Die Pläne zum Bau der Windräder im Wald bei Ettelried nehmen Gestalt an. Aus den zehn Windrädern, die die Juwi AG vor vier Jahren auf etwa 140 Hektar Fläche geplant hatte, sind mittlerweile vier geworden. Läuft alles nach Plan, könnten sie 2027 in Betrieb gehen und mehr als 16.000 Haushalte mit Strom versorgen. Den Erschließungsplänen der Juwi AG hat der Dinkelscherber Bauausschuss jetzt im Rahmen eines Vorbescheides zugestimmt.
Drei der vier Windräder stehen laut Plan mehr als 2500 Meter außerhalb des Ortes. Damit würden die 250 Meter hohen Anlagen der früheren 10H-Regelung entsprechen, die bis 2022 galt. Die Regelung besagte, dass die Entfernung zur Wohnbebauung der zehnfachen Höhe eines Windrades entsprechen muss. Diese Regelung der bayerischen Staatsregierung wurde mittlerweile aber gekippt.
Und es spielt keine Rolle, dass das vierte Windrad diesen Abstand etwas unterschreitet. Im Juli hatte Christine Kania vom Bauamt Dinkelscherben im Bauausschuss dazu erklärt, dass dieses vierte Windrad eine Privilegierung erhalte, weil es im Wald stehen würde und ausreichend Abstand zum Waldrand hätte. Unter diesen Umständen müsste die 10H-Reglung nicht eingehalten werden.
Warum der Bauausschuss nur über 800 Meter Zufahrt entscheiden konnte
Auch die Zufahrten zu den vier Windrädern sind immer wieder ein Thema. Die Juwi AG hatte ihre Ideen hierzu schon vorgestellt und einen Antrag auf Vorbescheid gestellt. Über diesen Antrag hat der Bauausschuss in Dinkelscherben jetzt entschieden. Demnach würde die Zufahrt über die A8-Ausfahrt Burgau erfolgen und weiter über die Verbindungsstraße zwischen Anried und Burtenbach (Kreisstraße A6). Bis dahin liegt die Zufahrt außerhalb des Bereichs von Dinkelscherben.
Lediglich von der Kreisstraße her ist vorgesehen, einen öffentlichen Feld- und Waldweg in Bereich von Anried zu nutzen. Wie Christine Cania erklärte, handele es sich um einen aus der Flurbereinigung angelegten, nicht ausgebauten Weg mit einer Länge von etwa 800 Metern. Der Bau-, Umwelt- und Energieausschuss hatte hier keine Einwände und stimmte zu. Jetzt muss nur noch das Landratsamt über den Antrag auf Vorbescheid entscheiden. Dann wäre zumindest die Frage nach der Zufahrt geklärt.
Skepsis wegen des Windparks in Ettelried
In Ettelried herrscht dennoch weiter Unsicherheit. Viele befürchten, dass die vier Windkraftanlagen des Typs SG-170 den Geräuschpegel im Ort erhöhen. Ein Gutachten hatte ergeben, dass sie mit 35 Dezibel zu hören sein könnten, also etwa so laut wären wie ein Zimmerventilator. Außerdem müssten laut Juwi AG etwas mehr als 21.000 Quadratmeter Wald dauerhaft gerodet werden, wofür aber an anderer Stelle Ausgleichsflächen geschaffen werden. Nach Angaben des Bauamtes entspricht das etwa 0,1 Prozent der Gemeindewaldfläche.
Wie Ettelried zum Protestdorf wurde
Eigentlich wollte die Juwi AG ihre Windkraftanlagen bereits 2025 in Betrieb nehmen. Mittlerweile hat sich das Projekt um gut zwei Jahre verzögert. Zudem waren zum Projektstart noch zehn Windräder geplant. Es war jedoch nicht möglich, die damals noch geltende 10-H-Regelung für alle zehn Anlagen einzuhalten. Ettelried wurde damals zum Protestdorf, mit unzähligen Bannern und Statuen gegen den Windpark taten die Bewohner ihren Unmut kund. Außerdem gründete sich die Bürgerinitiative „LebensWerte Reischenau“ als Gegenstimme zum Windpark. Die Vorsitzende des Vereins erklärte, es gehe nicht darum, Windkraft grundsätzlich zu verteufeln, sondern darum, die Natur zu schützen. Die Bürgerinitiative verwies auf Fledermaus-Populationen oder Vogelarten wie den Rotmilan, die hier im Wald leben würden. (mit mfid)
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