Stefano T. liebt das Rennradfahren durch das Augsburger Land. Doch am vergangenen Wochenende gab es bei seiner Runde im Bereich der Reischenau einen Moment, in dem er zu sich selbst sagte, das sollte seine letzte Tour sein. Der 55-Jährige war gerade auf der Ortsverbindungsstraße von Häder nach Mödishofen im Bereich der kleinen Roth unterwegs, als er einen Schlag auf seinen Helm spürte. Was war passiert? Weder herunterhängende Äste noch andere Hindernisse waren im Weg - allein ein Raubvogel zog über ihm seine Runden. Hatte dieser ihn angegriffen? Gut möglich, so die Einschätzung des Landesbunds für Vogelschutz (LBV).
Eines vorneweg: Das Verhalten des Raubvogels hat nichts mit Aggressivität gegenüber Menschen zu tun, heißt es vom Landesbund für Vogelschutz. Es gehe allein um den Schutz eines nahe gelegenen Geleges in einem Horst, erklärt ein Sprecher des Verbands. Üblicherweise sind es Mäusebussarde, bei denen solch ein Verhalten beobachtet wird, in Einzelfällen auch mal Rotmilane, die gerade in diesem Bereich des Landkreises Augsburg gehäuft vorkommen. Doch weitaus häufiger sind es eben Mäusebussarde, bei denen solch ein Verhalten beobachtet wird. In ganz Bayern gibt es rund 16.000 Mäusebussard-Paare.
Mäusebussarde brüten im Landkreis Augsburg
Die Vögel brüten üblicherweise an Wald- und Gehölzrändern, wie sie an der kleinen Roth zu finden sind. Bereits im April legt das Weibchen zwei bis vier Eier. Wenige Wochen später schlüpfen die Jungen und werden ab Anfang Juni flügge. Genau in diese Zeit, wenn die noch unsicheren Jungvögel den Horst verlassen, fallen dann auch die Angriffe. Zumeist übrigens würde es sich um Scheinangriffe handeln, so der Sprecher des Landesbunds für Vogelschutz. Die Vögel nähern sich von hinten und scheinen anzugreifen.
Das kam Stefano T. jedoch gar nicht so vor. Er spürte, wie der Vogel seinen Fahrradhelm packen wollte - und das sogar zweimal. Beim Landesbund für Vogelschutz erklärt man weiter: Angegriffen werden Ziele, die sich schnell bewegen, oft sind das Jogger, manchmal auch Radfahrer. Um einen Angriff abzuwehren, kann es helfen, sich dem Vogel zuzuwenden und einen Gegenstand in die Höhe zu halten, etwa einen Stock. Weil der Vogel auf den höchsten Punkt zielt, könnte er dann den Stock packen. Zudem könnte es helfen, sich langsamer zu bewegen.
Raubvogel-Angriff: Wie kann ich mich schützen?
Tatsächlich werden aus Sicht des Landesbunds für Vogelschutz immer häufiger derartige Angriffe beobachtet, weil sich immer mehr Menschen in der Natur aufhalten und dort Sport treiben. Wer das tut, solle sich vorbereiten und, im Falle eines Falles, mögliche Wunden durch die Krallen der Vögel gut desinfizieren.
Gibt es derzeit eine Häufung derartiger Angriffe? Nein, sagt Förster Thomas Miehler, der im Forstamt in Biburg arbeitet. Vor einigen Jahren hatten zwar Hinweisschilder im Wald zwischen Diedorf und Rommelsried vor genau solchen Zwischenfällen gewarnt. Aus seiner beruflichen Praxis kennt Thomas Miehler keine Vorfälle - jedoch aus seinem privaten Umfeld. „Ein Bekannter war beim Joggen, als ein Raubvogel seinen Kopf ins Visier nahm.“ Passiert sei damals nichts. Der Mäusebussard habe sein Nest verteidigen wollen, das ganz in der Nähe war.
Auch wenn die Hintergründe bekannt sind - der Schreck kann ziemlich tief gehen. „Die Angst kam erst hinterher“, erzählt Stefano T. Auch auf dem Rennrad kommt man schließlich auf freier Fläche nicht so schnell aus der Reichweite des Vogels. Seine nächste Trainingseinheit hat er sicherheitshalber auf dem Heimtrainer absolviert. Das sei vielleicht ein wenig übertrieben, meint der LBV. Auch in den betreffenden Wochen müssten Waldgebiete nicht völlig gemieden werden.
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