„Noch gibt es kein beschlossenes Gesetz, das sind alles Entwürfe. Die ganze Branche kämpft dafür, dass es nicht so weit kommt.“ So fasst Umberto Freiherr von Beck-Peccoz, Inhaber der Brauerei Kühbach, den Stand der Dinge zusammen. Die Bundesregierung hat Ende April erklärt, dass eine Abgabe auf zuckerhaltige Getränke kommen soll – allerdings erst ab 2028. Aus dem noch nicht beschlossenen Entwurf, der auf Vorschlägen einer Expertenkommission für Einsparungen im Gesundheitssystem basiert, gehen jedoch bereits erste Eckpunkte hervor: Von fünf bis acht Gramm Zucker pro hundert Milliliter Getränk sollen 26 Cent Steuer pro Liter anfallen. Ab acht Gramm auf dieselbe Menge Flüssigkeit würden dann 32 Cent für einen Liter fällig.
Getränkeproduzenten müssten Preise durch Zuckersteuer erhöhen
Jürgen Kunzmann ist mit seiner Dasinger Firma Lizenznehmer der Marke „Frucade“ und produziert unter dem Namen Limonaden und Schorlen. „Bei den gängigen Limonaden braucht man acht Gramm Zucker oder mehr, das ist schließlich der Geschmacksträger“, sagt er. Ein Standard-Kasten mit 20 Halbliterflaschen sei aktuell für fünf bis zehn Euro zu haben. Mit der Steuer wären es auf einen Schlag 3,20 Euro mehr: „Wir als Hersteller machen nicht genug Gewinn, um das zu kompensieren.“ Nach Kunzmanns Berechnung kommen dann auch noch 38 Cent zusätzliche Mehrwertsteuer pro Kasten neu dazu.
Auch Franz Freiherr Groß von Trockau, der mit seiner Brauerei Unterbaar Softdrinks unter der Marke „Cubana“ vertreibt, rechnet damit, die gestiegenen Kosten an die Kunden weiterzureichen: „Es wird mindestens 3,20 Euro teurer werden, unser ‚Cola-Mix-Kasten‘ liegt aktuell bei knapp zehn Euro, das ist schon deutlich mehr dann.“
In Kühbach sieht Freiherr von Beck-Peccoz allerdings einen Vorteil bei den lokalen Produzenten: Diese seien deutlich günstiger als die großen Marken, eine Erhöhung auf dem Markt also eventuell noch akzeptiert. „Diejenigen, bei denen die Kiste ‚Cola-Mix‘ durch die Steuer mehr als die Kiste Bier kostet, haben vielleicht ein größeres Problem.“
Alkoholfreie Getränke spielen für seine Brauerei eine große Rolle, machen 50 Prozent des Absatzes aus. Wenn man alkoholfreies Bier dazu zählt, sogar mehr als die Hälfte. Das Top-Produkt hierbei sei der „Cola-Mix“ mit über zwei Millionen Flaschen im Jahr. Auch in Unterbaar entstehen 40 Prozent des alkoholfreien Umsatzes durch die Mischung aus Cola und Orangenlimonade, die im Volksmund oft unter dem von Riegele aus Augsburg geschütztem Namen „Spezi“ läuft.
Getränke mit weniger Zucker liefen zuletzt nicht gut
Auch für Kunzmann zieht der alkoholfreie Bereich an – „trotz der Debatten rund um Zucker“. Vor zwei Jahren startete sein Unternehmen einen Testlauf mit „Frucade zero“, was von den Verbrauchern nicht angenommen wurde. Ähnliche Erfahrungen hat Freiherr von Beck-Peccoz mit „Kühbacher Fit“ gemacht: Die zuckerreduzierten Optionen liefen gar nicht gut, es habe gegenüber künstlichen Süßstoffen auch lange eine große Zurückhaltung auf Kundenseite gegeben. Er sieht aber auch Spielraum für Innovationen: „Mit der Brauerei Maisach haben wir den ‚Jungen Hopfer‘ übernommen, eine Hopfenlimonade mit wenig Zucker, die kommt wahnsinnig gut an.“
Auch in Unterbaar arbeitet man jetzt für den Fall, dass die Steuer kommt, an angepassten Rezepturen: „Wir werden aber den Geschmack wohl nicht komplett reproduzieren“, befürchtet von Trockau. Noch sei nicht nur die genaue Form des Gesetzes unklar: Es sei nicht abzuschätzen, ob die Kunden lieber mehr Geld für den gewohnten Geschmack in die Hand nehmen oder verzichten. Kunzmann fragt sich derweil, ob künstliche Süßstoffe wirklich gesünder sind. „Außerdem sind wir als Getränkeindustrie fast alleiniger Abnehmer von Flüssigzucker, das wird für dessen Hersteller auch Probleme verursachen.“ Die Brauerei Kühbach will noch die genaue Ausgestaltung der Steuer abwarten, sich aber auf verschiedene Szenarien vorbereiten.
Unternehmer setzt auf Eigenverantwortung der Kunden
Wie finden die lokalen Hersteller die Pläne der Regierung? Franz Freiherr Groß von Trockau ist natürlich nicht erfreut – und zudem ein Freund der Eigenverantwortung: „Ich bin sehr für gesundheitliche Aufklärung, gleichzeitig sehe ich in der Familie, dass die schon im Kindergarten beginnt.“
Jürgen Kunzmann stört nicht nur die Dimension der Abgabe: „Wir als Getränkeindustrie sind doch nicht die einzigen Verarbeiter von Zucker, der Lolli an der Kasse wird aber nicht besteuert.“ Umberto Freiherr von Beck-Peccoz sieht einen generellen Trend im Geschmack der Kunden weg von starker Überzuckerung, den eine Abgabe verstärken könnte: „Ich bin aber kein so großer Freund von Besteuerungen, über das Gesundheitsbewusstsein erreicht man mehr.“ Er stellt auch den Effekt der Abgabe infrage: „Wenn etwas hip ist und die Leute es wollen, hält sie der Preis nicht auf.“
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