Es war ein Verkehrsunfall, der auch erfahrene Rettungskräfte an ihre Grenzen brachte: In der Nacht zum 6. Oktober vergangenen Jahres kam auf der Staatsstraße 2035 bei Petersdorf ein 23-jähriger Mann aus dem Landkreis Aichach-Friedberg ums Leben. Er saß auf dem Beifahrersitz eines Autos, das ein 19-Jähriger gesteuert hatte. Die Polizei ging schon am Tag danach davon aus, dass dem Unfall ein illegales Autorennen vorausgegangen war. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hat sich diese Einschätzung im Laufe der Ermittlungen bestätigt. Der Unfall wirft die Frage auf: Gibt es im Landkreis ein Problem mit illegalen Autorennen oder war das eine Ausnahmeerscheinung?
Der tödliche Unfall ereignete sich in jener Oktobernacht um 0.11 Uhr in Richtung Affing. Die Polizei schilderte am nächsten Tag, dass der 19-Jährige in einer lang gezogenen Linkskurve die Kontrolle über seinen BMW verloren hatte. Der Wagen geriet rechts ins Bankett und schleuderte anschließend quer über die Straße gegen einen Baum. Das Auto fing beim Aufprall Feuer. Für den Beifahrer kam jede Hilfe zu spät. Der Fahrer erlitt schwere Verletzungen.
Vor dem Unfall: Die hochmotorisierten Autos sind viel zu schnell
Die Polizei hatte schon früh den Verdacht, dass sich der 19-Jährige aus dem Landkreis Günzburg ein illegales Autorennen mit einem gleichaltrigen Bekannten geliefert haben könnte. Beide waren mit hochmotorisierten Autos unterwegs und beide fuhren mit deutlich überhöhtem Tempo. Der Bekannte war den Erkenntnissen zufolge kurz vor dem Unfallauto über die Staatsstraße gerast.
Geht es nach der Staatsanwaltschaft Augsburg hat der tödliche Unfall strafrechtliche Konsequenzen für beide beteiligten jungen Männer. Auf Anfrage unserer Redaktion gibt die stellvertretende Pressesprecherin, Staatsanwältin Melanie Ostermeier, Auskunft, dass die Staatsanwalrtschaft „zwischenzeitlich wegen des Vorwurfs des verbotenen Kraftfahrzeugrennens und der fahrlässigen Tötung Anklage zum Amtsgericht Aichach erhoben“ hat.
Vor Gericht verantworten soll sich aus Sicht der Staatsanwaltschaft der damals 19-jährige Unfallfahrer. Ihm wird „ein verbotenes Kraftfahrzeugrennen in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung“ zur Last gelegt. Das teilt Peter Grünes, Pressesprecher des Amtsgerichts Aichach, mit. Bei dem ebenfalls am Rennen beteiligten damals 19-Jährigen geht es ausschließlich um den Vorwurf des verbotenen Kraftfahrzeugrennens. Grünes teilt auf Anfrage ebenfalls mit: „Zu Alkohol und Drogen ergeben sich aus der Anklage keine Anhaltspunkte.“
Ist das illegale Autorennen im Kreis Aichach-Friedberg ein Einzelfall?
War dieses verhängnisvolle Autorennen auf der Staatsstraße 2035 ein Einzelfall? Nach Einschätzung der Polizei schon. Weder die Inspektion in Aichach noch die in Friedberg haben Erkenntnisse, dass hier Fahrer schwerer Autos häufiger ihre Kräfte messen. In der Kissinger Auenstraße, die schnurgerade an der Bahnlinie entlangführt, gibt es allerdings eine besondere Situation. Hier geben Fahrer oft stark Gas, bremsen scharf, drehen Kreise, wie Karl Schreiner, Leiter der PI Friedberg schildert. Davon zeugen auch Spuren von Reifenabrieb auf dem Asphalt. Um Rennen handle es sich jedoch nicht. Die Polizei fährt laut Schreiner gerade am Wochenende verstärkt Streife an dieser Stelle, um die Raser zu stoppen.
Der stellvertretende Aichacher Inspektionsleiter Markus Bommler sagt zu Rennen: „Hin und wieder kommt es natürlich vor, aber nicht gehäuft.“ Bekommt die Polizei einen Hinweis, nimmt sie Ermittlungen auf. Meist lieferten Zeugen dankenswerterweise gleich ein Kennzeichen mit. Um den Beweis führen zu können, brauchen die Ermittler aber weitere Zeugen. Gelegentlich bekommt die Polizei ein „gutes Beweismittel, das wir dankbar annehmen“: die Aufnahmen einer GoPro, einer Actionkamera, mit der Raser ihre Renntour selbst gefilmt haben.
Die Inspektionen vor Ort stehen laut Schreiner im Austausch mit der Verkehrspolizei Augsburg. In der Nachbarstadt hatte sich vor einiger Zeit eine Tankstelle zum Treffpunkt der Szene entwickelt; Ähnliches gebe es im Landkreis Aichach-Friedberg jedoch nicht.
Ob es zum Prozess gegen die beiden jungen Männer, die am Petersdorfer Unfall beteiligt waren, kommt, ist bislang offen. Das Aichacher Amtsgericht prüft nun, ob es ein Hauptverfahren eröffnet. Darüber ist laut Pressesprecher Peter Grünes „noch nicht entschieden“.
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