Ihr Umzug von Mannheim nach Neusäß vor drei Jahren bildete für die Künstlerin Jarmila Lutat einen Neuanfang im Zeichen der Kunst. Sie bezeichnet dies als besten Schritt in ihrem persönlichen, besonders aber ihrem künstlerischen Leben.
Während sie in Mannheim nach einer langen künstlerischen Vergangenheit zuletzt unter einer kreativen Blockade litt, fand sie im Augsburger Land wieder die Freiheit, konnte aufatmen und erfuhr eine völlige neue Schaffenskraft. Die Anfrage der Kuratorin Silvia Jäkel hinsichtlich einer Einzelausstellung im Rathaus Neusäß war zusätzlicher Ansporn für neue Arbeiten und markierte den Beginn einer neuen Ära.
Die aktuelle Ausstellung kann somit als vorläufiger Gipfelpunkt ihrer künstlerischen Entwicklung angesehen werden. Die Ausstellung „Menschen im Licht“ lässt sich in vier Bereiche gliedern: Heimat, Reportagen, Klassik und Porträts. Insgesamt sind ihre Arbeiten der Ausstellung das Ergebnis ihrer Vorlieben für das Sujet des Menschen in seiner Vielschichtigkeit.
Auch die eigene Vergangenheit findet sich in den Bildern wieder
Eine Serie eindrucksvoller Porträts, die den Betrachter direkt abholen, überzeugt besonders. Mit drei besonderen Bildern über die Vergangenheit ihrer eigenen Familie in Mähren bringt sie eine ganz persönliche Note in die Ausstellung. Diese Werke unter dem Oberbegriff Heimat, führen die Künstlerin zurück in eine glückliche Vergangenheit im Kreise ihrer Lieben und bilden das emotionale Herzstück der Schau auf der Galerie. So spiegelt sich im Bild „Ostrava“ die Kindheit der Künstlerin in dem Kleinkind mit seinem liebevoll strahlenden Lächeln wider“, vermittelt Vernissagerednerin Jäkel den Besuchern die Aussage dieses Werks. „Liebenswertes Chaos“ ist ein weiteres Werk betitelt und erzählt vom traditionellen weihnachtlichen Karpfenessen im Kreise der Familie.
Jarmila Lutat setzt sich bewusst mit Klassikern auseinander
Mit ihrer zweiten Serie „Reportage“ stellt Jarmila Lutat mit acht Bildern einen Bezug zu unserer Zeit her, indem sie Fotos als Grundlage für ihre Bilder aufgreift. Ein flüchtiger Augenblick, festgehalten im Foto wird von ihr malerisch im Bild verewigt.
Genau genommen aber schenken ihr alte Meister eine neue künstlerische Freiheit, denn ihre besondere Inspiration ist der Dialog mit Klassikern; die dritte Serie der Ausstellung. Lutat sah, wie junge Künstler die Kunstgeschichte mithilfe von KI umkrempelten, um den Staub von den Klassikern zu blasen und um diese in einen völlig neuen Kontext zu setzen. „Eine tolle Sache“, findet die Künstlerin. Doch den Arbeiten junger Künstler, die alte Meister digital verfremden, setzt sie einen bewussten Gegenpunkt. Was diese am Computer bearbeiten, erschafft sie mit ihren Ölbildern rein von Hand. Dazu setzte sie sich im Vorfeld intensiv mit historischen Maltechniken, insbesondere der von Leonardo da Vinci erstmals angewandten Technik des sogenannten Sfumato, der Kunst der weichen Übergänge und der nebligen Schatten, auseinander. Sie las Fachbücher und hörte die passende Musik, um eine Brücke zwischen der klassischen Kunstgeschichte und der Gegenwart zu bauen und den Bildern ein zweites Leben einzuhauchen.
Leonardo da Vinci ist dabei ihr künstlerisches Leitbild. Fünf Werke dieser Art präsentiert sie, darunter „Beatrice Cenicis letzter Anruf“ und „Junger Kaufmann“. Als Vorlagen dienten ihr die Bilder von Guido Reni, um 1600 und das Bild von Hans Holbein dem Jüngeren aus dem Jahr 1541. Das Besondere dieser beiden Arbeiten ist ihre Detailtreue zum Original und der Bezug zu unserer modernen Welt: der Knopf im Ohr beim Kaufmann, sein Flugticket in der Hand oder das Handy bei Beatrice Cenci. Die letzte Serie „Porträts“ ist mit 16 Arbeiten die umfangreichste und zeigt Mitglieder aus dem engsten Familienkreis der Künstlerin.
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