einfall“ ist, sondern „das Ergebnis vieler Jahre politischer Arbeit“.

    Mit Müllegger-Steiger setzen die Landkreis-Grünen auf eine erfahrene Kommunalpolitikerin, die sich seit über 25 Jahren in ihrer Partei engagiert. Schon als 18-Jährige schaffte sie den Sprung in den Friedberger Stadtrat. Heute sitzt sie im Kissinger Gemeinderat, ist seit 2002 im Kreistag vertreten und fungiert seit 2020 als Landratsstellvertreterin. „Diese Erfahrung möchte ich nun als Landrätin einbringen“, sagte Müllegger-Steiger.

    Müllegger-Steiger ist Realschullehrerin und Mutter

    Die Realschullehrerin und Mutter dreier Kinder, von denen zwei bereits studieren, weiß, worauf sie sich einlässt. Das stellte sie bei ihrer Bewerbungsrede im BCA-Clubheim, der Pizzeria Roma, vor knapp 30 Interessierten gleich zu Beginn heraus. Politik bedeute „Durchhaltevermögen, Kompromissfähigkeit und manchmal auch einen langen Atem“. Sie habe aber gelernt, wer dranbleibe, zuhöre und Menschen mitnehme, könne etwas bewegen.

    Die 48-Jährige hat zwei persönliche Schwerpunkte für ihre Politik: Sie will mehr Frauen dafür gewinnen, um ihren Blick für soziale Gerechtigkeit oder pragmatische Lösungen im Alltag in Kommunalparlamente einbringen zu können. Sie selbst hat häufig die Erfahrung gemacht, dass Frauen mehr leisten müssten, schneller unterbrochen und öfter hinterfragt würden. Müllegger-Steiger hat sich davon nicht entmutigen lassen. Sie hat womöglich genau deshalb weitergemacht und möchte Mädchen und jungen Frauen zeigen: „Es lohnt sich, sich einzumischen.“

    Der zweite Schwerpunkt, der sie antreibt, ist das Thema Nachhaltigkeit. Dafür habe sie sich schon eingesetzt, lange bevor der Klimaschutz in aller Munde gewesen sei, sagte sie und kündigte an, als Landrätin Nachhaltigkeit zum Leitbild ihres Handelns zu machen. Bei der Energie etwa will sie die Region unabhängiger von fossilen Brennstoffen sehen, und bei der Mobilität Busse und Bahnen als echte Alternative verankern. Landwirte sollen unterstützt werden, wenn sie regional und ökologisch produzieren. Unter Nachhaltigkeit versteht die Pädagogin aber auch soziale Verantwortung.

    Die Grünen wollen „für die Demokratie kämpfen“

    Müllegger-Steiger betonte: „Ich weiß, dass man große Ziele nur erreicht, wenn man sie Schritt für Schritt angeht – konsequent, beharrlich, mit klarer Haltung.“ Dazu gehört für sie der Mut zu unbequemen Entscheidungen, „nah bei den Menschen“ zu sein und unterschiedliche Interessen zusammenzubringen. Einfach Antworten jedenfalls verspreche sie nicht.

    Der Beifall zeugte davon, dass ihre Bewerbungsrede ankam. Gefragt nach persönlichen politischen Erfolgen, verwies Müllegger-Steiger auf gemeinsames Engagement. In der Politik sei man nie Einzelkämpfer. Oft würden grüne Ideen geklaut. Doch die Freiwilligenagentur und der Fair-Trade-Landkreis gingen eindeutig auf ihre Partei zurück. Das Ergebnis der geheimen Wahl war ein einstimmiges Votum, das die 48-Jährige zum Strahlen brachte. Sie freue sich auf einen tollen Wahlkampf. „Wir rocken das“, sagte sie kämpferisch.

    Gratulierten Katrin Müllegger-Steiger (Mitte) zur Nominierung als Landratskandidatin: die Landesvorsitzende der Grünen, Gisela Sengl (links), und Kreissprecherin Lena Eichner.
    Gratulierten Katrin Müllegger-Steiger (Mitte) zur Nominierung als Landratskandidatin: die Landesvorsitzende der Grünen, Gisela Sengl (links), und Kreissprecherin Lena Eichner. Foto: Carmen Jung

    Das Ergebnis freute auch Grünen-Landesvorsitzende Gisela Sengl, die eigens nach Aichach gekommen war. Die erfolgreiche Politik der Grünen vor Ort macht sie dafür verantwortlich, dass die Partei in den jüngsten Umfragen bei 15 und die SPD nur bei acht Prozent stand. Sengl kündigte an, die Mandate bei der Kommunalwahl im März 2026 ausbauen zu wollen. Doch für Sengl geht es nicht nur ums eigene Abschneiden, sondern darum, „für die Demokratie zu kämpfen“. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Cemal Bozoğlu forderte, der AfD die Stirn zu bieten. Diese Partei hat der Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft, wogegen sie vorgeht.

    Ob die AfD einen Landratskandidaten stellen wird, hat diese zuletzt als „wahrscheinlich“ bezeichnet. Wie viele Kandidaten antreten werden, ist offen. Bislang hat die CSU Peter Tomaschko als Kandidaten für die Nachfolge von Landrat Klaus Metzger präsentiert, der nicht mehr antreten wird. Die Freien Wähler wollen Marc Sturm ins Rennen schicken. Die Nominierungen stehen in beiden Fällen noch aus. Die SPD hat bislang nicht bekannt gemacht, auf wen sie setzt. Unabhängige und FDP haben sich noch nicht entschieden.

    Für Müllegger-Steiger wird es nicht der erste Landratswahlkampf. Bereits 2014 hatte sie kandidiert und sieben Prozent erhalten. 2020 holte Stefan Lindauer für die Grünen 15 Prozent.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren