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Breitenbronn

25.05.2019

In Breitenbronn gibt es einen echten Wohlfühl-Ort

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Luzia Birle wollte früher einfach nur mit den Weiden ihr eigenes Heim und den Hof verschönern. Mittlerweile ist  das Hobby ein zweites Standbein.
Bild: Marcus Merk

Plus Anfangs verschönerte Luzia Birle mit ihren Weidenflechtereien Haus und Hof. Heute gibt sie Kurse und fasziniert mit der Handwerkskunst immer mehr Menschen.

Wer von der B300 in die Talstraße einbiegt, bemerkt schon eine deutliche Veränderung der Umgebung. Schmucke Vorgärten, blumenumsäumte Mauern. Und der Hof der Familie Birle ist ein echter Wohlfühl-Ort: Überall viel Grün, blühende Pflanzen in Töpfen, ein kleiner Brunnen mit Kräuterbeet und eine unfassbar weit verzweigte, drei Meter hohe Rose rankt an der Hausmauer empor, in der sich munter die Spatzen tummeln.

„Die Rose ist schon 25 Jahre alt und gedeiht prächtig wegen des lehmigen Bodens an dieser Stelle“, erklärt Luzia Birle. Sie schneidet sie zwei Mal im Jahr, indem sie vorne auf den Frontlader steigt. An den Seiten des Hauses klettert wilder Wein hinauf.

Gemütliche Sitzgelegenheiten unter den Bäumen laden zum Verweilen ein und dazwischen zieren etliche dekorative Weidenobjekte das idyllische Gehöft. Wie soll es auch anders sein, wo doch Luzia Birle in ihrer Weidenwerkstatt neben dem Wohnhaus seit 14 Jahren Objekte aus Weiden flechtet, sie verkauft und auch Kurse anbietet. „Es lief eigentlich von Anfang an überraschend gut“, erinnert sich die Kunsthandwerkerin, die mit ihrem Mann und ihrem Sohn im Ortsteil Breitenbronn einen Bio-Milchviehbetrieb betreibt.

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Freizeit hat sie kaum mehr

Wollte sie früher einfach nur mit den Weiden ihr eigenes Heim und den Hof verschönern, so machte sie aus dem Hobby ein zweites Standbein. Freizeit hat sie kaum mehr, denn früher war ja das Weidenflechten ihre Freizeit. „Da konnte ich mich entspannen und abschalten“, sagt die 57-Jährige. So erklärt sie sich auch den Erfolg dieses alten Handwerks: „Nach etwa einer halben Stunde verstummen alle Gespräche und man ist total in diese Arbeit vertieft“, schildert Luzia Birle ihre Erfahrung aus den Kursen, die sie in ihrer Werkstatt und auch außerhalb etwa für die Volkshochschule gibt. „Es hat etwas Meditatives und am Ende sind die Teilnehmer stolz, selbst etwas geschaffen zu haben.“ Vor allem für verkopfte Büroarbeiter sei das eine tolle Erfahrung, so wird ihr oft rückgemeldet.

Selbst die Werkstatt, ein ehemaliger Stall, ist ein schöner Ort. In der Mitte stehen zwei Arbeitstische, ein riesiger antiker Schrank. „Das war früher ein Schrank für Messgewänder in einer Kirche.“ Er dient als Stauraum. Unzählige Weidenkränze, Kegel, Körbe und dekorative Objekte zieren die Wände und Regale.

Den Händen sieht man die viele Arbeit an

Und das Rohmaterial, die Weiden an sich, werden im Großhandel bestellt und stehen in unterschiedlichen Varianten bereit, nachdem sie eingeweicht wurden. Erst dann sind sie überhaupt biegsam und können verarbeitet werden. „Das ist schon schwere Arbeit, da darf man sich nicht täuschen“, erklärt Luzia Birle, während sie flechtet. Sie hat auffallend breite, kräftige Hände, denen man die viele Arbeit ansieht.

Selbst auf einem landwirtschaftlichen Hof in Dinkelscherben aufgewachsen, heiratete Luzia Birle auf den Hof nach Breitenbronn ein und zog mit ihrem Mann vier Kinder groß, zwei Töchter und zwei Söhne. Einer davon ist nun als Nachfolger auf dem Bioland-Hof mit eingestiegen.

Eine Apfelnudel frisch aus dem Rohr

Das gibt Luzia Birle mehr Freiräume für ihre Weidenwerkstatt. Kurse gibt sie an den Abenden oder an den Samstagen. Dann gibt es sogar ein warmes Mittagessen und zum Kaffee meist eine Apfelnudel frisch aus dem Rohr. „Ich liebe einfaches und gutes Essen“, sagt Luzia Birle. Mit guten, natürlichen Zutaten könne eigentlich kaum etwas schiefgehen, meint die Biobäuerin.

Meist sind es Frauen, die zum Flechter kommen, „und meistens sind es Frauen, die mir sehr liegen, die auch naturverbunden sind und bodenständig“. Meist sind sie in mittlerem Alter und ihr Garten liegt ihnen sehr am Herzen. Sie wollen ihn verschönern, aber mit Naturmaterialien wie der Weide.

Was sich in die Natur gut einfügt, war schon immer schön

„Die Pflanzen sollen ja die Hauptattraktion sein und die Dekoration das Beiwerk, das stimmig ist und sich unterordnet“, findet Luzia Birle. Ist sie auf Kunsthandwerkermärkten mit ihren Werken vertreten, wird sie manchmal darauf angesprochen, was gerade „im Trend“ liegt. Damit kann die 57-jährige Landwirtin gar nichts anfangen, denn was sich in die Natur gut einfügt, war schon immer schön, findet sie. Sie findet es schade, wenn Frauen aus einem gesellschaftlichen Zwang heraus dauernd umdekorieren und Haus und Garten mit gekauftem Schnickschnack überladen, nur damit Freundinnen sie bewundern.

So sucht man auf dem Hof von Luzia Birle vergeblich grelle Farbakzente – für sie muss es möglichst naturnah und fürs Auge gefällig sein.

Bereits erschienen in unserer Serie "Hausbesuche:"

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